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Der Aufstieg · 1930-05-01 · 2 (5.1930) · p. Seite 34

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
2 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 34 (sequence 2)
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sen Egoismus — um ein kräftiges, gar nicht übertreibendes Wort zu gebrauchen — legen davon Zeugnis ab, dass es ihnen in weitem Ausmaase an Wärme und Energie gebricht. Und so gross ist diese Einbusse, dass sie selbst auf ihren Erreger, eben den religiösen Egoismus, zurückwirkt, ihn selbst Weniger eifrig, weniger gläubig macht. So krass wollen dies allerdings die meisten nicht wahrhaben. Man begnügt sich damit, die Schuld zu verteilen, indem man den Westjuden den Mangel an religiöser Wärme, den Ostjuden an religiöser Energie zuspricht. Allein diees Einteilung ist — wiewohl sicherlich nicht aus der Luft gegriffen — doch fehlerhaft. Und zwar nicht so sehr wegen der Verallgemeinerung, durch die Einzelnen Unrecht getan wird, wie weil sie das Bild günstiger malt, als es ist. Denn in Wirklichkeit ist es auch mit der religiösen Energie der Westjuden und der religiösen Wärme der Ostjuden lange nicht so gut bestellt, wie zu wünschen wäre. Diese ist schon ziemlich angefroren und der eisige Hauch im Fortschreiten, jene verliert sich allzusehr im Formalen und Organisatorischen. Doch die Hoffung gibt sich nicht auf. Und sie schlägt mit einem Argument, das an sich unwiderlegbar ist — mit der Jugend. Es sei wahr, dass .die Alten nichts taugen, dass sie sich nicht begeistern können und nichts leisten wollen, aber die Jugend... die Jugend, die fülle die Lücke. Die Jugend sei warm oder gar heiss und stelle ihre besten Kräfte der.Sache Gottes zur Verfügung. Wenn sichs wirklich so verhielte, so wären wir freilich aller Sorgen los und ledig. Dann wäre uns ja die Zukunft verbürgt und was könnten wir mehr verlangen? Aber verhält sichs wirklich so?... Ja.n<>ch mehr.kann sichs so verhaften? Iist nicht mi tunserer Jugend etwas vorgegangen, was ihre reIigiöse_Wärme und Energie, so wie sie sich regen wollen, im Keime oder zumindest nach den ersten Wallungen und Anstrengungen ersticken und sie durch Lauheit und Betriebsamkeit ersetzen muss? Oder, um deutlicher zu werden: Ist sie nicht zu sehr in den Bannkreis der modernen Jugendmentalität und Jugendbewegung geraten, um noch eine Hoffnung für Steigerung und Läuterung jüdischer Religiosität, für eine fortschreitende Heiligung des jüdischen Volkes bedeuten zu können? Noch wie war die Jugend der europäisch-amerikarischen Menschheit so anspruchsvoll und noch nie wurden ihre Ansprüche so sehr befriedigt wie heute. Sie ist geradezu gefürchtet oder doch zumindest ein Gegenstand scheuen Respekts. Man fühlt sich von ihrem Urteil, ih»er Billigung abhängig. Vielleicht hätte so mancher manch-

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