Mannheim
Compact Memory

Der Aufstieg · 1930-08-01 · 3 (8.1930) · p. Seite 74

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
3 (8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 74 (sequence 8)
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4884546-5428396-5428420--094-4884628
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Untergänge bewahren — wieviel Millionen Meuchen sind In der Nachkummenschaft der Abtrünnigen oder schon an der Peripherie des jüdischen Volkes Geborenen uns seit mehr als eincsn Jahrhundert verlorengegangen! — und andererseits wird die Schwächung des wahren jüdischen Volkes, die In den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat. sich in der Zukunft noch in ungeahntem Maße auswirken. Wie steht es nun um die Assimilation in dem noch lebenden Juden tum-, volk? Hier ergibt sich auf den erstell Blick die Notwendigkeit, zumindest drei grolle üruppen zu scheiden: West- und Mitteleuropa, Osteuropa und das Morgenland. Es kann nicht geleugnet werden, daß der Osten in seinem judentümlichen Bereich, — der allerdings In den letzten Jahrzehnten unerhört zusammenge-. schrumpft ist. wenn er auch in absoluten Ziffern noch gewaltige Massen umfaßt — sich im großen und ganzen gut gehalten hat. Aber auch hier gibt es viele bedenkliche Erscheinungen, insbeson- - dere in der Gegenwart. Der Orient ist trotz allen sachlichen Unter schieden sowie üruppendifferenzierungen wohl ungefähr mit Osteuropa vergleichbar. Was schließlich die westliche Orthodoxie betrifft, so wird es wohl von.niemandem bestritten, daß sie viel, sehr viel an jüdischer Wesens- und Lebenssubstanz eingebüßt hat. Und es ist in Wirklichkeit eigentlich noch schlimmer, als es auf den ersten Blick aussieht. Zwar ist hier der Primat des Judentums in der Theorie unbestritten und selbstverständlich, aber man wird ihr eben nicht gerecht. Die Anpassung der Zeit an die Religion wird gefordert, während in Wahrheit sehr oft das Uegenteil zugelassen wird. Jene Anpassung wird sogar oft für durchgeführt gehalten, wobei die Genügsamkeit in bezug auf das Jüdische übergroß ist. Solche Heber legungen bewegen sich mitunter im Rahmen einer „Auseinandersetzung mit Europa". Diese befleißigt sich meist eines philosophierenden Gebarens, ohne jedoch den magischen Kreis der intellektualistischen europäischen Debatte zu durchbrechen. Das Judentum bekommt sehr oft eine fremde Fundicrung. Man darf sich nicht verhehlen, daß christliche Elemente In ziemlich weitem Ausmaße bei uns im Westen eingedrungen sind, nicht nur in der Assimilation an die „europäische Kultur", die ja — erfreulicherweise — noch immer nach Herkunft und Wesen christlich ist. sondern sogar durch unmittelbare — natürlich unbewußte — Aufnahme christlicher Gefühlsweisen und Gedankengänge. Das tritt oft zum Beispiel in apologetischem Gewände zutage, indem irgend

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.