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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-06-21 · 25 (21.6.1861) · p. Seite 195

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
25 (21.6.1861)
Date
1861-06-21
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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ו —» 195 uob wachsten Regierung stand; und auch in unsere« Vaterlande lebu er'vor 1848 unaa-efochtea. nicht besser' und nicht'schlimmer als die übrige» Unterthanen der Landesherren. Kaum aber erklärte da» besetz von 48 die BolkSmaffe — ohne die Juden — ftrt von der feudalen Herrschaft de» Assel», so lernte der Jude gleich seine neue Herrschaft kennen. Al» hierauf die Zwangsherrschaft über alle Bewohner des Lande» in gleichem Maße fich' erstreckt hatte, so hatte er wieder — obwohl gedem-thigt und zurückgesetzt — wenigsten» Pöbeliusulten nicht zu befürchten. Kau« aber ttat da» 48ger Gesetz wieder tu Kraft, so begann hiermit zugleich auch die Iudenhetze. Aber zur Ehre diese» wirklich großherzigen Volke» sei e» gesagt; und zwar, ohne Winkelzüge gesagt, da» Volk ist besser als feint falsche» Eivilisatoren e» ausschreien; denn zu zählen find ja die Su-schreiluuge» die vorgekommen; und gewiß hätten auch diese nicht stattgefunden, wenn Hetzer hiezu nicht den Impuls gegeben- Und so kommen wir zu der falschen Behauptung dieser falschen Propheten, die besagt: ״da» Dolk wäre gegen die Gleichstelluug der Juden; es stehe alle» zu befürchten." Ich aber, der ich diese» Bolk kenne, indem ich als Kaufmann in stetem Verkehr mit ihm stehe, ich, und mit mir Tausende rufen euch zu: es ist das nicht wahr! Der Ungar ist, so lange er nicht durch falsche Aufklärer und fanatische Volksverführer — — — irre geführt wird, vom Herzen gut und duldsam; wenn nun gar da- Gesetz und die wahre Aufklärung seiner natürlichen Güte und Duldsamkeit zu Hilfe kommen. so möchte ich den Ungar sehen, der gege» da» Landesgesetz wie gegen Gottes- und das Naturgesetz Ausschreitungen fich erlauben wollte. Ich fstrchte diese» Volk nicht! Ihr verleumdet diese» gute Bolk bei der ganzen großen, civllifirten Welt, wenn ihr behauptet, daß es das Volk sei, dafick gegen Gleichstellung der Juden sträube. Ihr seid es! Ihr? die falschen Propheten; ihr die falschen Aufklärer eures armen, von allen Seiten gemi-brauckten Volke-! ,Man kommt in Gegenden — sagt einer dieser Pamphletiften im ״P. H" — da fieht man Gestalten, daß man glaube» könnte, man sei plötzlich in- Davidische Reich gekommen." Hat je ein Gläukiger rom heiligen Psalmeusanger von dem auch der Stifter-der christlichen Religion seinen Ursprng datirt, oder hat je ein Anhänger der pofitiven Religionen vom heiligen Lande, daallen Gläubigen heilig und hehr ist, und heilig und behr sein Muß, mit solchem Hohn gesprochen? Und die Polen? die edlen Polen! nicht so? haben diese bei der großen Verbrüderung, diese Menschen au» dem Davivischen Reiche auch so verhöhnt? oder auch: befriedigt der Anblick de- Wallachen im Großwardeiner und im Araber, oder der de» Kessel- und PfaanenflickerS, au» dem Arvaer Comitat besser euer ästhetische- Gefühl als der Anblick dieser bloS verwahrlosten, irre geführten Hasstdäer? O dir ihr euch berufen fühlet, durch dieperiodische Presse auf die Ereignisse einzuwirken. und Menschen aufzuklären und zu erziehen, für Gott und Staat zu erziehen, misbraucht das Werkzeug nicht, da» Gott euck in die Hand gegeben, treibet nicht falsche- Spiel mit Gott und Staat und mit euren fchwachgristigen. leichtgläubige« Meuscheybrüderu! Führet fie lieber gar nicht, als daß ibr sie irre führen sollet! — »Schließlich sagt ibr: Die orthoboreo Anhänger des Juden« \ lhums sind schon gar nicht darnach angethan, emancipirt zu werden." Ich aber wiederhole nur, waS ich euch im Eingänge schon sagte: Weder der echtgläubige noch der skeptische Jude oder Ehrist find zu fürchten; zu fürchten siud blos, die, wie dir falschen Propheten keiner der beiden Richtungen ganz ««gehören; aber für die ist vaS Staat-ge setz da, um die Ausschreitungen zu bestrafen; wie schon vor zwei Tausend Jahren ein Rabbi lehrte: ״Wer da» Joch der Religion abwirft, auf den muß man geben da» Joch de- StaatengesetzrS. *) M»s jetzt dringlich Wh thut! Dir hochgeheadea Wogen der Zeitgeschichte mache« fich überall fühlbar, in de« .stolzen Häusern der Abgeordneten de» Volke-, wie io veu bescheidenen Stuben, wo die Geschwornen der Dorfbewohnerschaft *) Pttke «bot». 4, Stehe «ich Homilie« L»er dt« Sprüche »er Bäte» »o» Dr. Meisel. «eite 307. ihre Zusatymrnkünfte halten. Ruck die jüdische« Gemeindekörper habe« fich de» mächtigen AnWe» von Austen nicht erwehre» können. MTf» ist /dgtMacks Aieder Belegung und' lebendige Rührigkeit <01 dKSteAt einer ssagölmtben!HAWkktt getteten. Freilichkst *tk<9ir£MM de» Gute» in Üeftr'Beziehung zii viel geschehe». Solch» BrwtgMG und Rührigkeit hat hie und da feit Kurzem Platz gegriffen , als o» ein gewalttger Wirbelwind umhergefahren wäre, um alle» mü fich i» »Ü»er Hast fortzureiße« was da Festigkeit und Best»»« gewometztt i« Laufe der Zeiten. In der That wurzelt nicht» so tief, woran nicht die Axt der Zerstörung wenigste«» »erfuchSwesse angelegt würde. Die erst bei beweglichen Dingen, al» da find, Lehrer und RSbbtttrn mit Requisite« und Zugehör, wie wird nnter diesen so weidlich aufgrräumt, unbekümmert darum, ob auch mitmtter manche- Kor« mit der Spreu verfliegt. ״Fort mit Schaden" ist die allgemeine "Parole. — Ja wahrlich mit ״Schaden", und zwar mit eine« so empfind« lichen. daß er vielleicht noch nach Jahren und Generationen verspürt werten könnte, wenn dem Unwesen nicht bei Zeiten Einhalt geschieht. Wir haben die-mal unwillkührlich in einem launigen Tone begönne», denn jede Sache hat ihre komische Seite — e» fiele un» aber schwer, bei dem überwiegenden Ernst, der dieser Aagrlegenhrit innewohnt, in diesem Tone fortzufahre». Zustände dieser Art verlangen eine ge» messene, würdige Besprechung! Fast in allen Gemeinden Ungarntritt mehr oder weniger da» Verlangen nach gründliche« Umänderungen im Gebiete der Verttetung, hie und da sogar in cultueller Beziehung zu Tage. Da» ist an und für sich ein nicht freudig genug zu begrüßende- Symptom. Da» beweist. daß manche Mißstände und Mängel erkannt worden, die zu beseitigen wir anbestreben. Wir erblicken darin gerne jenen Drmrg nach Fortschritt, Bewältigung von Hemmnissen und Schranken, die denselben hindern und lähmen, kurz jene berechtigten Kundgebungen der Verjüngung und Neubelebung, die alle Theile und Glieder vti LuudeS gkichmäßig beseelen sollen. In all diesem gibt sich die Richtung der Zeit so gut zu erkenneu. wie in den großen Ereignissen, die maßgebend auf den Gang dspGefchichte »erden. Die. wenn auck nur mikroskopisch wahruehmbare Regelmäßigkeit im Zellgewebe und in der Bildung der Krtzstalle zeugt doch nicht minder als der imposante Sonnenball von der Macht und Weisheit de» Schöpfers! — ES ist demnach recht u«d billig, wenn man in den Gemeinden bestrebt war, i» so weit der Zeit Rechnung zu tragen, um die Verttetung in freifiniger Weise zu regeln, alle den Fortschrttt hemmenden Skrmente auszuscheiden und neue fördernde dafür rinzusetzen. Ebenso muß e» lobend anerkannt werden, daß man von der Verttetung Niemand sorgen Manael» an Besitz an-schließen mochte. sobald er dem Charakter und den Fähigkeiten nach fich dafür würdig und bentfen zeigt. Auch bezüglich der Schule ist eine gewissenhafte Sichtung der Lehrkräfte, so weit dies die neueingettetenen Verhältnisse erfordern u»d rechtfertigen, nicht zu tadeln. Da die Wirksamkeit der früher bestandeaen Schulbehörde fakttsch aufgrhvrt, so kann ezunächst nur vor Gemeinde anheimgestellt sein, ihre Verfügungen und Anordnungen zu treffen. Allein nicht Alle» waS gestattet ist, kann auch gereckt und klug genannt werden. E» gibt gar viele Fälle, wo Rücksicht und Billigkeit — uad andere, wo da» eigene Interesse gebietet, von seiner Macht- Vollkommenheit keine«, oder nur den schonendsten Gebrauch zu machen. ,Solche Bedenke» scheinen an manchen Orten wenig Beachtung zefunden zu haben und leider noch jetzt nicht zur Geltung zu gelangen. Sonst käme« die Ausscheidungen der Lehrer er» m»«e nicht so häufig vor, wie fie selbst in den lockeren Zeiten vor 1848 nicht gang und gäbe waren. Ei» ähnlicher Geist der Unfriedsamkeit tritt auch zwischen Gemeinde und Rabbiner zu Tage, der sogar hie und da z» unverskhn-!Wen Trrnnunge» der Parteien hinsichtlich de- Gemeindeverbandes M»iaß gibt. — Prozesse find an der Tagesordnung. — Die gegenfettige Erbitterung ist so schvnvng-lo-, um fie an den höchste» Stellen auhängig zu machen, ohne Rücksicht für sich und für die Gefammtheit. Und da» geschieht in einem Augenblick«, wo unsere Geister «ad Feinde auf jeveu Febler gierig wachen, den wtt un» zu Schulde« komme» lasse»! I»'einem Momeut.'wo Äle» darauf aakLme, einig z» sei« und sich brüderlich die Hand der Versöhnung zu reichen, bi» die Zeit siekömme», wo eine" Regelung und Ordnung im Großen und Ganzen

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