Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 2 (5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Belongs to
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die äussere Begünstigung der Ausbreitung des sich modern nennenden Geistes muss vielmehr wirklich ganz und gar äusserlich, körperlich, mechanisch, ja technisch sein. Und nicht nur zufällig hat ungefähr gleichzeitig auch ein zweites Gebiet menschlicher Tätigkeit einen ungeheuren Aufschwung erfahren — sondern die Gleichzeitigkeit des Aufschwunges von Reklametechnik und Ordnungshass ist sehr einfach damit erklärt, dass der autoritätsfeindliche Ungeist seine Weltverbreitung eben jenem Aufschwung der Reklame verdankt, dass wie Bersons Gummiabsätze und Eau de Cologne 4711 eben auch freie Liebe und Gottlosigkeit und Schulreform, mit denselben Methoden und der gleichen Beharrlichkeit, angepriesen wur- .len. Wobei nur das einen Unterschied macht, dass die inserierenden Fabriken für die Reklame ehrlich zahlten, während die Propaganda für zeitgeistige Phrasen und Verirrungen aus reiner Liebe kostenlos erfolgte: Weil die Propagandisten damit nur ihre eigenen Geisteskinder förderten! Denn unglücklicherweise hatten dieselben Intellektuellen, deren ehrfurchtslos verworrenen Hirnen die Autoritätenzerstörerei so viel Freude machte, gleichzeitig auch jenes noch nie dagewesene, in der Wirkung unerreichte Werkzeug zur reklamemässigen Weltbeeinflussung in Händen, das der moderne Fortschrift in seiner seelenlosesten, der technischen Abart für sie bereitet hatte: Die vervollkommnete Drucktechnik und ihre Ausgeburt: Die Presse. Insbesondere das moderne Tageszeitungswesen, ermöglicht erst durch die 1814 erfundene Sehnellpresse, zeigt deutlich die Verknüpfung von Maschinentechnik, Reklametechnik, Umsturztechnik. Gerade dieses letzte Jahrhundert war .es ja offensichtlich, welches die Menschheit in den Abgrund jener von Phrasengedresch Ubertönten geistigen Armut gestürzt hat, mittels derer allein die Ausbreitung der ordnungs- und gottesfeindlichen Zeitideen erklärlich ist: Und angesichts der Verwüstungen schon dieser hundert Jahre versteht man gut die entsetzte Bemerkung Nietzsches, also eines der grössten Vorbereiters dieser Ideen — nämlich, da*s noch riiemand gewagt habe, die Folgen einer tausendjährigen Herrschaft der Zeitungen zu überlegen ... Zu all dem Unheil kommt noch das sich schier stündlich steigernde, von der Angst der Gegner noch genährte Selbstgefühl der Zeitungen und ihrer intellektuellen Macher. Glaubt doch jeder Mann der Oeffentlichkeit, ül>ernehmc er eine Regierung oder einen Konzern oder ein Theater oder einen Literaturpreis, die cWeltmacht Presse» seiner besonderen Verehrung versichern, um ihre Mithilfe dei seiner Ary 40