Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 3 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 79 (sequence 13)
- Belongs to
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ist fast durchgeführt — und damit die innere Anpassung auch in den Dingen, die uns hier beschäftigen, die innere Angleichung an die Aesthetik der Umweit, sowohl im unbewußten als auch im bewußten üeschmacksurteil. Dieses bezieht sich zunächst auf den menschlichen Körper. Davon geben Wirkungen aus auf die Gattenwahl und somit auf die Gestaltung des Üesichtsausdruckes. Und in diesen Komplex gehört auch das Todesurteil Uber den Bart. Ein spezieller Teil aus diesem Kapitel sind dann die seelischen Konflikte während der Stirezeit oder der Drei Wochen, die entweder in tragikomischem Opfermut oder in Belastung mit Schuldgefühlen enden. Dieselbe Anpassung erscheint natürlich auch m der Kleidung selbst, in der die geringste Spur jüdischer Eigenart fehlt, und die bei den Frauen sogar ganz offen gegen das Religionsgesetz verstößt. Dies ganze Kapitel von der Aesthetik ist übrigens weltanschaulich verankert. Auch durch die Seelen unseres Kreises geistert das Ideal des neuen Europäers: der Jugendliche Mensch. Aber unsere Religion setzt das Alter als Idealzeit: die Jahre der Reife und Weisheit. Nicht weniger als Kleidend Haartracht sind die Namen der Menschen für das Innere kennzeichnend. Es ist hier natürlich nicht von den Familiennamen die Rede, die ja nicht von unserem Belieben abhängig sind, sondern von den Vornamen. Und diese sind in der westeuropäischen Orthodoxie fast alle christlich oder Modenamen heidnischer Wurzel. Da geht es von Adolf, Ernst und Fritz über Grete, Herta, Klara zu Manfred, Oskar, Siegmund. Selten sind biblische Namen, fast vollständig erloschen die aschkenasische Tradition. Und bei Namen der letzten Gruppe hört man meist die „gelehrte" Anmerkung, das wären ja eigentlich keine jüdischen, sondern deutsche oder, noch „wissenschaftlicher" ausgedrückt, altdeutsche Namen. Als ob es je bei den Deutschen eine Qolde, eine, Sälde, eine Perle oder eine Vöglein (Golde, Seide. Perl. Fejgele) gegeben, als ob seit dem Mittelalter bei ihnen jemand Vischel!, Selicman, Hinta, Bela, Löweli, Menlin, Hirz (Fischl, Selig, Hindf, Bejle, Lejb. Mendl, Hirz. Hersch) geheißen hätte! . So wie christliche Tracht den jüdischen Körper bedeckt und christlicher Name die jüdische Persönlichkeit umfängt, ebenso trägt bei uns das jüdische Wort christliches Schriftgewand. Es scheint uns selbstverständlich, daß wir Fraktur oder Antiqua schreiben und drucken. In Wirklichkeit ist das aber sehr auffällig und scheint in Widerspruch mit den überall in der Welt üblichen