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Der Aufstieg · 1930-05-01 · 2 (5.1930) · p. Seite 63

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
2 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 63 (sequence 31)
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allezu eifrigen Bittstellers nicht die wahre Demut und so ent!>ohrt doch seine Liebe jener Uneigennützigkeit, ohne die schon Liebe zu Menschen nicht den vollen Wert besitzt, die Ljebe zu Got; jedoch ganz in Frage gestellt ist. Ja, was ein vor Gott wahrhaft demütiger und ihn wahrhaft liebender Mensch ist, wird jede an flott gericht< te Bitte, wenn auch In innigem Glauben so doch mit einer gewissen Furcht aussprechen, dass er sich einer Art Einmengung in die Vorsehung schuldig mache, dass er Gott allzusehr mit seinen Anliegen behellige und vor allem auch, dass er — namentlich dort, wo d*s Unglück oder der Tod von Tausenden unvermeidlich verhängt 1*1 (Krieg, Seuche) — von Gott eine Begünstigullg gegenüber so-vt wertgleichen oder gar wertvolleren Menschen, als er, der Bittsteller, selbst ist, verlange. Und noch mehr: Auch bei einem Dankgebete f(i" göttliche Hilfe, die gerade ihm zuteil geworden ist, wird ihm der Gedanke an eine verdiente Bevorzugung ferneliegen. Käme er ihm, s<> wäre dies nicht nur ein Beweis des Hochmutes gegenüber seiner) minder glücklichen Nebenmenschcn, sondern sein eigensüchtiger und anmassender Motivenbericht zu Gottes Ratschlüssen würde auch zeigen, dass er nicht der Gott wahrhaft liebende und vor ihm wahrhaft demütige Mensch ist. für den er sieh vielleicht hält. Das Wesentliche des Gebetes — die demütige und liebesinnigc Hingabe an Gott — ist ebenso im spontanen wie im vorschriftgrmassen Gebete erreichbar. Die Hingabe erfordert durchaus nich*. dass der Betende dje Worte des Gebetes wirklich selbst forme, was ja übrigens selten vorkommt, oder, irgend welche Reminiszensen benutzend, zu formen meine. Das vorschrifts<remäss*» überlieferte Gebet bietet in seinem religifis-v<Mks?rzieherisch<*n Werte, über den noch zu sprechen sein wird, dieselben Garnntiren. Einerseits knn»> auch dem spontanen Gebet das wesentlichste Gebetsmerkmal, die Hingebung, fehlen, was z B. schon dann der Fall ist, wenn das Herz des Betenden noch voll Trotzes und Auflehnung iro^n Gott ist und nur Not und Angst ihm das Gebet abgerungen haben. Und andererseits mag, wer nur in der Seelenverfassung des Menschen, der sich an Gott wendet, betet, sein Gebet rnhi«? ablesen oder^ einmal erlernt, auswendig sprechen ohne dass man deshalb am Gebetscharakter seines Gebetes weifein dürfte. Ja, solcher Zweifel ist selbst dann nicht erlaubt, wenn der Betende — was an lieh vom Standpunkte religiöser Volksdisziplin gewiss nicht erfreulich ist — die Sprache, in der er vorsehriftsgemäss xu beten hat, nur unvollkommen oder gar nicht versteht. Damm ist aber auch derjenige, dsr dieser Sprache mächtig ist, 63

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