Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 3 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 87 (sequence 21)
- Belongs to
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Vorsicht mahnen zu müssen. So sehr die Entwicklung des sozialen* Gefühles in unserem Volke auf der Linie unserer Bestrebungen liegt, und so wahr es ist, dab soziale Gerechtigkeit eine aus dem Judentum sich ergebende Forderung ist, so dürfen wir uns doch nicht einbilden, in kleinen, von nichtjüdischer Umgebung abhängigen Siedlungen das soziale Problem auf eigene Paust lösen zu können. Und am allerwenigsten dürfen-wir uns für diese Lösung auf irgend welche Modetheorien festlegen. BEMERKUNGEN VM »KW NABBAT Der Sabbat-Weltkongreß hat eine Tagesordnung, wie man sich sie reichhaltiger und interessanter wohl nicht denken kann. Wenn es wahr ist daß Kongresse nur-dann Prüchte zu tragen versprechen, wenn sie, bei klarer Herausarbeitung des Gedanklichen, auf die Auslosung von Tätigkeit angelegt sind, darrt hat der Sabbatkongreß alle Aussicht auf Erfolg. Soweit es sich um den Sabbatgedanken als solchen handelt, kann insbesondere das Referat über „Sabbat-Idee und Zeitgeist", wofern es eine mutige Auseinandersetzung wird, für die weitere Entwicklung der Bewegung sehr förderlich sein. Wie eine Illustration au diesem Thema wird unwillkürlich auch der vorgesehene Bericht ..Zur Präge der Kalenderreform" wirken. Es wird sich zeigen, daß wir es hier mit einer besonders kräftigen AcuBcrung des uns umgebenden Zeitgeistes zu tun haben, der gegenüber wir nur ganz beschränkte Kräfte zu entfalten vermögen. Die analoge Erfahrung kann uns auch bezüglich der •Pünf-Tage-Arbeitswoche als Lösung des Sabbatproblems" (eigentlich mußte es Viereinhalb-Tage-Woche heißeni. nicht erspart bleiben. Wir werden sehen, daß es. wie im ersten halle zur Abwehr, so in diesem zweiten Falle zur Zielcrreichung in der Hauptsache nicht auf uns, sondern auf andere Paktoren ankommt und daß dort die Oelahr unmittelbar droht, hier das Ziel — seinen sozialen und ökonomischen Wert ganz auaer Betracht gelassen — jedenfalls noch in blauer Perne liegt Wall mehr in unsere, die jüdische Kraft gestellt ist die Losung jener Aufgabe, die durch die Worte Stellenvermittlung. Versicherung, Organisation (Zentralisation) und Intervention (bei Regierungen und Wirtschaftsbetrieben) bezeichnet sind. Hoffentlich wirJ der Kongreb auf diesen Gebieten starke Impulse geben. Allem vielleicht dürfen wir die Kongreßteilnehmer und alle an der Sabbataktion Interessierten darauf aufmerksam machen, daß sie auch bei diesen Tätigkeiten bald die Grenzen wahrnehmen werden, die ihnen von den beute gegebenen Bedingungen gesetzt sind und daß die Sabbatfrage nur ein Ausschnitt der großen Präge ist: Welche sind die neuen Bedingungen, dst geschaffen werden müssen, damit die Jüdischkeit nicht so vielen Gefährdungen ausgesetzt sei wie letzt, und wie sind sie zu schaffen? Mögen die Sabbatfrcandc hingehen and mit dem ganzen Eifer der Begeisterung die wichtigen und unaufschiebbaren Tätigkeiten beginnen, die das Programm des Sabbatkongresses vorsieht zugleich aber auch darüber hinaus die großen Aufgaben erkennen, deren Erfüllung Voraussetzung für eine dauernde und gründliche Hülfe gegen die Abbröckefung •7