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Der Aufstieg · 1930-05-01 · 2 (5.1930) · p. Seite 64

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
2 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 64 (sequence 32)
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nicht verpflichtet, sein Verhalten als Beter immer wieder, dem wechselnden Charakter und Inhalt der Gebete entsprechend, zu ändern. Ja, er wird sich hüten müssen, auf die wechselnde Szenerie der Gebete allxu ängstlich zu achten, da ein Eingehen in wellenförmigem Auf und Ab auf die Verschiedenheiten des Gebetes naiv kaum durchführbar ist, und daher, unnaiv durchgeführt, das Gehet mit zuviel der Andacht abträglicher Gedankenarbeit belastet. Auch auf das Tempo, mit dem das vorschriftsmässige Gehet ver- ~ richtet wird, kommt es im Grunde nicht an. So wie man bei langsamem Sprechen die Andacht vermissen lassen kann, ebenso sind rascheres Sprechen des Gebetes und Andacht vereinbar. Bei allzu grosser Eile spricht allerdings die Vermutung nicht dafür, dass die Vereinigung gelungen ist. Dil (tl>'ichninhandhtni/. Während das Gebet eine Sichtbarmachung der Demut vor Gott und der Liebe zu ihm in unmittelbarer Worthandlung darstellt, gibt e« eine Sichtbarmachung dieser inneren Vorgänge durch das Mittel eines bestimmten Tuns. Dieses hat. im allgemeinen — auch dann wenn ihm noch andere Hintergründe eignen — symbolischen Charakter, d. h. es führt den Menschen auf dem Wege der feierlichen Vollziehung eines Gleichnisses in das sonst Unf assbare der reinen Idee ein. ___ Auch die Gleichnistat kann individuell und Selbstschopfung sein wie das Gebet. Nur ist die spontane Gleichnistat — wenn es sich" licht etwa um unwillkürliche Reflexhandlungen Harmloser handelt — meist nicht bloss dadurch bedenklich, dass sie leicht die religiöse Disziplin gefährdet, sondern, durch Absichtlichkeit und Gewolltheit entwertet, auch inbezug auf ihren Hingebungsgrad zweifelhaft. Und - anderseits ist der Sinn der symbolischen Handlung, welcher der gleiche ist wie der des Gebetes, nämlich die demütige und liebevolle Hingabe an Gott, sicherlich nicht aufgehoben, wenn sie überliefert und vnrschriftsgemäss ist. Wer frommen Gemütes in eine solche Handlung eintritt, der vollzieht sie als *eme. in Demut und Liebe Gott zugedachte Handlung. . __ Dir Mahnrndr hthentrtgehmg. Das Judentum verfügt ausserdem noch Uber eine besondere Art der Sichtbarmachung der auf Gott bezüglichen Seelenvorgänge. Es knüpft die Befriedigung der verschiedenen menschlichen Lebensbedürfttiate ausser an Gebetworte auch an Handlungen oder schränkt sie durch bestimmte Verbote ein. Und alle diese Worte, Handlungen und durch die Verbote bewirkten Unterlassungen et Innern den 04

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