Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 6 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 22)
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s».in i N)id.ii in Frankreich, Du l'pchtt-r, amerikanisch vermummt, aber ebenso mliMierioll wie in der alten Heimat, wird wahnsinnig. Da beginnt Mendel mit <i"it zu hadern, ihn zu lästern. Ergreifend die Szene, wie er das rotsamtene Sackchen mit Tefillin, Tallis und Qcbetbucli verbrennen will: „Ein paar Mal hob ei es in da- - Ho.-«., ,.lur seine" Arme lielien es wieder sinken. Sein Herz war bose auf Oott, abci 111 seinen Muskeln wohnte noch die Furcht vor Oott." 11cutiJe besuchen Iba und versuchen ihm den Zorn gegen Holl auszur«den. Ohm Erfolg, lir si eine geraume Zeit später, als sozusagen ein Wunder geschieht, das in Rußland zurückgelassene * idiotische Söhnchen, das er längst verkommen wül'.nt, als gesunder Mensch und als berühmter Komponist und Kapellmeister erscheint, versöhnt er »leb wieder mit Oott. allerdings nicht 1 hBe d.ili sieh dabei ein gewisser „liberalerer" Einschlag durchsetzt, \on dem man nicht weiß, ob man ihn aul Rechnung der Ucbcrzcuguugeri des Dichters oder aui etwa gut gesehenes Amerika zurückführen soll. Klar, daU die Umkehr Mendel hHigef« gegenüber der Umkehr des biblischen Hiob stark abfüllt. Aacii ist die Erzählung von dem Kauz unerwartet wiedergewonnenen Sohn wohl packend und voll dramatischer Kraft, aber doch auch zu erdacht, zu sehr happy end, uhr siji gegenüber der grandiosen Epik des H^uptteils des Buches, gegen dieses als ganzes behaupten zu können. Denn das darf man ruhig sagen: Mit so einfachen Mitteln ist schon lange nicht ein solcher Hölicptitikt in der Zeichnung von Mcns«Jicii .und menschlichen Schicksalen, in Milieuschilderung und in der dichterischen Darstellung eines Zeit- und Volksschicksales erzielt worden, wie in dem Roman „Hieb" von losif Roth, IHK NKHNMUCIfT NA III DER .SEHNSUCHT Wir sind unseren Lesern noch einige Worte über die zweite liberal? Weltkonferenz, die im Hochsommer in London stattfand, schuldig. Sie hat in der Hauptsache zweierlei geoffeubarl: Erstens, daU die Liberalen den Mangel religiösen Antriebes und Inhaltes in dei ursprünglichen Reformbewegung jetzt schon selbst zugeben: zweitens, dali sie diesen Mangel nunmehr gerne beheben möchten. Damit ti.it es nun aber gute Weile. Denn V(H allem sind sie. worüber sie auch keinen Zweifel ließen, zu immer geringeren Mengen von dem, was sie noch glauben können, buiabgerutscht. Selbst Qotf nämlich der Oott, zu dem man nicht auf gewundenen Wegen und nicht durch Saltomortales kommt ist schon in I rage gestellt. Und dann ist der Wunsch, fromm zu sein, noch lange nicht Frömmigkeit und diese ist für d'as lndi\ iduiiin nicht an und für sich, sondern nur von der QcsamthcK, nur von dein Rhythmus ihres religiösen Lebens her erreichbar. Im übrigen verrieten manche Redner, daii sie dies auch ahnen, ohne aber daraus die Konscquenzen.eieben zu wollen. A,m weitesten nach dieser Richtung scheint der IranzösisdHAdischc Dichter Edmund Fleg gekommen zu sein. Von dem bedanken der ..judischen Sendung" ausgehend, kam er zu dem Schluß: „Damit Israel seinen Einfluß in der Welt fortsetzen kann, muß es zuerst bestehen bleiben. Hatten unsere Vorfahren unsere religiösen Riten nicht strenge bewahrt, es würde wahrscheinlich niemand von Uns heute hier anwesend sein . . ." Und wir erlauben uns hinzuzufügen Wenn, w as Oott v erhüten möge, das strenge N i c h t bewahren unserer religiösen Riten, wie es bei den Liberalen üblich ist, ganz allgemein werden sollte, so werden^ hundert Jahre spater wirklich keine Liberalen mehr da sein, die sich zu einem Kongresse in London zusammenfinden können. So sehr man tirund hat und so sehr wir uns nicht scheuen, sondern es gerade lur unsere \iifg.il>e ansehen, die Ueberliefcrungstreiien zu kritisieren, so IM