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Der Aufstieg · 1930-04-01 · 1 (4.1930) · p. Seite 9

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
1 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
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Vorzeichen. Der religiöse Menstfh lebt aus den Quellen des Leben« und aus dem Herzen der Dinge. Er hat erkannt, dass der Umweg über Gott der nächste Weg zur Welt ist, und er erfährt auf diesem Umweg die wahre Rangordnung und, die eigentliche Natur der Dinge, die er bisher nur verzerr! gesehen hat. Der areligiöse Mensch vergewaltigt die Welt: indem er sie mit einem Netz Von Formeln bedckt, setzt er ihr seine wechselnden Zwecke als höchsten Wert und heisst die Dinge — ohne Rücksicht auf ihr Eigensein — sich ihnen unterwerfen; er richtet vergängliche Imperative auf, in deren zielgebundcn* Ordnungen er dje Dinge entgegen ihrem eigentlichen Beruf gewaltsam einzwängt. Und während er glaubt, die Welt souverän zu beherrschen, und die Dinge in herrischer Weise seinen Zwecken'dienstbar macht.wird er ihnen 7=Un dieser seiner umgrenzten Welt ohne Ausblick und ohne Horizontl^*^ auf eine geheimnisvolle Weise im tiefsten versklavt. Der religiöse Mensch erst gewinnt das rechte Verhältnis zur Welt. Indem er sich scheinbar vom Getümmel des Lebens zurückzieht, findet er auf einer höhere,!) Ebene umso* näher zu ihm zurück. Aber er tritt ihm jetzt frei, unbefangen, brüderlich gegenüber, und indem er sich anschickt, die Welt in Gott zu überwinden, wird der Strauss, den er mit ihr aus/.ufechten hat, nicht zu einem todernsten, keuchenden Ringen, in welchen der Unterlegene für immer verloren ist* sondern ein Turnier ebenbürtiger. Gegner, das lachend und ritterlich ausgetragen und n<il Händeschütteln beendet wird/ Er fürchtet die Welt nicht und er vergreift sich nicht an ihr: er naht ihr ehrerbietig' und vertraulich zugleich, und in dem weiten Rahmen der Gotteakindschaft, der über Mensch und Welt gespannt ist,weiss er sich ihr brüderlich verwandt Nicht« unter den Dingen ist ihm fremd: sie sind ihm vielmehr geschwisterliche Wesen, aus dem gleichen Stamm gehauen, aus dem gleichen Quell geschöpft; dem gemeinsamen Ursprung näher, weiss er um ihre Art und um ihr Sondersein, wie Geschwister tief im Blut umeinander wissen; er lebt mit ihnen im . gleichen Takt urd atmet mit ihnen im gleichen Rhythmus, und eine innig verschwisteite Beziehung ist zwischen ihnen, in der ihm jeder Hauch und jedes flüchtige Beben unendlich vertraut ist. So steht der religiöse Mensch im Leben, dort wo es äm tiefsten strömt: ihm rauschen die Meere wilder, ihm wehen die Winde stürmischer, ihm sind alle Leidenschaften härter und alle Triebe herrischer ihm is' jeder Schmerz doppelt bitter und jede Lust doppelt süss. Ganz geöffnet* nimmt, er in vollem Zuge alle Wildheit und Süsse des Lebens in sich auf; ohne Scheu spricht er zu ihm sein helles, 9

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