Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 1 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Belongs to
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um, Opfer, und das* der Weg zu Gott nur Uber die steinernen Stufen Seines Gesetzes fuhrt. Wir wissen, dass wir unsern Gang durch die Zeiten ohne Verzweiflung und in vertrauender Sicherheit nur wagen können, wenn jedem!! Geschlecht das «Gesetz in seiner zeitlosen Gestalt festumrissen, starklinig und lichtklar vor Augen steht, und dsss unser subjektives Meinen zu schweigen hat vor der ewigen Geltung und marmornen Ruhe des Gesetzes. Aber wir Wissen auch dies: dass das Gesetz an Glanz verliert, wenn es auf matten Herzen ruht, und dass es von feigen Schultern nicht getragen werden kann; dass Gesetz und Gläubigkeit, Form und Bewegtheit, befehlender Wille und schenkende Freiheit des Tuns, dass sie beide einander verlangen, und dass eines ohne das andere auf die Dauer nicht bestehen kann. Das Gesetz verlangt nach einem bereiteten seelischen Boden, nach einer geistigen Landschaft, in die es sich zwanglos einfügen kann, nach einer Luft, die seine Konturen mit Schärfe sichtbar macht. Wir ahnen, dass es schweigend wartet, seinen innersten Sinn von uns erfüllt zu sehen, und bis in die verborgensten Winkel unserer Seelen ■puren wir seinen heimlichen Aufruf: von uns mit Leidenschaft erstürmt, ergriffen, erkannt, aufgebunden nud bis ins Letzte entfaltet su werden. So ersteht uns die zwingende Forderung, ein klarer, eindeutiger Befehl: Rückkehr in die eigentliche Heimat des Juden, ins Leben vor Gott, Wiederbelebung des religiösen Willens, Heimkehr in eine Welt, deren grauer Alltag noch von einer Ahnung Gottes durchwärmt, vom purpurnen Schimmer des Unendlichen durchzogen ist. Und diese Heimkehr ist dringlich und unaufschiebbar: nicht eine späte Blüte am Baume.des Volkes, ein krönender Ziergiebel am Haus der nationalen Kultur, sondern das Fundament, das Fundament, mit dem wir beginnen müssen. Ist das ein Aufruf zu einem neuen Quietismus, wo wir den alten noch nicht abgestreift haben? Wird hier zur Wiederaufrichtung des geistigen Ghettos gerufen, dem wir eben kaum entronnen sind; ein Schwelgen in metaphysischen Gefühlen gelehrt, während Menschen nach Brot schreien und ohne Obdach sind; Abschnürung vom Leben gepredigt, wo wir eben die ersten Schritte zaghaft zu ihm hin setrten?___ Nein- Wir wollen das Gegenteil. Es i&t ja nicht wahr, dass der religiöse Mensch dem Leben entfremdet ist: wahr ist doch vielmehr, dass er es gerade am dichtesten lebt. Religion ist ja nichts anderes •k intensivste« Leben, als stärkste Vitalität, nur mit besonderem h