Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 6 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 4)
- Belongs to
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r die Unreifen und die Verbrecher auf du- Gesellschaft loszulassen und die unüberlegtesten sozialen und kulturellen Experimente zu machen. Offenbar fehlt es diesen Anklagen nicht an leidenschaftlicher Auflehnung gegen einen drohend empfundenen fremden Willen, nicht an echtem Pathos. Und sie verraten zugleich dessen Quelle. IS ist die Angst vor der dauernden Schädigung des eigenen Volkes durch die Juden. Bleiben nur die fragen: Ist das. #ÖVOr sich die Leute ängstigen, wirklich als Oefahr ZU betrachten oder nicht? Weiter: Wenn es als solche zu betrachten ist, besteht sie wirklich oder besteht sie nicht? Und schließlich' Sind die luden ihre Urheber und ihre Repräsentanten, das heißt ist die Anklage, die gegen sie erhoben wird, begrüßt, ist das Urteil, das ihnen gesprochen wird, gerecht oder ein Fehlurteil? Nun, daß das Wirken zersetzender Kräfte in der geschilderten Art und in dem geschilderten Ausmaß als Oefahr angesehen werden muß, daran kann für uns kein Zweifel sein. Ebenso nicht daran, daß die (iefahr vorhanden ist. Mögen die Leute, die sich ängstigen, oft selber so sein, daß sie in ihrem Sinne vor sich selber Angst haben sollten, oder so. daß sie im (irunde eine ganz andere (iefahr meinen, als die ist. die sie-mit ihren Worten zu zeichnen scheinen. an dem Tatbestand ändert dies nichts. Es bleibt wahr, daß sich in der Menschheit eine quasi geistige Bewegung immer mehr breit macht, die alle Kontinuität verlacht, alle Tradition verhöhnt, alle ewigen (irundlagen und Kategorien verneint und sich erdreistet, die (ieschichle fortab nur nach ihren trockenen und fanatischen, zu innerst wachsweichen Konstruktionen laufen hissen zu wollen: eine Bewegung, die an die Stelle von ruhiger Betrachtung, gründlicher Untersuchung, weiser Berücksichtigung der Gegebenheiten, schöpferischer Geisteswärme einen Wirbel ungezügelter Stimmungen, Gefühle und Gedanken, an die Stelle geduldigen, aber sicheren Aufwärtsstrebcns ein kindisch ungeduldiges Vabanquespiel mit den ideellen und materiellen Interessen der Menschheit setzt Wenn das so fortgeht, wenn die Massen weiter mit Sprengphrasen unmittelbar aufgeputscht oder so lange mit allerlei modernen Projekten einer mechanischen Bcglückimgsgütc gefüttert werden, bis sie unfähig werden, den ehernen Gang Gottes durch die Weltgeschichte zu ahnen und aller Sinn für die Hoheit des Rechtes und der Ordnung in ihnen abgestumpft wird. dann ist die Katastrophe unausbleiblich, der Untergang nicht nur dev Abendlandes, das in der weltgeschichtlichen Oekonomic Gottes wohl auch keinen zu verachtenden Platz einnimmt, sondern auch der gesamten bei aller Entartung noch immer Erlösungskeime in sich bergenden Menschhcttskullur besiegelt, Hann kann es kommen, daß die Menschheit erst nach ungezählten Jahrtausenden auch nur das so überaus bescheidene Niveau von heute wieder erreicht. Dabei Ist es aber durchaus Unzutreffend, Juden und Judentum als für diese Gefahr verantwortlich hinzustellen. Die Oefahr kommt nicht von den lüden und die Juden sind nicht ihre Verkörperung. Seit Alters her gibt es zwei Wege menschheitlichen Strchcns. Der eine ist die Jagd nach dem Olück. der andere die Sehnsucht nach Erlösung. Der eine ist der Weg des Begehrens und Aufbegehrens, des Neides und des Terrors, der andere der Weg der Geduld, der Liebe und der Weisheit. Der eine ist der Weg derer, die sich viin (lutt emanzipieren wollen, der andere der Weg derer, die auf IM