Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 3 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 81 (sequence 15)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4884546-5428396-5428420--101-4884635- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sierung und die Einreibung des Einzelnen in ntehtjftdlsche Zusammenhinge fortgeschritten sein, wenn dieser Zustand schon ungefähr seit einem Jahrhundert erreicht ist. Sogar die Form der hebräischen Schrift selbst Ist von Anpassung nicht verschont geblieben. Dabei handelt es sich nicht nur um unbewußte Einwirkungen, sondern In neuester Zeit sogar um bewußte Eingriffe. Die furchtbare Entwurzelung kann sich kaum sinnfälliger zeigen, als in einer gewissen Schrift, deren Schöpfer in voller Absicht einem neuen, andern, dem Ideal der europäischen Schrift nachstrebte — allerdings nur eine jämmerliche Mißgeburt hervorbrachte, die aber in den letzten zwei Jahrzehnten In schnellem Siegeslauf fast alles Gedruckte eroberte. Der Verlust der eigenen Schrift mag dem Unbewanderten geringfügig neben dem der eigenen Sprache scheinen, in Wirklichkeit aber ist im allgemeinen der Untergang der eigenen Sprache w eniger - charakteristisch für das Schwinden der besonderen Kultur. Sehr viele Völker haben ihre Sprache aufgegeben, ohne ihre eigene auf der Religion begründete Kultur einzubüßen, das jüdische Volk selbst liefert dafür eine Reihe von Belegen. Aber in unserem Falle steht es nicht so. Wir haben in den letzten anderthalb Jahrhunderten nicht die Sprache trotz der Religion verloren, sondern die gewaltige Schwächung, bezw. der Untergang des Judentums im größten feile der westlichen Judenheit riß die Eigensprachlichkeit mit sich in den Abgrund. Dieser Mangel ist uns hier schon so selbstverständlich geworden, daß man gar nicht darüber nachdenkt, ja nicht einmal begreift, wie wichtig in religiöser Bcziehuug der Besitz einer eigenen Sprache sein kann. Noch mehr, man betrachtet ganz allgemein die verlorene, bei den östlichen Brüdern aber noch < blühende Sprache mit maskilischer, assimilatorischer Anschauung. Ihren typischen Ausdruck findet die sich daraus ergebende Auffassung in dem Schimpfnamen .Jargon". Das Volk' der gottgebotenen Besonderheit, das ein so treffliches Mittel zu diesem Ende nicht einmal begreift... . Dafür verbreiten sich heute im Sprachliche« Jieueuropalsehe Einflüsse auf mittelbarem Wege. Man hat, wenn auch nur in ganz Kleinem Kreise im Westen und in einem kleinen Gebiete des Ostens, begonnen, dem Hebraismus der Nationalisten nachzueifern. Und auf der anderen Seite werden die orthodoxen Zeitungen und nlchthalachischen Bücher und Zeitungen in einer üblen Entwicklung oder Nachbildung des „linken", mehr oder weniger europäisierten Jiddisch oder Hebräisch - übrigens meist in einer auch dort schon tf