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Der Aufstieg · 1930-04-01 · 1 (4.1930) · p. Seite 2

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
1 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
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Empfinden de* religiösen Lebens als Idyll ist gar nicht alten Datums, ist nicht etwa Erbschaft aus einer Zeit, in der die Religion noch nicht, von Gefahren umdroht war, wie heute. Vielmehr hatte religiöses Wollen gerade in jener Zeit Neigung, weit über die normale religiöse Betätigung hinaus anzuschwellen. Und daraus folgt, dass die Idyllfreudigkeit nicht eihr alte Schuld ist.an der unsere Thuratn üet) noch kranken, sondern «.-nie ner Schuld oder besser ein Symptom des heutigen'Verfalls im allgemeinen. Was aber das Niohtrinpestelltsein des religiösen Menschen auf materielle Gesamtheitsziele betrifft, so entschuldigt es in keiner Weise den Mangel an treibender und schöpferischer Kraft; der in der thoratreuen Judenheit festzustellen ist. Denn unf solche zu entwickeln, braucht der religiöse 40 Mensch gar keine materiellen Ziele, die ihn erst anfeuern müssen, sondern nur, dass sein religiöser Eifer glühe und nicht bloss glimme. Fehlt es an dieser Glut, dann ist eben seine Religiosität krank, dann ist er im religiösen Idyll eingeschlafen, dann ist Behebung dieses Mangels selbst höchstes Ziel und dann sind etwaige materielle Zwischenziele am Platze, um ihn, wie Meilenstein« den eilenden Ucj. enden, mit wachsender Spannung zu erfüllen. Sind wir nun aber einmal soweit gekommen, uns einzugestehen, dass trotz aller aufgewendeten Mühe unsere thoratreue Judenheit aus ihrem idyllischen Schlafe noch nicht erwacht ist, dann haben wir uns eben nur selber bescheinigt, dass wir nicht «Zug in die Sache zu bringen» vermochten. Wir organisierten. Gut! Organisation in allen Ehren! Aber selbst inbezug auf geistige und gesellschaftliche Kategorien, die nicht von so feiner Substanz sind wie die Religion, ist es damit allein nicht getan. Auch für sie ist Organisation nur ein Werkzeug, das sie gut gebrauchen können, solange sie selbst noch die Kraft besitzen, es zu handhaben, solange eigene Bewegung, eigene Entfaltung, eigenes Wachstum in ihnen ist, das ihnen aber zu nützen aufhört, ja immermehr zum Unheil für sie wird, je mehr Bewegung, Entfaltung, Wachstum aus ihnen schwinden. Wie aber erst, wo es sich um Religion handelt, um dieses höchste und empfindlichste Vermögen der menschlichen Seile, um deren Hineinhorchen in die Ewigkeit! Was nützt alle sichtbare Vereinigung unserer Getreuen, wenn wir die Treue selbst nicht in ihrem wirkenden Wesen und in ihren Entfaltungsmöglichkeiten hegen? Wag nützt es, dass wir sie mit äusserem Schutzwerk umgel>en, wenn wir ruhig zusehen, wie die von aussen Behütete von innen immer mehr einschrumpft? Wir organisierten. Gut! Organisation in allen Ehren! Aber was

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