Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 6 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 2)
- Belongs to
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trifft, wissen \.ir ja schon ulltrlji: Kassengegtiisatz. der sich immer in ticue formen kleidet, HaJl gegen das I rcindartige. Schicksal einer weJir- , losen Minderheit. Wirtschaftsneid. Chauvinismus. Reaktion____ eine' dieser Ursachen oder ihrer mehrere im Hunde zum Aussuchen. Woher aher die ungewöhnliche Steigerung heute. nach nie dagewesenen Höhepunkten hin? Warum aus allen vier Himmelsrichtungen ein ..cerasez I'infame!", wie wir es. namentlich in so rüsonnicrender. formulierender 'Art früher nie gehört haben? Mau saut, die Sache sei überhaupt Kar nicht so arg. Das neuartige Henkcrp.ithos schade nicht viel, weil es innerhalb der Völker nur gewisse Kreise sind, die es. und meist auch nur als falsches Pathos entwickeln, wahrend breite Massen für antisemitische Cfcdankenglnge überhaupt und insbesondere für eine Stempelung des jüdischen Volkes zu einein Volke von Verbrechern an den Völkern und sohin für seine angeblich verdiente Vernichtung keinen Sinn haben... Aber ist dem wirklich so? Wozu sich täuschen wollen? Wenn es im Volke seit altershcr eine gewisse Problcmwunde gibt, die nach scheinbarer Veruarhung w ieder aufgebrochen ist und seit Jahrzehnten immer mehr das Denken und h'ühlen des» Volkes anfriUt, seine Mentalität immer mehr unterjocht, seine Leidenschaften immer mehr aufpeitscht, was hat es da viel zu sagen, wem: ein Teil; und sei es auch die Hälfte des Volkes, aus irgendwelchem Partei- oder Klasseninteresse so tut, als ob es nicht auch an der Wunde litte, oder sich einbildet, nicht an ihr zu leiden? Ist deshalb die Wunde nicht auch an diesem Volksteil da. nicht auch in ihm die leidenschaftliche Plage vorhanden. nur latent, stumm, für den Augenblick von anderen Leidenschaften zurückgehalten? Wirkt sie nicht auch da im Stillen, wenn sie auch noch nicht drängender, politischer und gewalttätiger Wille geworden ist? Wühlt sie nicht unter der Decke des täglichen Lebens? Ilaben wir nicht alle schon oft gewig erfahren, wie da plötzlich aus angelerntem (ileichmut heraus eine Stichflamme antijüdischer Leidenschaft. Liter vom Lifer der anderen, hervorschieüt? Ist es denn keine notorische Tatsache, daii selbst bis weit in die Lührerkreisc des Proletariats, kaum verhohlen und manchmal drastisch geäulicrt. so etwas wie verdrießlicher Unmut über die Juden oder auch geradezu Abneigung gegen sie herrscht? Und kann jemand, der nicht ganz obenhin denkt, verkennen, da Ii auch dieser Unmut und diese Abneiguug nicht ganz wirkungslos sind, sondern, aus dem (iemüte der Volksgesalntheit kommend, irgendwie im Wollen der Volksgesamtheit mundet. Wenn es aber so weit ist. wenn es klar ist, dab in der letzten Zeit die alte Abneigung gegen'die Juden in der Seele der Völker zu einem Verdammungsruf wurde, gegen den es keinen Einspruch gibt, — dann liegt die Frage nahe, wie es zu diesem neuartigen und gefährlichen Pathos des Hasses kam. Und man wird sie dann nicht mit den verschiedenen Erklärungen für den Judenhaß überhaupt beantworten können Denn, ob richtig oder "unrichtig, sind diese Erklärungen Antworten auf eine andere Präge als die hier gestellte, sind sie Aussagen über die Urgründe des Judenhasses, aber nicht über die besondere Ursache seiner unerhörten Entfaltung in der letzten Zeit. Wir aber wollen eine Aussage gerade darüber hören. 14t i