Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 4 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 112 (sequence 13)
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Miid die gefährlichsten Brutherde der Unduldsamkeit. Tausende von deutschen Juden verurteilen sie ebenso scharf oder noch scharfer als wir. Dieser Ann germanismus, von dem Paul Fechter einmal gesprochen hat, erzeugt erst vielfach jenen brutalen Antisemitismus, der in vielen Teilen Deutschlands emporgeschütten ist, die Lebensgemeinschaft und das deutsche Prestige im Ausland bedrohend." Wir werden uns freuen, wenn die D. A. Z. im falle der Verwirklichung der von ihr empfohlenen Koalition in der Ablehnung des Antisemitismus fest bleiben und darüber hinaus ihn offen und ehrlich bekämpfen wird. Jedenfalls aber sollten ihre Aeußerungen über die Wirksamkeit und Wirkung einer gewissen Sorte unserer Intellektuellen, denkenden Juden, namentlich üherlieferungstreuen, Stoff zum Denken geben PANKI7BOPA Der „Israelit" hat nicht unrecht, wenn er bemerkt, daü auf dein lüngst stattgehabten Minderheiten-Kongreß ..justamenl" -der jüdische Vertretet aus Litauen den Protest gegen die Briand'sche Paneuropa-Idee betrieb Wir unserseits sehen aber auch nicht ein. warum justament „wir Juden allen Cirund haben, jeden Gedanken, der sich nur um einen Schritt unserer tausendjährigen Hoffnung auf einen Bund zur Erfüllung des (i o 11 e s w i 11 e n s nähert, mit Jubel aufzunehmen". Wir meinen, daü Herrn Driands sehr Irdische! Stück Politik Kar nicht darauf Anspruch macht, mit Jubel in den Himmel gehoben zj werden. Und auüerdem: Warum plötzlich dem Völkerbund, der doch den ganzen (llobus und nicht blofi.ganz Europa sozusagen betreut, sein wohlerworbenes Kecht auf solche jubelnde Vcrhimmclung rauben? Oder hat er etwa in..der Illusionen-^ Mentalität unserer luden schon abgewirtschaftet.''..... Moden wechseln ja bekanntlich rasch..... ZUM DMTJ1 DEJtPHOHLJ; 'I , Im „Israelit"'führt ein Karlsruher Korrespondent Klage darüber, daß der <Mjüdische Verband in Deutschland -- wre sich dies auf der Ende August in Karlsruhe stattgehabten Verbandstagung offenbarte - . seine Aufgabe verkennend, für Zionismus, jüdischen Nationalismus und kulturelle Arbeil agitiert Gerade für diese letztere gebe „es ja die bereits bestehenden groCen Parteien: Zionismus und Agudismus. denen sich die meisten Juden der Welt angeschlossen Ii bell." Nun, wir meinen, es führt zu nichts, mit dem Ostjüdischen Verband zu rechten. Der Verband wird seine Praxis sieher nicht lassen und es Ist auch gar li cht einzusehen, warum seine leitenden Personen, die eben Zlonlsten sind, nicht alles aufbieten soHen. um die für den Verband in Betracht kommender ludischen (iruppen für ihre zionistischen und rationalistisch-kulturellen Ziele z.i gewinnen. So entsagungsvoll sind sie eben nicht und brauchen sie nicht z.i sein. Das Unglück ist. daO wir es sind, obwohl wir es ja nicht sein müßten. Oder müssen wir es vielleicht doch sein? Aus Unfähigkeit etwa, das Ostjudcnp-nblcm zu begreifen, geschweige zu meistern? Es soll damit nicht gesagt sein, daß die deutschen Zionisten mit dem OMjudcnproblem fertig geworden sind. Auch hei ihnen gibt es da noch viel geredete Harmonie, noch viel unüberwundenes Mißvcrstlndnis und sogar noch III