Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 6 [7] (2.1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 174 (sequence 4)
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und größte Sorge sein müssen, statt daß wir uns gedankenlos über die prnsperitv im Westen freuten und dem Flend des Ostens mit etwas erweiterter Wnhltätiickeit /.u steuern suchten. Die Welt stand uns damals mich offen, da nah es noch nicht die Hinwanderungsgesetze von heute, die unseren Verzweifelnden die Tür vor der Nase zuschlagen. Da war noch allenthalben Hoden zu haben, unsere Massen darauf anzusiedeln. Da hatten wir noch nicht so gelehrige Zöglinge der europäischen Uinsturzschule unter uns, um den europäisch-amerikanischen Regierungen und Autoritäten Angst vor uns einzujagen. Nun, die <iunst der Zeit wurde damals nicht genutzt. Auch von denjenigen nicht, denen schon etwas von der Notwendigkeit einer weitgehenden Umstellung unserer ganzen wirtschaftlichen Betätigung, einer Bcrufsumschichtung im groben Mallstabe schwankte oder die diese Notwendigkeit schon klar erkannten: weder von denjenigen, die Siedlungsaktionen als private Liebhaberei betrieben, noch von den anderen, die lene große Bewegung schufen, in welcher der Gedanke der Berufs- und Mentalitätswende, der nur als zentraler Sinn hat, einem andern Gedanken als zentralen untergeordnet wurde. Und so stehen wir jetzt mit leeren Händen einer ungünstigen Zeit gegenüber, und es ist sicher, daß sich ihre Ungunst geltendmachen wird, falls wir jetzt nun doch ans Werk gehen. Jeder Schritt vorwärts wird uns hundertfach mehr Mühe und vor allem mehr Zeitaufwand kosten, als er uns gekostet hätte, wenn wir unsere Pflicht schon vor Jahrzehnten getan hätten, wenn wir schon damals für Siedehingen in Städtnähe zur Weckung der Lust am Landleben gesorgt, Lehrgüter errichtet. Finzel- und (iesellschaftssiedlungen geschaffen und auswandernde Massen in Finwandcrungsländern kolonisiert hätten. Jetzt werden wir Oeduld. sehr viel Geduld notig haben. Allein, wenn wir sie üben, werden wir keinen Mißerfolg zu fürchten brauchen, dürfen wir sogar erwarten, auch manches zu wirken, „was von der Zeit" und nicht „bloß" „vom Lenker der Zeit uns Menschen und Juden als selbstverständliche Pflicht anfgegeben ist". Freilich, so weit sind wir ja noch lange nicht. Vorläufig hat unser Volk noch alles andere eher im Sinne als die große Aufgabe, aus sich ein voll würdiges und starkes Werkzeug in der Hand Gottes zu machen. Vorläufig fühlen sich seine Führer und Berater noch hoch erhaben über derlei „Phantasien", die nicht von der Parteien Moden vorgeschrieben sind. Vorläufig wird ja nicht einmal noch die Ungunst der Zeit als Finwand benützt - wäre es der Fall, wie weit wären wir da schon!" Vorläufig haben noch jene Finwände das Gehör des Volkes die sich sozusagen prinzipiell gegen die Idee der Verländlichung wenden. Vorläufig hören wir noch eine Verteidigung des Kaufmannes, ein Lob der Stadt und besonders der gröiJen Stadt als geistigen Zentrums oder speziell als Sitzes rabbinischer Größen und jüdischer Geistfgkeit überhaupt und schließlich eine Kritik des Bauern. Fast unnötig, darauf zu replizieren: Die Feststellung, daß ein Volk aus lauter Kaufleuten eine unnormale Fntwicklung nehmen müsse, tritt doch dem Kaufmann als solchem nicht nahe. Wenn man in den Weltstädten etwas weniger als das Heil der Menschheit und speziell der Judenheit (nebenbei: Sura und Pumbaditha waren ganz kleine Nester. Slohodka, Telsch und Mir sind es heute und Lubbn und Preßburg sind wahrlich auch keine Residenzen) sieht und wenn man ein starkes länd- 17»