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Der Aufstieg · 1930-05-01 · 2 (5.1930) · p. Seite 65

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
2 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 65 (sequence 33)
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Menschen täglich und stündlich an Gott, von dem jene Gebote und Verbot« stammen, fachen seine Demut vor ihm und seine Liebe zu ihm immer von neuem an. Und wenn diese Erinnerung abflaut, wenn die Müwo-Handlung von Gleichgültigkeit starrt, mechanisch geübt oder geschiftmassig erledigt wird, bezw. wenn die Befolgung eines Verbotes von irgendwelchen Handlungen oder Unterlassungen begleitet ist, die der Tendenz des Verbotes widersprechen — dann ist das nicht Schuld des Gesetzes in seiner Eigenschaft als Gesetz und Ueberlieferung, sondern des Menschen selbst, der verlernt hat, den religiösen Schatz zu heben, den ihm das Religionsgesetz anbietet. Allerdings lässt das sogenannte Jauzr-Se'm an sich noch nicht auf solche religiöse Impotenz schliessen. Wohl hat das Wort im Volksmunde, speziell wenn es von Pflichterfüllungen und Leistungen von Mensch zu Mensch gebraucht wird, die Bedeutung eines noch eben Erfüllen« ohne Beteiligung des Herzens erlangt. Aber seiner ursprünglichen Bedeutung nach stellt es, namentlich für die unmittelbaren Beziehungen zwischen Mensch und Gott, zwar auch ein — gesetzlich festgelegte« — Minimum dar, jedoch nur an praktischer Leistung, nicht an Gesinnung und Weihe. Man kann das, was man jaaue seiend tut, mit und ohne Andacht (Kawono), in Demut und Liebe und ohne sie tun. Die Worte, Handlungen und Unterlassungen der dem Judentum eigentümlichen. Lebensbegleitung sind meistens auch symbolischer Natur, gleichnishaft, wenn auch der Inhalt des Gleichnisses oft strittig oder ganz und gar verborgen' ist. Doch gibt es auch solche, die nicht von dieser, sondern mehr von feststellender, bezeugender Art sind und dann mit ihrer Feststellung oder Bezeugung eine Huld gung vor Gott tu verbinden pflegen. Dan kLernm*. Eine zweite dem Judentum allein eigentümliche Art der Sichtbarmachung der auf Gott bezüglichen SeelenvorgÄnge. Demut und Liebe, ist das «Lernen». Nur hat die Tätigkeit, die bei dieser Manifestierung zu entwickeln ist: die — je nach Veranlagung srhrtpfe- _rische oder rezeptive, elementare oder hochgezüchtete — talmudische Denkarbeit, ihr eigenes selbständiges Leben, so dass sie nicht jeden Augenblick Uber ihre ganze Breite daraufhin kontrolliert werden kann, ob sie noch von dem innersten Sinn, den sie zu manifestieren hat, erfüllt ist. Sogar vom Lernenden selbst nicht. Immerhin wird es für diesen zur Gewissenberuhigung genügen, wenn er feststellen kann, dass er sich in anbetendem und liebendem Gottgedenken zum «Lernen» hingesetzt hat und ebenso v>n ihm aufgestanden es

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