Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 25 (21.6.1861)
- Date
- 1861-06-21
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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,tue front«*, atrr von Bigotterie und Zelott-mu» freie Richtung nah«. Während bet den pronencaltschen Christen di« platonische oder geistige stiebe verherrlicht und in Porsten besungen »urde. nahm die jüd. Muse ihren Weg zum Himmel und besang die Liebe zu Gott. Gott war der Bräutigam, J-rael die Braut. Die Hauptgemeinte desstdlichen Frankreichwar Narbonne. Dahin begab fich Joseph Ktinchi. genannt Mestre Petit — daher die Satire an seinen Sohn David: nv 1ו1ו — aler Spa» nieu unter der Verfolgung der Mohaden verließ, wo er biin daletzte Viertel de- 12. JahrhunderS lebte. Er verlegte fich vorzüglich auf die jhebräische Sprachwissenschaft und oppontrte den Anfichten te- Jacob Tam. (Dukes, Literb. des Orient 1850.) Seine größten und vorzüglichsten Geiste-produkte hat die hebräische Poefie von ihm aufzuweisen. Er begann seine poetische Begabung dadurch kund zu geben, daß er eine hebräische, in Prosa gestbriebene Arbeit verfificirte; da- Buch Mibchar Hapeninim von Gabtrol brachte er in metrischen, wohlklingenden Guß. (Geiger Ozar Nechm. Thl.!.)> und verfaßte dann selbstschvpferisch Pofsieri für die Liturgie, welchen die Aufnahme in die Synagogen rer Provence, Spaniens, Algierrc.;n Theil ward (Ztg. d. I. 1839). Die Fasttage deS 17. ThamuS, des 9. Ab, drS Estersastens, nahmen seine elegische Muse in Anspruch; die Festtage und die geweihten Sabbate begeisterten seine Phavtafie; Brschneidungen, Hochzeiten und andere Gelegenheiten öffneten den Strom seiner dichterischen Gefühle. Am zahlreichsten find seine Piutim für Hoschana»Raba. Sach-, Zunz und Dukebaden da- Verdienst, die Arbeiten de- יוסף .הנדזביר der Nachwelt überliefert zu haben. Seine Aufmerksamkeit wendete fich auch der Moralphilosophie zu, und übersetzte er Bachja'S moralphilosophisches Werk und noch manches andere in reines, fließendes Hebräisch; er schrieb auch einen exegetischen CommeMar zur h. Schrift, wovon nur Bruchstücke vorhanden find. Joseph Kim chi ist der eigentliche Begründer der jüdischen Cultur Spanienin Südfrankrrich. (Schluß folgt.) Goya, 11. Juni 1861. vr. M. Duschak. Zur Abbildung. David Snlomon-, geboren im Jahre 180t, stammt aus einer' schon seit lange in England angefiedeltrn Familie. Daß und wie er aus bescheidenen Verhältnissen zu einer angesehenen Stellung in der Finanz- und HandelSwelt fich emporgeschwuugen, zu erzählen, gehört weniger in den Bereich dieser Blätter, aldie Erinnerung an den Zusammenhang zwischen seiner politischen Laufbahn und den Fortschritten der englischen Israeliten im Allgemeinen. Seit der Wiederanfiedlung der Juden in England vor 200 Jahren konnten dieselben über eigentlichen Druck zwar nicht klagen; aber zufolge der mannigfachen Eide, Deklarationen. Abschwörungen, welche da- Gesetz, zumeist im Hinblicke auf die Katholiken und andere Dissenter-, bet der Ausübung fast jede- Rechte- und dem Antritte jede- Amtes oder öffentlichen Berufe-, ja selbst bei Naturalisationsakieu, abverlangte, befanden sie fich in einer schroffen Au-nah«-st«llung, die nur dadurch gemildert ward, daß viele dieser gesetzlichen Anforderungen nach und nach in Vergessenheit geriethen, und man in vielen Fällen, ohne gesetzliche Ermächtigung fich mit dem Eide re- Juden begnügte, wenn er auch den Zusatz: ״Beim wahren Glauben emrS Christenweggelassen hattte. — Von der Gesetzgebung ward bis zum Jahre 1830 nur einige- Wenige zur Erleichterung der Stellung der Juden gethan und von dev Juden selber wenig dahin gestrebt. — Erst seil dieser Zeit oder eigentlich seit der Katholiken-Emancipation entfalteten die Juden g'ößere Thätigkeit zur Verbesserung ihrer politischen Lage, und taucht diese Frage zu öfteren Malen im Parlamente auf. Unter den Whig-Ministerien Grey und Melbourne werden zu verschiedenen Malen darauf bezügliche Anträge gestellt, die gewöhnlich nur am Widerstand de- Ober- Hauses scheitern. Robert Grant, Makintosh, Bright, Huskisson, O'Connel, Macaulay, Lord Holland, Broug- Ham, der kön. Prinz Herzog von Süsser u. A. m. zeichnen fich in beiden Häusern während Der 30ger Jahre als Fürsprecher der Juden au-, gegen welche Robert Jnglis, Robert Peel und die geistlichen Lordmeist da- Wort erdeben. Bezeichnend tu übrigens hiebei der Unterschied zwischen den englischen und rontinemalen Gegnern der Inden, da- Erster« fetten oder nie sich in perstnlichen Ausfällen gegen die Juden «nd deren Eharakter ergingen. So verwahrte fich Machart Peel, damals noch Führer der Hochtories, einmal gegen jede Ml»- deutung und sagte: ״Eist Nicht- 4» de» Benehme» der Inden ״selbst, «a» auch nur dageringste nugstnßige Ittcheil gegen ß« ver- ״anlaffen könnte. Die höher» Klassen zeichnen fich durch Menschen- ״liebe und Theiluahme gegen ihre Mübrstder au-, und bei den nie- ״deren Klaffe» findet «an keine Untugenden, die nicht i« Allgemeine» ״bei Menfchen niederen Standezu Hause wären." — Die öfteren, wen« auch resultatlosen parlamentarischen Bemnbungen hatten jedoch de» günstigen Erfolg, daß die öffentliche Aeinung fich mit dem Gedanken an Emancipation der J-raeliien und Verleihung von Srmtern an selbe »ach und nach vertraut machte. - David Tatwmom« war der Erste, welcher 1835 in London al- Sheriff (ein erecutiver Jnstizbramtrr von hohem Ansehen) gewählt wurde. Zufolge dieser Wahl wurde eine Bill in- Parlament gebracht zur Modificirung de- Eivefür jüdische Sheriffs. Die Bill ging in beiden Häusern durch, «nd am 6. Oktober desselben Jahrelegte Sal o m o n - den Eid als Sheriff auf das alte Testament ab. — Bald darauf ward S. zum Alverman der Londoner City gewählt Die Declaration hinderte ihn am Antritte de» Amtes. Lange dauerte der Kampf im Parlamrnte wegen Aeudrrung der Declaration; SalomonS ward wiederholentlich zum Alderman gewählt, biendlich 1845 da- Toryministerium Peel selber die Seaveruag beantragte und auch im Oberhause durchführte. — Daß S a l v m o u », nachdem er einmal Alderman geworden, al» Lord Mavor an die Spitze der City trat, kann nicht mehr verwundern, da die Alderme» der Reihe nach zu diescr Stelle berufen werde». — Wie die Zulassung zu den munictpaltn Würden «nd Aemtern schrittweise, und immer nach voraugegangenen auf S a l o m o n S gefallenen Wahlen, erkämpft worden; so gab auch deffra wiederholte Wahl in Greenwich, so wie die des Barouet Rothschild in der City» zum Parlamentsmitgliede bekanntlich die nächste Veranlaffung, daß dieses höchste Recht des. Staatsbürger-, die Theilnähme an der Grsetzgebung, nach mehrjährigen vergeblichen Bemühungen endlich im 'Jähre 1859 den JSraelited zugestanden wurde. Daß SalomvnS fich hiebei einmal der Gefahr aussetzte, nach dem Wortlaute destrengen englischen Gesetzes, zum Verluste seine» Vermögens und zu bürger« lichem Tod verurthetlt zu werden, ist unseren Lesern gewiß noch in Erinnerung. — Statt alles Lobes über S a l o m o n s' Persönlichkeit und Lharaktrr wollen wir schließlich die Worte hersetzru, welche Lord Lpndhurst am 24. Juni 1856 im Oberhause in Bezug auf ihn gesprochen r ״I» diesem Augenblicke befindet fich eia Gentleman jüd. Glaube»« ״an der Spitze der Magistratar der Eity. Niemand kann mir in der ״Bthauptung widersprechen, daß er in Thätigkeit, Fleiß, Verständniß, ״Unparteilichkeit. Wohlwollen und glänzender Freigebigkeit niemals von ״ir^id einer früheren ersten Magistratsperson übrrtroffen wurde." D. V-st. ״Es find darüber Berathungrn gepflogen worden, wie dem Be« ״dürfnisse nach Reorganisation der Pestrr israel. LuliuS - Gemeinde ״Rechnung getragen werden soll. Da einerseits in cturr so wichtigen, ״jede» Gemeindkmitglied direct betreffenden Angeleg nheit nicht einzelne ״Personen oder Klassen entscheiden dürfen, anderseits aber die Be- ״Hörde t» einer inneren Eultus-Gemcindefrage keineswegs das Recht ״der Einmischung, sondern nur das der Beauffichtigung in Anspruch ״nimmt, so ist bestimmt worden, daß sä««eliche Wähl r der hier- ״orltgen Gemeinde eine General-Vrrsammlu g von direkt gewählten 150״ Vertretern mit dem Rechte und mit der Aufgabe betrauen sollen, ״auf Grundlage eines von derselben auszuarbettenden und festzustellen« ״den organische» GLmeinre-Statut» die Reorganisation dieser ״Cultus-Gemeinde definitiv durchzuführen.- ״Indem das gefertigte Lomitv Sie davon in Keontniß setzt, ״daß diese erfte Deesa«n-»l«ag der hiesigen israel. fful- ״tuS-Gemetnre unmiUelbar nach Eemittluna de- Wah.scrutiniums zu- ,sammenttete» wir». und Sie zur Theilnähme an tun Wahlakte ht.mit ״anfzufordhrn fich beehrt, hält das Lomtts e» kaum sür vöihig auf