Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 4 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 103 (sequence 4)
- Belongs to
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zucht. die es von den kompensierenden Einflüssen unmittelbarer Arbeit am Stoffe der Welt förmlich abriegelt. Hier müssen wir Wandel schaffen. Wir sollen nicht darauf verzichten, Vorkehrungen zu treffen, damit unseren Kaufleuten als Kaufleuten der Kampf ums Dasein leichter werde, allein nur das tun, hieße von der Hand in den Mund leben — und das ist nun lange genug unsere Methode gewesen. Jetzt müssen wir es in der Hauptsache als unsere Aufgabe betrachten, unsere Massen soweit als möglich vom Handel loszulösen und der Arbeit, dem Handwerk und in weitem Maße der Landwirtschaft zuzuführen. Wir müssen dem Gedanken des Ueberganges zur unmittelbaren Produktion in unseren Reihen zum Durchbruch verhelfen. Wir müssen diesen Berufswechsel namentlich dprt fördern, wo er in Form landwirtschaftlicher Siedlung überlieferungstreuer Juden in eigenen Ortschaften oder Ortschaftsteilen angestrebt wird und müssen uns namentlich auch mit dem Problem beschäftigen, gesetzestreue Juden, die zur Auswanderung aus ihren Herkunftsländern gezwungen sind, in anderen Landern in einer Reihe benachbarter Siedlungen zu kolonisieren. Sünde war es, daß wir ruhig zusahen, wie unser Volk in eine beispiellose Undisziplin seines religiösen Zusammenlebens geriet, die zum großen Teile daran schuld ist, daß es nunmehr vor religiösem Verderhen steht. Durch die Vermittlung der Haskolo haben sich dem alten Judentum durchaus widersprechende Ideologien bei uns eingeschlichen, die im Orunde auf Verleugnung der Notwendigkeit religiöser Gemeinschaft für die Religion beruhen und die es verhinderten, daß sich mit erlangter größerer Bewegungsfreiheit die jüdische Energie der Aufgabe zuwandte, urch eine ernste und bedachtsame, ganz Israel überblickende rabbinische Führung wieder die alte, wahre Kenesses Jisroel erstehen zu lassen. Nun ist aber schon höchste Gefahr im Verzuge, nun ist es schon höchste Zeit, uns von den fremden Einflüsterungen zu befreien, welche die Anarchie, in der wir leben — diese traurige Selbständigkeit und dieses nicht auf einander F.ingestelltsein der übrigens in sich selbst auch anarchischen und oft mehr dem Gdde als der Thora untertänigen Gemeinden — als Idealzustand hinstellen. Wenn wir nicht "weitet versumpfen und nicht weiter iiuf die wirkungsloseste Art nach außen repräsentiert sein wollen, wenn wir wollen, daß endlich einmal unser religiöses und sonstiges Geschick nicht dem Ungefähr einer beispiellosen Zerfahrenheit Übertassen bleibe — dann müssen wir an die rabbinische Präge herantreten. Dann müssen wir die Kenesses Jisroel wieder wahrmachen, eine rabbinische Leitung des jüdischen Volkes mit über- und untergeordneten Kompetenzen und Instanzen schaffen, die Rabbinen von den Gemeinden unabhängig stellen und der rabbinisehen Gesamtleitung verantwortlich machen. IM