Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 6 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 19)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4884546-5428396-5428426--188-4884719- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
u soxar drohend gesagt. Aber es war docii die Möglichkeit eines modus vivendi angedeutet, der vielleicht haltbarer war als die bisher versuchten modi. Es galt also, den ganzen Artikel zu lesen. Da kam ich aber schön an. Wieder einmal ■nullte mir deutlich werden, dall unsere Juden wirklich nicht die AMcinschuM ,:n ihrer augenblicklich bedenklichen Lage tragen, ja daß der anderen Seite sogar die Hauptschuld beizumessen ist. Wenn das ganze deutsche Volk in bezuu .uif die Juden aus vier Gruppen besteht, von denen die eine die linke Halft« des Volkes - ohue sich viel um ernstere Zusammenhange und Probleme zii kümmern, gleichsam volkszählunnsinäuiy: die deutschen Juden mit den Deutschen mitzählt: die zweite der Hauptstock der rechten Haltte des Volkes . mit stumpfer, von ihren Führern und Verführern genährter Abneigung gegen die Juden diese faktisch aus der (iemeinschaft weist; die dritte ein kleines Intellektuellenlager mit viel gutefn Willen, viel Verärgerung und mit wenig Kraft ..Werdet ganze Deutsche!" ■schreit; die vierte endlich die antisemitischen i .ihrer und Verführer - mit einein Fanatismus und einer Skrupellosigkett MHidergleichen immer wieder wiederholen. daß die Juden das deutsche Volk, dem sie sich niemals assimilieren können, zugriuiderichteu wie soll da gegen uber einem solchen Wirrwarr von gegensätzliche!) Erwartungen und Forderungen der Jude zur Erkenntnis seiner Stellung, seiner Möglichkeiten und teiltet Pflichten kommen? Wenn auf der anderen Seite, wie hei Gruppe 2 und auch 3, so oft eu gleicher Zeit Assimilation von ihm verlangt, aber nicht ihm zugestanden wird: wenn da bei allen Richtungen das. Unvermögen herrscht, natürliche und geschichtliche Wirklichkeiten zu sehen und auf ihrem Gründe eine gemeinsaim Lebens- und Eriedcnsplattform zu errichten. wie soll da er die Lage etil wirren können? Wenn so ein Mensch wie Ernst Junger, offenhur ein Mann von Intuition und Konzeptionen, eine Abhandlung schreibt, die VKU sozusagen gemäßigt ist und viel Wahrheit enthält, aber mit ihren Ironien, (ileichnissen utid Verallgemeinerungen eine einzige große Schmähung des jüdischen Volkes darstellt wenn er zwar ahnt, daß Gegensätze, so sie nur nicht geleugnet und. verschleiert werden, nebeneinander bestehen können, aber nicht erkennt, daß sie dann auch inreinander nützlich zu werden vermögen: wenn in seinem ganzen Artikel aucn nicht eine Unze von Verstehenwollen und von menschlicher Rücksicht zu finden ist. dafür aber Zentner von hifetamütiger Sclbstsicherheit und äußerster Rück sichtslosigkeit vorhanden sind. wie soll dann der Jude das Korulein Wahrheit, das sich hinter den Monomanien eines solchen vom Scheitel bis zur Sohle greulich bewaffneten Feindet verbirgt, entdecken? Wie soll er dann diese- Körnleiu in sich selber finden und erfolgreich verwerten können....? HJBHEK DEN AM1SKWIT1SHI N V. Bernstein. Der Antisemitismus als G r n p p c u c rsc.heinü'ng« Versuch einer Soziologie des Judenhasses Jüdischer Verlag. Ii e r I i i» 1926. Line ungetc Schrift desselben Verfassers war schon in diesen Wattn besprochen. Schon damals konnte die merkwürdige Paarung von geradezu be angstigender Gründlichkeit mit von Hedenken unbeschwertester Zielsetzung aui tallen. Diese Merkwürdigkeit zeigt sich nun in dem hier zu besprechenden alteren Uuche uoch mehr. Oder vielleicht ist diese Paarung gar nicht so merkwürdig Vielleicht passen gar unbeschwerteste Zielsetzung und Gründlichkeit gut tu rammen, wenn letztere - UebergrOndMchkeit. haarscharfe Dialektik Ist.