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Der Aufstieg · 1930-09-01 · 4 (9.1930) · p. Seite 108

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
4 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 108 (sequence 9)
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Vurteils, sundern das der gegenseitigen Hilfeleistung alles gewerbliche l im und Lassen bestimmt. Doch ist solcher Verzicht eben nur angängig, wenn der geschäftliche Vorteil nicht das Letzte des Lebens ist, wenn man stille sein kann vor Gott und wie der Psalmist schwören kann: „Ich habe an den Brüsten des Lebens die Seele zum Stillsein gebracht, wie das Entwöhnte Kind an der Mutter Brüsten" (Ps. 131). Wie ist jedoch Stillesein bei so vielfachem Verzicht möglich? Nur wenn die Seele Ersatz findet an den Gütern des Geistes, am Worte Gottes, davon der Mensch wie vom Brüte leben kann, an der Inbrunst der Andacht und des Gebetes, an dem frieden des Mussarbuches, an dem Scharfsinn des Talmud, an der Verzückung der Kubhala. So greift auch im jüdischen Gesamtleben eins ins andere. Die ideale Ordnung verlangt, wie wir in den Gebeten sprechen, daü alle dienend stehen auf der flöhe der Welt, alle liebeerfüllt, alle lauter, alle heldenstark. alle .von Ehrfurcht und Sorge den Willen des göttlichen Eigners übend. - Unter solchem Aspekt gibt es keine Sabbatfrage, wenn wirjiur bereit sind, zu den U.rdementen des Religiösen wieder hinabzusteigen, zur Demut und Lebensbescheidenheit, zur Gerechtigkeit und Liebe, zur Beseelung unseres Lebens, zum Stillwerden in Interessen und Wünschen und Begierden im Gedanken zu Gott. Denn es gibt keinen Sabbat des Egoismus, des Egoisten. Es gibt keinen Sabbat derer, die „Eeld an Eeld reihen, Haus an Haus, bis dali kein Raum mehr ist und sie allein ein Wohnrecht haben auf der Erde"; keinen Sabbat derer, die „vom frühen Morgert-nach Rausch jagen, des spaten Abends noch vom Wein entflammt sind, die mit Harfe und Zither und Elöte und Pauke Gelage halten, stumpf für die Waltung Gottes und blind für die Herrlichket seiner Schöpfung", die „der Hölle gleich das Maul sperren mit unendlicher Gier, um alle Herrlichkeit und Fülle in sich anzuschlingen"; es gibt keinen Sabbat für die', welche in den Augenblick hineinleben und die Nemesis der gottgesetzten Schicksalsverantwortung spottend abtun. (Jesaia, V.) Es gibt keinen Sabbut ohne das goldene Grundwort: Koma ucho „daU ruhe dein Knecht und deine Magd wie du"; das besagt: Du hast jeden als sozial gleichberechtigt anzuerkenneil: Was du in seiner Lage für dich als berechtigt gewünscht hattest, hast du auch freudig ihm als dem schwächeren zu gewähren. Nicht die Wirtschaftsordnung, sondern die seelische Grundhaltung ist die Basis und Sicherung des Sabbat. In Holland z. B. hat eine weilsichtige Staatsverfassung den Juden all« Erleichterungen und Privilegien gewahrt, damit kein Sonntagsruhegesetz 1§7

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