Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 1 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Belongs to
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eigenständigen Tendenzen und Bedürfnissen heraus; sie sucht eine t immanente » Lösung des jüdischen Problems. Und ferner will sie die ganze Lösung: sie begnügt sich nicht mit. zahlreichen Teillösungen an und von der Peripherie, mit einer Vielfalt von gutgemeinten Verbesserungen auf irgendwelchen noch so wichtigen Gebieten; sondern sie zielt geradeswegs auf jenen zentralen Punkt, auf jene Schlüsselstellung, aus der allein das verwickelte Fragengeflecht »in seiner Gesamtheit erst wirklich ergriffen und entscheidend bewegt -werden kann. Und dieser zentrale Punkt, die grosse Achse des jüdischen Daseins, seine' Wirbelsäule, seine tragende Basis, kann ihr nichts anderes sein als Israels Pakt mit Gott. Der ewige Bund mit Gott ist das zentrale Faktum der jüdischen Geschichte. Ohne ihn verliert sie vollständig ihren Sinn.wird sie. ein zusammenhangloser Haufe von absonderlichen Vorgängen. Darum kann, wie von ihm her nur« die jüdische Vergangenheit begriffen, so auch von ihm her nur die jüdische Zukunft gestaltet werden. Lud jader Versuch, jüdische Dinge zu formen,-ohne der Tatsache dieses Bundes eingedenk zu sein, bleibt ein vergebliches und vergängliches Tun. Ist einmal diese Wahrheit in ihrer ganzen Tiefe erkannt und festgehalten, so~ folgt eigentlich alles andere von selbst. Aus der einen entfalten sich mühelos die anderen Wahrheiten und Erkenntnisse, die notwendige Richtung des Weg.s, die folgerechte Kette der Forderungen. Auf zwei Säulen ruht der Bifnd des jüdischen Volkes mit 'Gott: auf Offenbarung und Erlösung, Verheissung und Erfüllung, Sinai und Messias. Beide tragen ihn, beide sind ihm unentbehrliche Voraussetzungen und notwendige Elemente. Und wenn das Bewusstsein von der zweiten Säule gegenüber der ersten heute ein wenig verdunkelt erscheint, so ist es die erste und wichtigste Aufgabe der neuen Bewegung, dieses Bewusstsein wieder zu wecken und tief in die Gemüter zu prägen; und so wie wir die Offenbarung als ein Faktum von unverlierbarer Gewissheit in uns aufgenommen haben, so müssen wir lernen, auch den Messias wieder als Realität zu denken, als eine unser Leben bestimmende und beherrschende Wirklichkeit Unser Denken, unser Wollen musswieder messianisch orientiert werden, der heisse Wille nach Erlösung, nach Erlösung des eigenen Volkes und der ganzen Menschheit mit ungestümer Gewalt wieder in Seelen erwachen, und die fruchtbare Unzufriedenheit mit uns selber, das unablässig bohrende Gefühl unserer Verantwortung um das Schickaal der Menschheit muss als heimlicher Stachel hinter all unserm Tun und Planen stehen. Wir wollen nicht mehr ein ewiges