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Der Aufstieg · 1930-08-01 · 3 (8.1930) · p. Seite 69

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
3 (8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 69 (sequence 3)
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belebt mehr dieses künstliche Qebilde: alles ist tot. Jede Woche entfernt man den Staub von den Banken, aber niemals rührt irgend etwas den Staub auf, der die Seelen bedeckt. Zwischen den Gerechten, den ZaddUUm. und in den Unfrommen, den Rescholm steht, nach den alten Rabbinen, die ungeheure Mehrzahl derer, die die Mitte halten, die Hinaunim, die sich in keiner der beiden Gruppen unterbringen lassen. Dante, der unter Leitung seines Führers Virgil die Pforte des Höllenreiches durchschritt, hat sie bemerkt, jene zahllose Menge trauriger Seelen, die nicht förmlich treulos, aber Gott auch nicht treu gewesen sind, nur sich selbst gelebt haben: N6fur fedeli a Dio, ma per s€ foro. Wären in unserer Welt nur Gerechte, so würde die Religion triumphieren, und der Messias würde kommen. Gäbe es nur Unfromme, so würde die Religion von der -Erde getilgt. Aber bei den in Routine befangenen Seelen bleibt die religiöse Außenansicht erhalten: und so haben wir die irrige Vorstellung, es werde Leben bewahrt, wo es in Wirklichkeit geschwunden ist. Diese tödliche Gefahr besteht zwar überall, wo es Religion gibt, man kann indessen ohne Uebertrelbung behaupten, sie sei für das Judentum ernster als irgend wo sonst. Und zwar zunächst, weil die Israeliten das Volk sind, dem Gott die ruhmreiche, aber auch erschreckend schwere Sendung anvertraute, unter den Völkern seine Zeugen zu sein. Sodann auch, weil es kraft seiner Natur selbst von seinen Söhnen eine beständige Erneuerung innerer Frömmigkeit fordert: Aus seinem persönlichen Zusammenhang mit der Thora. mit dem gewaltigen Strom hebräischer Ueberlieferung soll der Jude für sein geistiges Leben die nötige Nahrung ziehen. Sobald er sich von der Quelle lebendiger Wasser abwendet, um sich rissige Zisternen zu graben, nach Jeremias ergreifendem Ausdruck, erstirbt das eigentliche jüdische Leben. Der Körper allein besteht weiter, und es ist augenscheinlich, daß die an gewissen Tagen die Synagogen füllenden Massen nur ihrem dunklen Erbinstinkt, einer Art unbewußtem Volkstum gehorchen. Und wieder ist es Jeremia. der die Angst der treuen Diener ausmalt, wenn er ruft: „Ist denn kein Balsam in Gilead? Gibt es dort keinen Arzt? Warum gelingt nicht die Heilung meines Volkes?" Wenn wir uns mit diesen Wahrheiten zu durchdringen und das vom Propheten erheischte Hellmittel zu finden vermögen, werden wir ein besseres Verständnis aufbringen für das, was wir vom nächsten Jahr erwarten dürfen, einem Sabbat-Jahr, das in den Gemeinden Israels als ein Jahr religiöser Erweckung genutzt werden soll.

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