Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 3 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 92 (sequence 26)
- Belongs to
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Juden aber mir noch köpfscheuer werden Ilster* alt sie ohnehin schon sind. Und wenn es dann weiter heiBt: ..Darum solltet Ihr each ah) Oiste bescheiden und dankbar benehmen", — so ist la »ür die Praxis nicht viel anderes damit gemeint, als wenn wir dfin Jaden Zurückhaltung im Öffentlichen und gesellschaftlichen Leben empfehlen, aber die Anwenduni des Wortes Oiste' bleibt doch angesichts der Empfindlichkeit der deutschen Juden in diesem Punkte rlt.e unnötige Unfreundlichkeit, welche die beabsichtigte Wirkung durchaus verfehlt und denicnlgcn Juden, welche die Besonnenheit in Israel mobilisieren wollen, Ihre Arbelt aufs lufterste erschwert. ' Das. ist la auch das Verhängnis des Antisemitismus — auch in seinen gemlBIgfesten Abarten — dafi er mit seinen blinden Vorurteilen dem eigensten Voikslntcrcssc. das ia Im Qrnnde von dem wirklichen Interesse des jüdischen Volkes gar nicht so weit entlernt Ist. entgegenarbeitet Pastor Vollen nennt sich einen ..freund des Israelitischen Volkes, welchem ich Heil, lauter Heil wünsche" - - und wir glauben gerne seiner Versicherung — sollte diesen Fehler der Antisemiten nicht mitmachen. Was diese tun, die ia auch gar nicht auf die* Juden einwirken wollen, kann Freunden Israels nicht frommen. Und am allerwenigsten einem Freunde, der kritisch Ist. Statt sich den Weg zum Herten der Juden zu verbauen, soll er so sprechen, daß Ihre Menschen- und Voikswördc nicht verletzt wird und sie Ihm seine ehrliche Freundschaft glauben können. ENTLEHNUNGEN __ In der Julinummer des „Oemelndeblattes" der Jüdischen Qemeinde zu Berlin schreibt Dr. Piene mann eine kurze Abhandlung über „Christliche Kaltformen In ihrer Abhängigkeit von jüdischer Oebctsitte." In/dem äußerst •esenswerten Artikel ist aufgezeigt, daB „in der Kirche und in der lebendigen christlichen Frömmigkeit edelstes Out der Synagoge una" des Jüdischen Oebetes iortlcbt." ^Zs^ Ca ist nun sicherlich gut, die Juden auch an diesem Beispiele an das Muttertum ihrer Religion, an die grobe wcltumwalzende QucUbaftigkelt des Judentums zu gemahnen. Aber es kann, glauben wir, auch nicht schaden, wenn ihnen bei solcher Oclegenhelt auch ein Umgekehrtes vor Augen geführt wird, eine Abhängigkeit von christlicher Oottetverehrung. die ihnen als dem Pioniervulk des Monotheismus wahrlich nicht geziemt: DaB sie nämlich für ihre Synagogen kelae eigenen Stfte fanden, sondern bedenken- und gedankenlos in Kirchcnstilen und zuletzt, — um das Versehen gutzumachen und in" einer Art unbewußt nationalistischer Demonstration für den Orient — im Moscheenstil bauten. Das ist etwas, worauf stolz zu sein sie durchaus keinen Grund haben. Denn wenn die Kirche manche jüdischen (lebete und Kultformen übernahm, «o fügt sich diese Uebernahme ganz organisch in die Entstehungsgeschichte des Christentums ein, wahrend das jüdische Architekruramehen bei Kirche und Moscher eine Sünde gegen Wesen und Geist des Judentums und ein beschämendes Armutszeugnis Ist. ZEITGEIST dl ZEITGEIZ Der Volkerbund bitte natürlich auch etwas Besseres zu tun, als sich mit ctr Kalcndcrrelorm zu befassen Aber man muB doch modern sein und zum Modcrnscin gehört aufkr dem Zeitgeist auch der Zeitgeiz, Rationalisierung bis ans Eodc. In einer noch nicht modern verbogenen Welt würde man einen Vorschlag, den Sabbat und den SonnUtg der „Vereinfachung" und dem „Verkehr"