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Der Aufstieg · 1930-05-01 · 2 (5.1930) · p. Seite 35

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
2 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
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mal Lust, ihr auf die Finger zu sehen oder gar zu klopfen, unterlagst es aber, um nicht unliebsam aufzufallen, um nicht als rückständig zu gelten und sich nicht ihren Zorii und den Zorn ihrer älteren Freunde und Einflüsterer zuzuziehen, die sie so habe.n wollen wie sie jetzt ist, weil das moderne Gesellschafts-rngefüge sie so braucht. Noch nie vorher aber war auch die Jugend s<i sehr von allen guten Geistern der Jugend verlassen, wie heute. Noch nie hatte sich ihre natürliche Lebhaftigkeit so sehr in gewolltes Aufbegehren und nervöse Geschäftigkeit, ihre natürliche Heisshlütigkeit In kälte höhnische Leidenschaftlichkeit gewandelt. Noch nie vorher war ihre natürliche Schüchternheit und Schamhaftigkeit so sehr in Dreistigkeit und Unbeherrschtheit umgeschlagen. Noch nie war sie mit solcher Instinktlosigkeit statt ernsten und ernst zu nehmenden Vorbildern den kniffigsten Winkeladvokaten einer sogenannten neuen Moral und einer sogenannten neuen Sachlichkeit gefolgt. Noch nie "vorher hatte sie sich mit so wichtigtuender Gespreiztheit als Wegbereiterin absoluter Verantwortungslosigkeit gebärdet. Noch niemals hatte sie das überkommene geistige und seelische Gut der Vorfahren so leichsinnig verwaltet, so unschöpferisch vertan. Noch nie vorher war sie so wenig die Jugend gewesen, die schon durch ihr Dasein den Kulturstandard ihrer Gemeinschaft sichern hilft. El soll nun nicht behauptet werden, dass sieh die überlieferungstreue jüdische Jugend — gleich den Kameraden, die v >m Thorabidentum nichts mehr wissen odc»- n'chts mehr wissen wollen — vcn dem neuen Jugendweihen ganz habe einfangen lassen. Das ist bei dem Bekenntnis zur Thora so schnell denn doch nicht gut möglich. Aber dassie teils ahnungslos, teils mit Bewusstsein und mit krampfhafter l/vik Stimmungen.- TTeberzcugungen und vor allem (lebungen vom drfmen übernommen hu« w«\ immer mehr fiberrdmiol das kann mir der leugnen, dem es nicht'gegeben ist, Beobachtungen und Feststellungen zumachen. *. j___,■ _ Oder steht es etwa mit der Thora und ihrem Geiste in Einklang: Dass jüdische junge Menschen von Anmassung und Selbstgefälligkeit geradezu triefen, wohl ferne Gedmibm mit billigem Respekt im Munde führen, daheim aber schon von. Rechsehn Jahren ab Autoritäten spielen oder solche Autoritären anerkennen; dass sie, im Westen, mit einer durch nichts zu brechenden, ledernen Gemächlichkeit, im Osten mit einer zu n;chts verpflichtenden, fahrigen Aufgeregtheit den grossen Sorgen des Judentumsjind der Judenheit l>cgegnen; dass sie sich mit der ganzen Schwerfälligkeit ihrer von ihnen so über die Achsel angesehenen Alten gegen jede I/isung sträuben, die 30

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