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Der Aufstieg · 1930-04-01 · 1 (4.1930) · p. Seite 3

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
1 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
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Uten wir für unsere religiöse Erholung und Erweckung, — diese Urnotwendigkeiten, die der Hauptsache nach aus anderen als Organisationsquellen fHessen müssen? Wir haben im Judentum so wunderbare Motoren einer kühnen, unternehmenden, nach Erlösung lechzenden Religiosität. Sie sind nur mehr scheinbar in Betrieb. Was taten wir, um den Schein wieder zur Wirklichkeit werden; um uns wieder von ihnen treiben zu lassen? Wir haben die Tatgebote, die Mizwaua maa&siaua, jede Mvnvo für sich, sowie sie fällig wird, sozusagen ein Stichwort, um uns xur Besinnung auf Gott, auf den Weg zu ihm zu bringen, und alle zusammen eine fast ununterbrochene Reihe von Besinnungen, die im Effekte zu einer immerwährenden, beseligenden, läuternden Gottinnigkeit fuhren müssten. Aber leider nicht führten. Denn jede Mizwo ist in stumpfer Gewohnheit geübt, vergehend, ohne eine Spur zu hinterlassen, alle zusammen sind eine Kette vergessener Besinnungslosigkeiten, die uns Gott nicht nähert, unsere Herzen nicht läutert. Was taten wir, um diesen tötlichen Zustand zu ändern? Was konnten, wir tun, da wir ihn nicht einmal beklagten, ja nicht einmal erkannten, da wir so genügsam, so zufrieden mit unseren Leistungen und mit unserer Aufführung waren? Da uns keinen Augenblick lang einfiel, . was'unsere Propheten von solcher Genügsamkeit hielten? Wir haben eine Verheissuhg für das «Ende der Tage»,einen Antrieb von wahrhaft überirdischer Gewalt: unser und der ganzen Menschheit Erlöser werde kommen, wenn die Zeit zur Neige geht, aus unserem Stamme, dem auf ihn zu gezüchteten, werde er kommen. Und es ist uns gesagt, dass wir ihn uns verdienen können, wenn ihn der ewige Schöpfer in seiner Gnade nicht früher schickt. Wäre es da nicht selbstverständlich gewesen, dass wir lieber das Verdienst eis die Gnade wählten und arbeiteten, arbeiteten, um den himmlischen' Preis zu erringen? Leider aber scheint uns das Selbstverständliche nicht verständlich zu sein. An alles dachten wir eher, als an die messianische Verheissung und an das, was sie von uns fordert. Jahrhundert auf Jahrhundert verrann ohne Gewinn und das letzte brachte sogar Verlust auf Verlust» Und was taten wir, um diese Gleichgültigkeit zu besiegen, um die Messiaaerwartung, eine reine, grosse, echte Messiaserwartung mit allen ihren Schauern in unserem Volke lebendig zu machen, um damit seiner Leidenschaft für Gott Flügel zu geben? Was taten wir? Und was konnten wir auch tun, da wir im Grunde unseres Herzens vor nichts mehr Angst haben, als dass unseren ach so kritischen und ach so unzulänglichen Zeitgenossen unsere Religiosität überspannt erscheinen könnte? 3

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