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Der Aufstieg · 1930-05-01 · 2 (5.1930) · p. Seite 37

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
2 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 37 (sequence 5)
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DIE OHNMAECHTHJE WELTMACHT von URIEL BIRNBAUM- -* > So weit auseinanderliegcnd und völlig unzus.-immengehürii,' alle jene.üblen Zeiterscheinunfft n, die den religiösen Menschen gegenwärti r tagtäglich beleidigen, auch oft wirken mögen^ist es doch.gar nicht so schwer, das ihnen Gemeinsame herauszufinden und ihren einheitlichen Ursprung festzustellen. Die heute übliche Neigung zu Sittenlosigkeit und Unzuchtverherrlichung, zu Staatsfeindlichkeit und Weltverbesserei, zu Gottlosigkeit und Religionsverhöhnung, zu freier Liebe und Liebesfreiheit, zu Schulreformierung und Familienzerstörung — zu so vielem Auseinanderstrebenden also, erweist sich bei näherem Zusehen als dennoch zusammengehörig dadurch, dass in alledem jedenfalls ein Geist der Auflehnung hervortritt, ein Aufbegehren gegen Ordnung und Cesrta, sei es WYMordnung oder Schulordnung, Religionsgesetz oder Normalgesetz — gegen das Prinzip von Ordnung und gesetzlicher Regelung überhaupt, gegen Gesetzgebung und Vorschrift, gegen die Autorität schlechthin. Nun ist ja zweifellos Auflehnung eine Grundeigenschaft der menschlichen Natur — alle politische und religiöse Geschichte besteht grossenteils aus Aeusserungen dieser allzu menschlichen Eigenschaft, ODas eigentlich Bezeichnende ist also nicht das Auftreten - von ordnungsfeindlichen Neigungen überhaupt, sondern vielmehr deren Allgemeinheit und Selbstverständlichkeit in der Gegenwart. Das ist eine ganz neue Erscheinung. Dass unzählige Menschen sich heutzutage schämen würden, als wirklich tugendhaft, gesetzestreu, gläubig erkannt zu werden, bedeutet eine so völlige sittengeschichtliche Neuheit, dass die nächstliegende Erklärung sicherlich die ist. die Welt und die Menschen in ihr seien eben schlechter geworden; was freilich nur eine kleine Frageverschiebung bedeutet, da ja wiederum weitergeforscht werden müsste, wodurch die Menschheit so weit heruntergebracht worden sei. Und ausserdem hat es seit je und immer Verfallszeiten gegeben, die dennoch nicht wie unsere Gegenwart das Merkmal der unbedingten Autoritätsfeindlichkeit zeigten. Dabei ist dieser Verfall durchaus nicht ganz neuen Datums, vielmehr in seinen Anfängen schon sehr alt, aber fast mit der Schnei- . ligkeitsteigerung beim freien Fall in den letzten Jahrzehnten, ja Jahren zu einer Raserei und Vehemenz gesteigert, die den ordnungsiebenden Menschen zu hoffnungslosem Zuschauen beim unvermeidlichen sittlichen .Weltuntergänge zu verurteilen achten. Erwin? sich doch jede Debatte, .jede Auseinandersetzung mit dem autoritätn- __37

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