Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 1 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Belongs to
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barmen nicht Wenn von einem Menschen — auch der Wahrheit gemäss — ausgesagt wird, daas er viel Zdokö gebe, so ist das an sich noch kein Beweis dafür, daas er Erbarmen in sich hat. Das wirkende* menschliche Erbarmen muss nicht mit dem Bewusstsein oder der Bejahung seiner göttlichen Quelle verbunden sein. Aber nicht nur, daas dann sein Verdienst auf anderer Ebene durch eine Schädigung der eigenen und der Volksseele aufgehoben wird, es geht auch leicht auf der eigenen Ebene in Unerbarmen über — worüber noch Manches zu sagen sein wird. Erbarmen und Erbarmensind nicht gleich. Wer nur augenscheinliche, grobe Beschädigungen, so namentlich Angriffe auf Leben, Leib und Vermögen seines Nächsten — und zwar nicht bloss des gesetzlichen Verbotes oder der gefürchteten 'träfe halber — unterlässt, hat schon etwas vom Erbarmen in sich Aber es ist dessen tiefste Stufe. Auf den höheren Stufen ist der Mensch von einem warmen Wohlwollen für jeden Mitmenschen — auch den, der ihm nicht angenehm ist — erfüllt, und dieses Wohlwollen befähigt ihn, mit feinem Takt auch Verletzungen zu vermeiden, die den andern in seiner Persönlichkeit treffen und in seiner Seele schmerzen. 0 Ebenso: Wer nur jenes Helfen kennt, das willig in der Gabe, aber unbekümmert um ihr Ziel und ihre Wirksamkeit_isl..=-hat sicherlich schon etwas vom Erbarmen in sich. Aber es ist dessen tiefste Stufe. Auf den höheren Stufen wird der Mensch von dem Wohlwollen, das er gegen alle Mitmenschen empfindet, dazu geführt, die Hilfe als eine verantwortungsvolle Aufgabe zu betrachten. Und je wärmer das Wohlwollen des Menschen ist, je tiefer ihm das Gefühl der Bruderschaft in der Seele sitzt, somit, je erfolgreicher er auf der Hut vor Vei letzungen seines Mitmenschen und je mehr ihm Helfen zu seimr Sache wird, desto umfassender ist sein Erbarmen, desto näher ist er der höchsten Stufe des Erbarmens und damit — wenn er von heisser und verantwortungsvoller Bejahung'der göttlichen Quelle durchdrungen ist — auch der Heiligkeit des Erbarmms. (Als Sachwalter der göttlichen Tiferes.) ' Die Allmacht als Schöpferin und Beherrscherin des Stoffes wirkt nur unrnjtte)bar. Mittelbar durch einen Sachwalter zu wirken, widerspräche ihrem Wesen. Denn Erschaffen und Herrschen sind un<- Ubcrtragbar. Aber die Allmacht als Formung, als Allpracht wirkt auch mittelbar. Sie sendet ihre Strahlen durch den Menschen, ünd nur durch 30