Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 4 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 107 (sequence 8)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4884546-5428396-5428422--127-4884660- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
folgt aus der Ueberzeuguug. djß auch der Sahhat nur T e i I p r 0 b I e in einer grundsätzlichen Weltanschauungsdifferenz ist, die uns von der Gegenwart scheidet. Es gibt für uns keine Lösung der Sabbatfrage ohne Lösung der religiösen Gesamtfrage Oberhaupt. Ks gibt für uns keine Religion der Einzelgesetze und isolierter Handlungen, der bestimmten Wegezeiten innerhalb eines sonst entseelten und entgöttlichten Gesamtlebens, keine Religion des Sabbat ohne eine der Sechstagearbeit, keine Religion des Himmels ohne eine der Erde. Wir können uns keine Erneuerung einer noch so groBen Institution des Judentums denken ohne Erneuerung des ganzen Judentums. Nicht einen Anbau ans Haus der Weltlichkeit, der in den Malten heiliger Architektonik aufgeführt ist. sondern einen neuen lempel unseres Gesamtlebens — „das ganze Haus Allerheiligstes", wie Ezechiel sagt — verlangt die Heilung unseres kranken Volkes. Denn genau wie das wirtschaftliche Lehen, solange es auf dem bloßen Interesseiibegriff sich baut, einen unzerreißbaren, logischen, inneren Zusammenhang hat, dem sich kein Glied entziehen kann, wie das Sabbat- Problem so prekär sich ausnimmt, weil offenbar der lückenlose, unheimliche Kausalnex der ökonomischen Eragen eine Durchbrechung nicht möglich macht, — so.ist auch das Leben d ef.Se ele, das-Lehen de r Rel Igion. d ajsJjü_d_Ls c h e Leben ein einheitliches (ianzes, wo ein Glied auf das andere angewiesen ist, von einer durchgängigen gegenseitigen Bedingtheit, eine Seinseinheit von der Wurzel bis zum Wipfel. Alle, religiösen Einzelfragen, auch die größte von allen und die einschneidendste, die Durchführung des Sabbatbundes, sind aber nur aus der Totalität jener höheren Daseinsform zu beantworten, die wir Judentum nennen. — jener höheren Daseinsform, die nicht auf dem Begriff des Interesses und des Lebens rechtes, sondern der Lebens v e r p f I i c ht ii n.g sich aufbaut, deren innerster Sinn nicht die Erfüllung der Ansprüche des Menschen ist, sondern das Opfer, der Verzicht, die Selbsthingabe, das Stillesein vor Gott. Würden wir unter dem Gesichtspunkt der Verpflichtung unser Leben erfassen, so würde erstens ein jeder die höchste Derufsertüchtigung. die größte Leistungsfähigkeit in seiner kulturellen Betätigung unermüdlich erstreben, weil er nicht anders seiner Menschheitspflicht gerecht wird. Würden wir unter dem Gesichtspunkt der Verpflichtung unser Lehen erfassen ■0 würde ferner jeder Jude sich mit jedem jüdischen Bruder in seinem Wirtschaftskampfe solidarisch fühlen, weil man nur in der Gemeinschaft des Ideals dem Sinne des Daseins gerecht werden kann. Aber selbst wenn alle Einzelnen sich in höchster Weise ertüchtigen, so kann man seiner Bruderpflicht doch nur genügen, wenn kein ()pfer zu groß, kein Verzicht zu schwer ist. wenn nicht das Maximum geschäftlichen i IM