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Der Aufstieg · 1930-05-01 · 2 (5.1930) · p. Seite 57

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
2 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 57 (sequence 25)
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tauen, im Spätheibst des Jahren 5680 (1919). Er war damals etwa 18 Jahre alt und wohl der ärmste unter den dortigen Bachurim. Ich erinnere mich noch an seinen sonderbaren Wintermantel aus ordinärem und verschlissenem gelb»n Zeug, der seihst in diesem armen Lande auffiel. Er kam, um sich mit mir Uber das jüdische Problem auszusprechen, gab mir auch, was er darüber aufgeschrieben hatte, zu lesen. Ich merkte, dass ich es mit einem höher gearteten und ern<t grübelnden Menschen zu tun habe, stiess mich jedoch an seinem naiven Intellektualismus, der mich übrigens auch einigermassen belustigte, sowie an seinem schwerfälligen und holprigen Stil in einem sonderbar eigenwilligen Jiddisch, und vor allem daran, dass ich beim besten Willen nicht herausfinden konnte, worauf er eigentlich^hrnauswollt«. In den ersten Jahren bekam ich noch manchmal Abhandlungen von ihm, die mich nicht anders beeindruckten. Dann hörte ich viele Jahre nichts von ihm, bis ich ihm, in Frühjahr 5888 (1928) in Riga begegnete, — schon rein äusserlich einem ganz andern. Und da gab er mir sein Buch «Di geschiente fin der jidischer probten», das damals horausgekom» men war. 4 Ich müsste lügen, wenn ich sagen wollte, dass dieses Buch mich gar nicht mehr an die früheren Abhandlungen seines Verfassers erinnerte. Das Jiddisch ist noch immer eigenwillig genug, der Siil noch immer etwas schwerfällig. Aber stellenweise, wenn es darauf ankommt, erhebt sich die Sprache zu einer Macht des Ausdrucks, die ich nie erwartet hätte. Und das kommt daher, dass sich, was anfangs unerquicklicher Intellektaalismus schien, als Geist und zwar von grossen Konzeptionen beflügelter Geist entpuppt hat. Menkes sieht Israel als das, was es ist, als den Hauptspieler in einem grossen welthistorischen Drama. Er sieht das Judentum als das grosse Kraftzentrum, von dem sich Ströme der Erweckung auf die anderen Völker ergossen haben, und ist nur unzufrieden damit, dass sich diese Völker zu wenig erwecken Hessen. Er sieht aber auch den inneren Kampf in der jüdischen Volksseele selbst, der sich in abwechselnden Perioden des Bestehens auf eigentümlichem Anderssein als Gottesvolk und des Hinabtauchenwollens in das Völkerleben ausdrückt. Mann kann nicht in allen Einzelheiten mit ihm mitgehen. Besonder! ist offensichtlich, dass er zu wenig unmittelbare Bekanntschaft mit der Seele der nichtjttdischen Völker hat. Doch ist seine Kennzeichnung der verschiedenen Völkergruppen tfn« grosse Leistung and seine Darstellung im allgemeinen von überzeugender Kraft. Elieser Schindler lernte ich erat im vorigen Jahre kennen. Zuerst brieflieh, dann im Herbst, alt in Wien, gleichzeitig mit der Kenesaio gedanlo der «Agudas Jisroel», die konstituierende Aulim - Konferenz tagte, auch persönlich. Der Mann hat trotz verhältnismässiger Jugend ein sehr bewegte« Laben und einen bemerkenswerten Entwicklungsgang hinter sieh. Seit seinem neunten Lebensjahre in Deutschland, erhielt er von einem äusserst frommen chassidischen Vater eine stren* jüdische Ersiehung, wurde auch zum «Lernen» angehalten, schüttelte dann In der Schule »das Joch der Thora» ah. wurde nacheinander Zionist, Poalesionist, Jiddischtst, kam in Weltkriege an die russische Front, wurde am Tischo-B'ow 5675 (1915) bei Labiin schwer verwundet und gefangen genommen, arbeitete bei Bauern, lebt« eine längere Zeit in der Kirgisensteppe bei den dortigen Gerim, von deren jüdischer Prommigkeit er unverwischbare Eindrücke empfing, geriet dann aber schliesslich unter den Elnfluis du Bolschewismus. Als er jedoch im Sommer 5678 (1916) zusammen mit einem Qm führenden Fanatiker vom Jeweeksja ■ Typ die zentral« Talmud *7

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