Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 6 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 3)
- Belongs to
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Wir werden sie höret) können, wenn wir Jas in der Bewegung hervortretende Pathos nicht, rutch der billigen und schädlichen, allgemein l'HS geläufigen Uebung, für durchwegs falsch halten. Denn so sicher es iiei vielen antisemitischen fdhrern und Unterführern nur eine Maske .ist. um das wahre (icsichl des persönlichen Vorteil Suchenden /.u verdecken, dein forschenden Hlick kann nicht verhornen Iiieiben, dali auch «ft und vor allem, abgesehen von den eigentlichen Melden des Pogroms, In der geführten Masse genug echter Kmpörung, und das ist ja echtes Pathos, zu finden ist. Weil aber neben echtem Pathos das falsche 'nicht primär und nicht entscheidend sein kann, können wir die Krage, auf die wir Antwort haben wollen, ohne weiteres mit den Worten formulieren: Welche Quelle ist es hauptsächlich, die das echte Pathos der heutigen ins Riesenhafte gesteigerten Judcnfeindschafl speist? Wenn wir uns ansehen, was die letzten Zeitläufte an ant;>-eu)iti.scher Literatur hervorbrachten und was für tatsächliche Anlasse-zu antisemitischen Kundgebungen sie boten, dann merken wir bald. dalJ die meisten von altcrshcr üblichen Anklagen gegen die luden nur so nebenbei erhoben werden. Ks geht den Führern heilte wahrlich nicht so sehr um die Bewucherungcn und Uenervorteilungcn, die sie den luden vorwerfen, auch nicht um deren angebliche Kcigheit. ebenso nicht um den sogenannten Rltualmord, sie wissen seihst, sehr gut, daü es Wucherer und Ucbervortcilcr auch anderwärts gibt, dal' die Feigheit der luden, die sie feststellen zu können glauben, im (irnnde niemandem schadet. Sie haben nicht die geringste Angst, durch Ritualmord nms l eben zu kommen, Und sie werden wohl auch nicht in ihrem Innern alle im öffentlichen Leben auftretenden .lüden für eigennützige und böswillige Heuchler halten. Das. um was es ihnen geht, um was es den Ehrlichen unter ihnen furchtbar ernst ist. was die Unehrlichen als tnr sie furchtbar ernst ausgeben müssen und was heute, ausgesprochen oder unausgesprochen, bewußt oder unbewußt dein ganzen \oike zum Hauptpunkte der Anklage wider die luden wurde, ihm am meisten auf die Nerven geh'. ist etwas ganz anderes. Ks ist die Rolle, die nach ihrer Meinung die ludeii_aiiLdem heuligen Völkertheater spielen, die dun Volke, seinen Kührern and Verführern nicht paüt und die sie auf eine, den luden im (jcgcnsatZc zu den andern Völkern eigentümliche inferiore Veranlagung zurückführen Während die Völker nicht nach Rezepten leben, nicht nach Phantomen greifen, aus der Schöpfung und aus der Geschichte herausgewachsene Kategorien, wie sie selbst und ihre Staaten nicht Rc/cptcn und Phantomen zuliebe leugnen, nicht in Luftschlössern ihre religiösen, ethischen und politischen Kräfte nutzlos verkrümeln. täten die luden alles dies in ihrer Unzulänglichkeit, die sie-ftrr besondere Berufung ansehen. Und sie täten es nicht etwa im eigenen Bereich, sondern zielten damit vornehmlich auf die Völker, unter denen sie wohnen, verleiteten diese oder zumindest ganze Klassen von ihnen indem sie ihnen immer wieder Rezepte vorschreiben. Phantasien vorleiern, indem sie ihnen ihre Hinrichtungen und Gebräuche verekeln die eigenen VolkMümer und Staaten selbst zu erschüttern und zu zerbrechen, die Religion und die Sittlichkeit zu relativieren, die- Autorität zu untergraben und zu stürzen. 14t