Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 25 (21.6.1861)
- Date
- 1861-06-21
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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»die hohe Wichtigkeit diese- WahlaeftS «Merksam zu machen. von ״welche« da» Wahl dieser erste» »»d größte, Gemet». ,de devaterl»»de- «HHLngt." So tastet die Ansprache, »eiche der ehr». Präses de- Dahllettungs-Comitä, Herr Ohsterrahh. De. Metsel. in de« im Namen desselben Lm»it-'S erlass«»« Nnndschreib«, ddo. 9. d. M-, an die 1128 wahlberechtigt« Gemesudemitglieder richtet. Auch »ir enthalten nach dem Bielen, woderrits stder die »eorgcmisait»» der Gr׳ «einde gesprochen »nd — auch in diesen Blättern — geschrieben »ort«, jetzt »och viele Worte -her diese« Wahlact zu machen. Wir hoffen und «Loschen ,daß Jedermann seine Pflicht erfüllen wird", daß demnach die Wähler in größter Anzahl au dem Wahlacte sich betheiligm «td »ach ihrem besten Wissen und Gewiss« jm« Männe« ihre Bot« geben werden, bei d«m sie genug guten Will«, jüdischen Sinn, BÜdung, Einsicht und Berständniß für die Bedürfnisse einer-jüd. Gemeinde und die Forderung« der Zeit vor׳ a«-setz«, um der Aufgabe, definitive Reorg«isation der ersten und größten Israel. Gemeinde im Baterlande, nach Möglichkeit zu entsprech« und ein daue«des, heilsames und ersprießliches Werk zu schafft». - Die jetzt vor sich gehende Urwahl ist unseres Wissens die v i e r t e, welche seit ungefähr 30 3ahr«, also nahezu einem Mmsch«alter. stattfindet. Sn« der ersten ging auf G«ndlage des damalig« G Ullmana'schen Gemeindestatut« ein Gemeindekörper von 51 Perfoa« hervor. 5 Lorfteher, 2 Waisen- und 2 Spitalväter und 12 Beisitzer blldeten d« sogen, engeren Rath, welcher zusammen «lt den 30,WablmLnnrrndie Gesammtgemeinde rrpräseutirte. Man erkennt darin die Nachahmung der vormärzlich« k. fteistädtisch« Organisation, aus welcher auch das okigarchifche Princip der SelbstergSnzung «tlehnt war. Die nach j«em dritt« Jahre stattgefund«e Restauration bestand in der Ausscheidung v« 7 Personen durch'- Loos, der« Wiederwahl oder Ersatz von dem übn'gen Körper, nach Candidation durch d« dabei fungirendtn Magifiratsrath, vorgeuomm« wurde. Der ganze Restaurationsact war oft blos eine Scheincvmödte. die von einig« Führern und maßgebend« Persö»« lichkeiteu arrangirt worden. Der Wahrheit zur Ehre müff« wir aber auch sag«, daß viel Treffliches und Löbliches unter der Herrschaft dieses Statuts geschaffen wort«. Schule. Spital und vieles Andere, ja die Consolidirung der Gemeinde als solcher, rühren aus jener Zeit her. — Vorliebe für die ״Intelligenz* ex professo herrschte damals eben so wenig als unter d« Machthabern der letzten Jahre;den Takt besaßen aber die MenrurS. fick nicht ganz von Coterie- und Cliquenwesen beherrsch« zu lassen und doch immer ftische Elem«te — wenn auch nur in geringer Zahl — in den Gemeindekörper einzuführ« — Dieses Statu! hatte sich im Jahre 1848 bereits überlebt. Die große, außer aller Tbeilnahme gelassene Majorität der inzwischen immer mebr angewachse»en Gemeinde fühlte da- Bedürfaiß einer auf mehr demokratischer Grundlage vorzunehmenden Aenderung des Statut». — Ein revolutionärer Sturm fegte den durch d« schmählich« Abfall seines HauvteS ohnmächtig gewordenen Gemeindekörper weg, und aus einer ziemlich ungeregelten U r w a b l ging ein großer Ausschuh hervor, der eine künftige Gemeinde-Verfassung ausarbeiten sollte. Statt dieser Verfassung kam ein quafi-theologischeS Operat zu Tage, und man mußte sich ft««, als im Herbste 1848 aus den Trumme« der aufgelöst« Gemeinde wieder eine Gemeinderepräsentanz nach de« alt« Statvte reconstituft» wurde; j«e Gemeinderepräsentanz, welche die schmerzlichen und furchtbar« Zeit« Windischgrätz'scher und Havnau'scher Drohungen und Conttibutionea zu ttage« hatte, und der da- Verdienst gebührt, in so schwer« Tagen das Band des Gemeindetebens gefestigt zn Hab«. — Der Sommer 1851 brachte rem alt« Gemeindestatute das völlige Ende, nicht mittelst Umgestaltung durch die Gemeiude selber auch nicht durch ein neues octrovirtes Statut, sondrm durch ein« Staatsstreich, welcher beim damaligen Statthalter Baron Gehringer erwirkt wart, zufolge deff« der besteh «de Gemeindekörper aufgelöst und 7 Person« — die Urheber des Staatsstreiches «atürlich an der Spitze — die Leitung der Gemeinde stbergeb« wurde. Ohne Zweiftl erwarb sich diese Verwaltung auch manche Verdienste, 1 »s-u wir dm Temprlbau zählen; die aber utmmermehr jene Rachtheift «ufwirgen, welche die Gemeinde durch d« Staatsstreich selber und durch die gänzliche Vernichtung jeder Autonomie und jeder fteiru Bewegung erlitt«. Die Sympathie» Aller brtuahe waren daher mit den Bestrebung« jener Gemeiodeglieder, welche, nachdem phyfischer «nd moralischer Tod die zwei bedeuteudsten Häupter des ortroyittrn Vorstandes gttroffe» hatte, im Jahre 18S8 auf eine Erweiterung der Verwaltung nnd auf eine Urwahl drangen. Da- Resultat dieser Bestrebungen war — wft lasse» dahingestellt, durch wessen Schulo — ein Zwitter, eine Mißgeburt. 12 Borstrher! zur Hälfte ernannt, zur Hälfte gewählt, und 12.' gewählte Repräsentant«; für die Wahl der Repräsentanten und der Vorsteher ein EensuS von 20 und 50 Gulden Gemeindesteuer, die Wahl selber eine indirekte durch 30 Wahlmänner, welche allerdings aus einer Urwahl — das war die dritte — sämmtlicher Eultusbeitrag zahlenden Gemrindeglieder hervorgingen. Für ein geordnetcs Gemeinveleben und eine definitive Organisation war hiemit nichts gethan, eben so wenig als mit der im Jahre darauf erfolgten Modification, die nur den Charakter persönlichen Kampfes getragen,, nur darauf abgesehen schien, gewisse, und nicht die schlimmsten, Individuen hinauszudrängen, und daher nur schon eine geringe Thetlnahme der Gemeinde anregte. — Wir übergehen die mehr oder weniger gegründeten Angriffe und Anschuldigungen, welchen die auS dieser letzt« Wahl hrrvorgcgangene Gem. Repräsentanz in der jüngsten Zeit ausgesetzt war, sprechen es aber unverholen aus, daß wir die bevorstehende 4. Urwahl hoch willkommen heißen. Der kurze Rückblick auf die letzten 30 Jahre unseres Gemeindelebens har es zur Genüge gezeigt, daß wir fett 12 Jahren nicht auS dem Provisorium herausgekomm« find, daß unser Gemeindeleben nur stoßweise sich fortbewegt hat. Wft immer die politischen Verhältnisse sich gestalten und welchen Strebungen und Richtungen der Sieg bleibt. — so viel ist gewiß: daß ein definitives Statut und ein geregelter Gang des Gemeindelebens, mit der größtmöglichen Betheiligung sämmtlicher Glieder, unerläßlich nothwendig ist, und eben so gewiß, daß davon uns gewiß nicht mi-achtete und unterschätzte sogenannte ״Kehilla׳-Element allein nicht mehr zur Füh«ng und Vertretung der Gemeinde ausreicht, sondern der Stärkung und Erfrischung durch den Anschluß jüngerer, in ihrer Weise tüchtiger Kräfte bedarf. Das Statut, welchegeschaffen werden soll, wird gewiß nicht ohne Lücken und Mängel sein und nicht mit Einem Male allen Nöthen abhrlfen; uns wird es aber genügen, wenn es, ohne Bevorzugung erelufiver T«denzen. darnach angelegt ist, die Thetlnahme aller Besseren am Gemeindeleben stets wach zu halten, und diesem eine Fortbildung und Entwickelung im normalen Wege, nicht erst durch periodischen unv gewaltsamen Ruck und Stoß von Außen, zu sichern.^ Die Wahl soll diesmal auf recht breiter Basis vor sich gehen; dem Gelte ist da- Wiss« gleichgestellt worden. Es find Wahlbesprechungen und Couferenze» gepflogen, anempfehlende Listen von vrrschiedenen Seiten verfertigt nnd verbreitet worden. Der Kampfplatz ist eröffnet, Wind nnd Sonne gleich,vertheilt. Möge Jeder, sagen wir wieder, seine Pflicht erfüllen! — ». (Bescheidene Anfrage.) Löbliche Redaetion! Wie wir aus dem Circulalschreiben de- WahleomitsS ersehen, ist zur Entgegennahme der Stimmzettel für die erste aus 150 Mitgliedern bestehmde Generalversammlung nur der eine Tag, Dftnstag der 25. d- M, anberaumt. Gestatten Sie uns gefälligst, folgende zwei bescheidene Anfragen in Ihrem geschätzten Blatte auszusprechen. Erstens: Sind bei dem Umstande, daß 1128 Wähler in der Liste fignrirm, 5 Vormittags- und 3 Nachmittagsstunden nicht eine zu kurze Zeit zur Annahme der Wahlzettel unv Vormerkung der Ueberreicher? Zweitens: Hätte zu dftsem Geschäfte nicht lieber irgend ein anderer Tag als der in der jüdisch« Geschichte als die« oefastu* verzeichuete 17. ThamuS gewählt werden sollen? Wft verharren :c. Mehrere Wähler. (Bezüglich der ersten Krage ist uns versichert worden, daß bei der hiesig« städt. Restauration und einer Anzahl von mehr als 4000 Wählern es keines größer» Zeitraumes zur Annahme unr