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Der Aufstieg · 1930-08-01 · 3 (8.1930) · p. Seite 76

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
3 (8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 76 (sequence 10)
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Psychologischen macht sich naturgemäß die Anpassung bemerkbar. Bezüglich der gesamten religiösen Qefühlslage wurde das schon oben erwfthnt. Ein anderes Beispiel .ist das Verhältnis zum Nebenmenselien. Hier ist ein Zug hineingekommen, der gar nicht judenlumsgemälIst und gar nicht der Vergangenheit entspricht, sondern aus der neuen Entseelung der Umwelt entspringt. Das ist die Kehrseite einer anderen Erscheinung, nämlich der zentralen Sflrthmg, die der Erwerb im inneren Leben des Menschen einnimmt. Und diese stammt gewiß nicht aus unserer Lehre und Geschichte, sondern ist fertig von einem — allerdings sehr bedeutsamen — entseelten Teile der europäischen Welt übernommen. Der fremde Einfluß auf das Seelenleben tritt mitunter in einer Weise hervor, die als Ergebnis eines inneren Sklaventums zu bezeichnen ist. Nicht das Ghetto, das der orthodoxe Betrachter meist in weitgehender Uebereinstimmung mit der liberalen und nationalistischen Geschichtsauffassung als die Quelle geduckten und eingeschüchterten Wesens und Gebarens erklärt, gebar jene Sklavengesinnung, von der man sich frei wähnt. Vielmehr ist es die Aufklärungsmentalität und der Emanzipationskomplex, die diese seelische Erniedrigung schufen und vielen unter uns, die sich frei davon glauben, noch fest im Leibe sitzen. N Wir datieren unsere Briefe ebenso von irgendeinem Tage im März des Jahres 193<), wie orthodoxe Institutionen ihre Verlautbarungen oder wie orthodoxe Periodika — deren Jahrgänge natürlich vom 1. Januar bis zum .31. Dezember reichen — ihre '"Nummern. Ist es nicht Zeichen innerer Unfreiheit, wenn wir diese christliche Zeitrechnung zwar benutzen, aber nicht wie bei su vielen anderen Anpassungserscheinungen in — heute — gedankenloser Uebernahme. sondern mit vollem Bewußtsein, daß hierbei etwas nicht ganz in Ordnung ist? Darum nennen wir die christliche Zeitrechnung immer verschämt die „übliche" — was nichts anderes bedeutet, als daß die jüdische nicht üblich sei, die andere jedenfalls den Vorzug verdiene. Oder statt: die christliche sagt man: die ..allgemeine" Zeitrechnung. Durch diesen Ausdruck degradiert man seine eigene Religion zu einer Winkelsektc, die keinen Anspruch auf irgend eine allgemeine Geltung, sei es auch nur im eigenen Kreise, haben kann. Das Gleiche gilt für den Ausdruck „bürgerliches" Jahr, mit dem man das jüdische Jahr als nichtbürgeriieh, sich selbst als Nichtbürgcrkennzeichnet. Ebenso steht es mit den Worten und Begriffen ..allgemeine" Literatur oder Wissenschaft oder Kunst. Hier wurzelt auch die ehrfürchtige Hinnahme der Meinung „der" Wissenschaft sogar

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