Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 3 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 91 (sequence 25)
- Belongs to
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■IX FANTOR AN DIK DKUTNCHKN Jl »EN Paator Stephan Voller! in üan Im eine« Brlci ..An die Jüdischen t. i n w ii h n c r Deutschlands" drucken lassen und zur Versendung gebracht, dessen Lektüre einander entgegengesetzte! Empfindungen hervorzurufen ueeignet ist. einerseits sieht man sich ehrlichster Absicht und woU wallendster Gesinnung gegenüber. Es ist geradezu um u nd. wenn er schreibt: „Nehmt doch — daa bitte tob — die Schrillen Moses und der Propheten, weiche bei euch zum «rotten Teil schändlich verachte! werden, wieder hervor, lernt sie mi: euren Kindern: so werdet Ihr ein üotl wohlicef&lliges Laben führen und anderen Menschen ein Vorbild werden and Führer zum wahren Menschentum." Aber anderseits stobt man auf Gedankengange und Wendungen, die eine störende Bcfangcnhclt des Verfassers verraten. Wer da schreibt: .Es muB |a auch den Juden klar sein, welche noch Religion besitzen und aufrecht erhallen wollen, 'daß nur die niedrigsten Elemente Ihres Volkes die Wildesten und rohcsien Umsturzgedanken tragen" — darf nicht die Juden für den Umsturz verant- -wörtlich machen. Und Worte wie folgende: .Wir wissen. daB auch viele He-, sonnene unter den Juden sind, welche das böse Treiben nicht billigen: aber sie treten zu sehr zurück, erwecken also den Schein der Furcht vor den höllischen Machten. Aber sie alle sollten sich vereinigen und der Welt kundtun, daii alles Denaren, welches wider Qottes Gebote ist. welches gegen die Gottesfurcht und gegen die Nächstenliebe verstöBl. verdammllch und gefährlich ist" — erweisen wahrlich nicht eine allgemeine Schuld Israels. Denn erstens hat ein großer Teil dieser Hesonnenen eine entsprechende Erklärung In aller Form und Feierlichkeit schon mehrfach abgegeben — u. a. die in der Weltorganisation „Agudas Jlsroel" vereinigten Orthodoxen auf Ihrem Im Herbst 1929 In Wien stattgehabten Kongresse — ohne daB die mit den Juden Unzufriedenen davon .Notiz nahmen. Zweitens haben die .Besonnenen unter den Juden" über ihre unbesonnenen Brüder ebensowenig zureichende Macht wie nlchtlüdlschc Ordnungsmenschen über ihre umstürzlerischen Volksgenossen sie haben. Und drittens gibt es nicht nur „viele Besonnene unter den Juden", sondern die ungeheure Mehrheit des rüdischen Volkes ist besonnen und wenn sie nicht als solche an Kundgebungen gegen den Umsturz denkt, so deshalb, well sie cum grollen Teil aus lauter Angst vor dem Immer krasser and gewalttatiger' werdenden Judenhaß den Instinkt dafür' verliert, wohin sie ihrem innersten Wesen nach gehört. DaB der judische Anteil -an den Umsturzbewegungen leider ein erheblicher ist, haben wir selbst hervorgehoben. Allein abgesehen davon. daB man die Ent- MchungsscMchtc dieser Tatsache vorurteilslos studieren. daB man vor allem der Präge Raum geben muB. ob der Aufstand gegen Gott" nicht etwas ist. was der Jude erst beim Ntohtjuden gelernt hat — Kant abgesehen davon: Eine Einwirkung von auBcn her kann nur dann hoffen, zur Minderung und schlieBliehen Beseitigung des besagten Anteils etwas beizutragen, wenn sie durchaus im Geiste des Wohlwollens erfolgt, d. h, von aller Unbilligkeit und aller Unfreundlichkeit frei Ist. Erfüllt sie dien' Bedingung nicht, dann kann sie das l cbel nur mehren, statt ihm zu steuern. Wenn es in dem Briefe des Pastors \ iillert z. B. hciBt: „Zwar haben sie auch In Deutschland und von den Deutschen viel Ungerechtes erleiden müssen. Aber soll das eine Rache sein. Indem man seinen Feind In den Abgrund des ewigen Verderbens stürzt. Indem man ihm Religion und Gottesfurcht aus dem Herzen reftt and Ihn zu einem sittenlosen Menschen macht?" — so kann dieser merkwürdige Gedankengang, der den turbulenten Elementen unter den Juden Im Grande einen gewissen, recht unverdienten Nimbus verleiht, diese nur zum Lächeln bringen, die besonnener.