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Der Aufstieg · 1930-08-01 · 3 (8.1930) · p. Seite 75

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
3 (8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 75 (sequence 9)
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etwa* nicht dem Christentum Uberlassen bleibt, sondern als eigentlich jüdisch bewiesen werden soll. Der festere, straffere, männlichere Charakter des Judentums wird dabei zerweicht. Diese ganze Lage Ist begreiflich, wenn man an die Kindererziehung bei uns im Westen denkt. Sie folgt ohne Bedenken dem Beispiel der fremden Kultur. Das Haus macht nur selten den Versuch, das Kind Ober den Stand der Eltern in jüdischer Hinsicht hinauszuführen. Die Schule übernimmt ganz einfach die Inhalte. Methoden und Moden der Umgebung, vom Kindergarten bis zur höheren Schule. Man sieht kein Verlangen, das jüdische Schulniveau, auf dem man vor Jahrzehnten angefangen hatte, anfangen mußte, in dauernd fortgesetztem Wirken gegen die inneren Hemmnisse und auch gegen die Assimilationswünsche der herrschenden nichtjüdischen Gewalten zu heben. Theoretlslert wird über diese Dinge gegenwärtig ziemlich viel, aber da man im Qrunde nicht allzuviel gegen den heutigen Zustand einzuwenden hat, ist es recht saftlos und zeugt keine Besserung. So ist es kein Wunder, daß sich die geistigen Interessen der Herangewachsenen nur in wenigen Fällen aufs Jüdische konzentrieren, gar nicht selten ganz vom Jüdischen abkommen, meistens aber sich auf Nicht jüdisches beschränken. „Literatur, Wissenschaft, Kunst" bedeuten ganz selbstverständlich nichtjüdische Literatur, Wissenschaft, Kunst. Neue Bücher, die zu kennen selbstverständlich ist, gehören natürlich nichtjüdischen Sphären an. Von allen möglichen Sprachen wissen wir etwas, von allen möglichen Literaturen naschen wir. über von den jüdischen Sprachen und Literaturen kennen wir meist nicht einmal den Namen, außer von der biblischen und talmudischen — und auf diesem Gebiete sieht es bei uns alles weniger als erfreulich aus, wie wohl von allen zugegeben wird. — Die sicherlich bedeutsamen und bemerkenswerten Geschehnisse bei allen möglichen Völkern sind uns gut bekannt, aber die jüdische Geschichte, insbesondere in dem Zeiträume zwischen dem Pall des Heiligtums und der Emanzipationsära ist den meisten von uns ein dunkles, unvertrautes Land. — Um unser Wissen von der Gegenwart des jüdischen Volkes sieht es nicht anders aus. Ueber alle möglichen ethnographischen Gebiete sind wir informiert, aber was jenseits unserer Staatsgrenzen in den jüdischen Gruppen vorgeht, davon haben wir nicht viel Kunde. Fällt es uns je ein, daß man eine Erholungsreise statt nach Prankreich oder In die Schweiz auch nach Polen oder in die Marmaros machen könnte? Die bisher erwähnten Anzeichen und Tatsachen der Assimilation beziehen, sich vor allem auf geistige Inhalte. Aber auch im

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