Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 1 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Belongs to
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Erwählt, um am Werke G'ttts mitzutun. —r— (Am .Walten der göttlichen AUliebe.) Gottes Liebe erweist sich schon dadurch als allumfassend, als innerster Sinn und letztes Ziel seines Werkwillens, dass sie sich nicht nur unmittelbar auswirkt, sondern auch durch das Reich des Lebens, dem sie gilt, strömt, es zur Mitwirkung mitreissend. Selbst die Tiere hat Gott mit eimr gewissen begrenzten Fiihigkeit.z'u lieben.begnadet. Den Menschen aber hat er, in den Grenzen menschlichen Könnens, zum Sachwalter seiner, der göttlichen Liebe bestellt. Der Mensch soll den letzten Sinn der Schöpfung, die Liebe, an allen denjenigen, die ihre Objekte sein können, also an den Lebewesen, vor allem am Menschen erweisen. Diese Erweisung ist, als aus dem Liebesstrom der Gottheit flies^- aend, im letzten Grunde Liebe. Aber sie verwirklicht sich in der Menschenwelt zumeist nicht als solche, sondern als Erbarmen. Der Mensch kann nicht alle lieben. Und die heilige Schrift weiss dies genau. Sie gebraucht zwar die beiden Ausdrücke durcheinander, spricht von Gott als von dem Rachum Weehanun, dem Barmherzigen und Gütigen, und befiehlt dem Menschen, seinen Nächsten zu lieben Aber man darf nicht vergessen.dass der ursprüngliche Sinn des Wor tes Rachamim, der auf die Mutterliebe hinweist, Liebe ist und dass andererseits die auf Erbarmen eingeschränkte Bedeutung des Wortes ohaw, lieben in dem Satze ^: o 3 "| P1 7 n 2 n K V «Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst» frühzeitig erkannt wurde. Du sollst Deinen Nächsten so behandeln, als ob Du ihn liebtest —, ist sein Sinn und dieser wird noch deutlicher, wenn man das Wort ■psr («wie dich selbst») besonders betrachtet. Man kann ja gar nicht sich selber lieben, sondern sich nur aus Selbsterhaltungstrieb oder Besorgtheit um das eigene Leben, um die eigene Wohlfahrt gut behandeln oder streben, sich gut zu behandeln. Der Begriff der Liebe setzt immer einen andern als Gegenstand der Liebe voraus. Gan•• genau gesprochen heisst also }18J 1 VT? f. :n K Du sollst Denen Nächsten so behandeln, als ob Du ihn liebtest, gleichwie Du Dich selbst behandelst, als ob Du Dich liebtest. Und das heisst: Du sollst Dich seiner erbarmen, wie Du Dich Deiner erbarmst. Erbarmen ist entweder rücksichtsvolle Unterlassung eines Verhaltens, das den Nächsten .zu schädigen, oder ein rücksichtsvolles Ver- \ halten, das in irgendeiner Not ihm zu helfen geeignet ist. Wer nicht acht gibt, dass er seinen Nächsten nicht schädige, aber auch wer seinem Nächsten hilft, ohne dabei seelisch, beteiligt zu sein, oder, indem er dabei die Würde des Unterstützten verletzt — der kennt das Er-