Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 24 (14.6.1861)
- Date
- 1861-06-14
- Page
- Seite 190 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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—.׳ 190 um diese Zeit ttr erste Gebrauch von rer herrschenden Verwirrung zu einem Tumulte gegen die Juden gemacht wurde. Daß daS Brün׳ ner Bürgerthum damals den Juden nicht sehr freundlich war, ja daß es schon gestrebt habe» muß, sich der Jude» gänzlich zu entlrdigen. erfiebt man auS dem. 12 Jahre später unter demselben Könige, wirklich erlassenen Ausweisungsrecrete gegen die Juden in Brünn, welches durch ras Borgeben *) der Bürger, daß sie durch die Juden gänzlich verarmt seien und bei der Belassung derselben in Brünn 7em gänzlichen Verfalle entgegen gehen müssen. vom schwachen und unerfahrenen Könige erwirkt wurde. Was man später unter scheinbarer Gesetzlichkeit tbal, bat man früher ungesetzlich, auf eigener Faust, ausführen wollen und bei einer solchen Gelegenheit dürfte unser Rabbi Morkel ras Leben verloren haben. Gorresgondenz. Brief« aus -er Narauya lv. G. Dem Namen des unsterblichen ״größten Ungars zu Edren. nicht minder aber im Interesse gemeinsamer Wohlfahrt ist im Hauptorte dieses Comitates die Organi'arion eines Vereines im Zuge, welcher unter dem Namen ״S z ö ch e n ׳.׳ i-V e r e i n die herrliche Tendenz baden soll, den Hauptzweigen menschlicher Tbäligkeil. als da sind: Kunst Industrie, Handel und Gewerbe Agrikultur re., einen materiellen und geistigen Aufschwung -zu verschaffen — Ist schon der klangvolle Name, cen dieser Verein an die Spitze seiner diesbezüglich rm Umlauf gcseyten iveenvyllen Broschüre gestellt, hinreichend, unter seine Aegice eine genügende Zahl von Theilnehmern zu schaaren; so wird ries um so eher und gewissir der Fall sein, da in den die Leitung in Hancen habenden einflußreichen und anerkannten Männern, natürlich ohne confessionellrn Unterschied, welche bereits die im Geiste rer Zeit und des Fortschritts auszuarbeilenden Statuten rn Angriff genommen, wie in"den durch Betbeiligung zu erreichender? persönlichen Vortbeilen eine sickere Garantie günstigen Erfolges berubt. Der diesem in den weitesten Kreisen nachabmungswürrigen Unternehmen zu Grunde liegende Hauptgedanke besieht in rer Nuybarmackung des Prinzips ״Wissenschaft ist Macht" auf den praktischen Gebieten des geschäftlichen Lebens. ״Ter Verein soll, nach dem Wortlaute rer Broschüre, das Organ werden, durch welches die Wissenschaft ibre gewerbbesörrernden Schätze rem großen Kreise, hauptsächlich solcher Fabrikanten uar Handwerker' erschließt, denen Realschulen. pvlvtecknische Institute und Zeitungen nicht osten stanken, und technologische Haneunc Wörterbücher nicht zugänglich, oder für ihre einfache'Sckuldüöung nicht verständlich genug sind. Jedes Mitglier ist berechtigt, Anfragen, die sein Fach betreffen, zu richten oder etwaige Zweifel auszusprechen. Der Verein wirr bemüh, sein, die Fragen zu beantworten, die Zweifel nach ren besten wissenschaftlichen Quellen zu lössen. Ferner wird jedem Gewerbetreibenden das Recht;uneben, seine Erzeugnisse, sobald dieselben sich vor andern,vortbeiloafauszeichneo, in den Vereins - Lokalitäten zur Schau zu stellen, wodurch eine permanente Kunst-, Industrie- und Gewerbe-AuSsteUung erzielt werden soll. Die Reaiistrung dieses löblichen Proiectes stößt auf weil wenigrr ^chwierigkerten a!s ein für u»s Israeliten noch viel gewichtigeree. Wir meinen nämlich ren Vorschlag zur Aufführung eines neuen Tempels. Mil rem täglichen, verbältnißmäßig sehr starken Anwachse rer Fünfkirchner jüdischen Population stellt sich die Notbwenrigkcit res Baues immer fühlbarer und dringender heraus; indem rer Besuch des alten Gotteshauses einerseits und hauptsächlich wegen ressen nunmehriger ruinenartigen Beschaffenheit lebensgefährlich ge. worden, unc andererseits selbst durch eine radikal? Renoorrung dieser überlebten Ruine wegen beschränkter Räumlichkeit rem Uebel nur halbwegs gesteuert wäre. In einer letztlich hier stattgehabten General- Gemeindrsitzung, welche rer Vorstand zur Einigung rer den Bau betreffenden eivergirencen Ideen anorvnete, entspann sich bald auch :cker häufigen oder spärlichen Tempelbesuch eine Diskussion, welche vir sattsam gemachte, bevauernswerthe Erfahrung bekundete, wie sehr ג) Daß die« wirklich ein bloßes Borgeben gewesen, werden wir später bei einer andern Gelegenbeit beweise». Torresp. der Kampf zwischen den Ansprüchen des Lebens unc denen der Religiou zum Nachtheile der letzter» ausschlägt. — Und in der Thal erheischt es einen tüchtigen Vorrath von alrjürischer Glaubensstärke, es bedarf eines bedeutenden Fondes von Religiosität in einem Orte, wo wie in Fünfkirchen durch den gerade auf Samstag festgesetzte», unverrückbaren Wochrnmärkt aller Nabrungserwerb auf diesen einzigen Tag in der Woche concrntrirt ist, die Interessen des materiellen Lebens denen res geistigen, religiösen zum Opfer zum bringen. Doch wird sich hoffentlich rer Vorstand von dieser, so Gott will, vorübergehenden Erscheinung in Anstrebung seines Zieles nicht beirren lasse» und je eher mit Ernst und Tbatkraft an den Bau gehen. Was kleinere, unbemitteltere Gemeinde vermochten, das wird auch der Fünfkirchner Gemeinde gelingen. Vielleicht zieht mit rer Herstellung eines neuen Gotteshauses auch ein neuer Gottesdienst in die Herzen ein. War roch schon vor Jahrtausenbrn der Tempel der Centralisations- Punkt Israels; möge er auch hier bald seine Räume öffnen um die Gotiksgemeinre in sich aufzunehmen. - Schließlich erübrigt cs nur noch. eines WohlthäiigkeitSaktes Erwähnung zu thun. der een israel. Schwimmschulbefitzer Herrn A. Engel von Jahr zu Jahr voitbeilhaft auszeicknet- Kann es schon als ein nicht unbedeutendes Verdienst um die Bevölkerung bezeichnet werden, in Fünfkirchen, wo es wegen Mangel eines Flußes nur auf künstliche Weise unc mit großem Kosten und Mühenaufwände möglich ist eine Badeanstalt, die in Hinsicht zweckentsprechender -Vorrichtungen und eines klaren durchsichtigen Wasserspiegels den größten Etabliffemens dieser Art sich anreiben darf, zu errichten; so erhält dieses Verdienst dadurch die Krone. daß Herr E. in un» eigennützigster Weise die sämmtlichen Lehrer rer Stadt und arme Schüler aller Unterrichtsanstalten mit Freikarten für dir ganze Saison versieht. Sagen wir dem edlen Spender im Namen aller Beschenkten Tank, unc wünschtn wir ihm heilere Tage und allgcmciiicn Zuspruch. Aus Mähren. Ein Rescript der hohen k. k. Statthalterei au die Rabbinen im Wege res mähr. LankeS-Rabbinars, berechtigt durch riese Adressirung zu rer Hoffnung, daß die Leitung und Beaufsichtigung rer Volksschulen roch endlich den Rabbinen werken anvertraut werden, daß die faktische Direction endlich . eine legale werden wird. Der Schluß res Rescriptes verwandelt diese Hoffnung in eine Illusion. Die Zuschrift lautet: ״Zufolge Jntimation rer hohen k. k. mähr. Statthalterei, rdo 2it. März >861, Nr. 7709, bat das Hobe k. k. Ministerium mittelst Erlaß vom 25. Februar a. c.. Nr. 1703, auzuordnen befunden, daß es gestattet sei, tüchtigen Lehrindiviruen an Trivialschulen auf ihr Ansuchen nach absolvirter Prüfung der zweiten Unterrralschulc oder des UntergymnasiumS die Zulassung zur Ablegung rer Lebrbefähigungsprüfung für Hauptschulen zu gewähren. Bei wirklichen erprobten Triviallehrern kann sogar von der Beibringung eines Zeugnisses über die zweiklasfige Unterrealschule Umgang genommen werden, wie der Lehramtsbewerber die Keamniß derselben bei der Lebrbefähigungsprüfung an den Tag legt. Die Bewilligung biezu ist im Wege der Diözesan-Schulbehörde bei der betreffenden Landes st elle anzu suchen, welche sodann das Weitere anordnen wirr. Bayer«. K. (Schluß. *') In Bamberg, einer großen und intelligenten Gemeinde, hat sich der eüjährige Rabbiner Rosenfeld, der Nestor unserer modernen Rabbiner, von einer schweren Krankdeit wieder erholt. und obschon erblindet, ist derselbe immer noch für zeitgemäße Eultusreformen innerhalb gesetzlicher Grenzen. wobei ihm sein großes rmicS und ein eisernes, ungeschwächtes Gerächtniß Vorschub leisten, begeistert. Bei den vielfachen Auswanderungen und den dadurch entstehenden Eonflieten über Ehescheidungen, Chaliza rebat derselbe seit vielen Jahren die Einrichtung getroffen, nur Kiduschin al tnai zu geben, wodurch vielen Weiterungen vorgebeugt wirr. Sllea Einwendungen dagegen weiß der ehrwürdig« Greis siegreich zu begegnen. Ein neulichst in seiner Gemeinde vorgekommener Fall hat das Zweckmäßige dieser nachahmenswerthen Einrichtung aufs glänzendste dargethan. — In Bayersdorf, einer alten, großen Gemeinde, hat jüngst eine «1 Giehr Nr. 23.