Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 2 (5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Belongs to
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auableiblichen Missbrauch? Die Nietzache bei seinem Zerstorungswerk beseelende Höhensehnsucht erweist sich bei dieser von ihm selbst so genannten cUmwertung aller Werte» doch auch schon als ein Musterbeispiel der gleichen anmassenden Autor itaUn-Sturzcrci, wie sie zu dem sittlichen Chaos unserer heutigen Umwelt geführt hat. Beispielsweise in der furchtbaren Krage, warum man eigentlich nicht lügen solle, hat dann auch Nietzsche selbst die letzte Triebfeder aller bequemen Autoritätsfeindlichkeit endgültig bloßgelegt: Dieses Zerbrechen aller talten Tafeln», diese Ableugnung ewiger Verbindlichkeiten muss aber letzten Endes auf einen Charaktermangel zurückgeführt werden, der den Menschen tatsachlieli emmensclit, indem er ihn zur Selbstvergötterung, Selbstvergötzung treibt: Auf den Mangel an Ehrfurcht. Nun ist aber Ehrfurcht eine Ureigenschaft de.s Menschen, ihr Mangel also überhaupt "nur möglich, wo die Grundlage des mensch- - liehen Wesens erschüttert ist: dem Verlust der Ehrfurcht muss Verlust der Einfachheit vorausgegangen sein! Der natürlich fühlende Mensch ist selbstverständlich ehrfürchtig — erst WO das natürliche Gefühl vom hochmütigen Verstand mehr weniger verdruiigi u.irdf, verliert der Mensch die Ehrerbietung vor den grossen und schrecklichen Welttatsachen und Weltgesetzcn. Dies alles also: Mangel an Einfachheit, daraus folgend Mangel an Ehrfurcht, weiter daraus folgend Selbstvergotzung, Autontätsfeindscliaft und Sittenwilkür — ist nicht gefühlt, sondern gedacht, und die Gemeinheit des gegenwärtigen Zeitgeistes ist intellektueller Natur! Diese Feststellung ist aber gleichzeitigem Kingerzeig, worauf das in der Geschichte unerhörte jähe Anwachsen und Erstarken der Autoritätsfeindschaft während der letzten Jahrzehnte zurückzuführen ist. Es hat ja immre geistige Strömungen dieser Art g« gehen, die auch oft weitestreichende politisch) Kolgen hatten.al.i r da war es stets erst die politische Umwälzung, welche die allgemeine Ausbreitung der sie hervorrufenden Gedanken bewirkte: Die jähe Aus',r tung von Gedanken bis zur scheinbar unüberwindlichen and dan'> das ganze Leben umgestaltenden Weltmacht, wie die si it zwei Generationen statthabende Umwertung aller Werte sie zeigt, beweist, dass hier ein ganz neues Moment der äusseren Mögliclkeitm der Gedankenverbreitung hinzugetreten sein muss. Vergleiche mit den in der Wucht der Ausdehnung w<>h! ähnlichen religiösen Erneuerur gen fallen natürlich weg, wenn dir Ursprung der möd< rhen G« stesentartung nicht wie bei der Religio: im GefUhlspiässigelti iöi dern im Gedankehmässigen, im Intellektuellen gesucht werden muss; \ 39