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Der Aufstieg · 1930-08-01 · 3 (8.1930) · p. Seite 72

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
3 (8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 72 (sequence 6)
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dem trügerischen Boden einer voraussetmngslosen Betrachtung,, sondern auf dem lieberen eines festen Systems nähern. Das jüdische Volk ist nicht nur ein natürliches Volk, darin den andern gleich und vergleichbar, es ist auch vor allem und zunächst der Träger des Judentums. Dieses ist ein Äbsolutum. Ist es das, so bietet es das üesetz der fraglichen Untersuchung, dann können wir das Gesetz dem Qegenstande selbst entnehmen, das Judentum ist das Mail aller seiner Dinge. An Ihm ist Jede Erscheinung im jüdischen Volke zu messen. Geht sie widerspruchslos in seinen überlieferten Lehr- und Lebensinhalt ein, so ist sie als jüdisch legitimiert. Ergeben sich jedoch Bedenken oder deutliche Unvereinbarkeit, so muB es sich um etwas Fremdes handeln, das einverleibt wurde, um Assimilation. Irgend eine „innere Entwicklung" darf in diesem Zusammenhange nicht zur Erklärung herangezogen werden. Denn aus Judentum kann sich kein Unjudentum entfalten. Darum muB der aufgefundene Widerspruch von außen her kommen — weil es möglich ist. daB Juden unjüdische Elemente In ihr Leben, in ihre Seele aufnehmen. Dem jüdischen Volke strömt ja ununterbrochen Fremdes zu, wie jedem Lebendigen, sogar noch mehr, infolge seiner stärkeren Zerstreuung. Als Volk ist es ein Naturding. Das Judentum ist ein Absolutes. Wie können sich diese beiden Dinge berühren? Es scheint unfaßbar. Aber Ewigkeit und Zeit haben einen Schnittpunkt gefunden. Das ist die Tatsache, daB dieses Volk eine Bestimmung und Aufgabe hat, die sich auf jenes Absolute richtet. Das Volk Ist ausersehen, als Gesamtheit, als Gemeinschaft, dem Ziel der Menschengeschichte den W en zu bereiten, den Weg zum „Ende der Tage". Ist das jüdische Volk auserwählt, so ergibt sich daraus die selbstverständliche Polgerung. daB es nicht verschwinden, sich nicht verlieren, sich nicht assimilieren darf. Es darf den biologischen Vorgang nicht einfach ablaufen lassen, es muB ihn regeln. Bei allem, was das Geschehen ans jüdische Volk heranbringt, darf nur solche Einverleibung gestattet werden, an deren Ende nicht der Untergang des Judentumvolkes steht, darf nur das die Grenze Uberschreiten, was keinen Widerspruch gegen das Judentum in sich birgt» Das festzustellen ist oft schwer und es gehört manchmal schärfste Unterscheidung dazu. Soweit man überhaupt an solche Prüfung, solches Messen am Judentum denkt, wird es anscheinend in unzureichender Weise vorgenommen.

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