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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-06-14 · 24 (14.6.1861) · p. Seite 189

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
24 (14.6.1861)
Date
1861-06-14
Page
Seite 189 (sequence 5)
Language
German
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—« 189 über 30.000 Häuser unv 150.000 Einwohner, worunter 15.000 ISrarliten. Sie liegt in einer außerordentlich fruchtbaren Ebene und ist nach allen Richtungen mehrere Swndrn weit mit Gärten, in denen die köstlichsten Blumen gezogen werden, umgeben; daher sie von den Bewohnern für den Ort des Paradiesegebalten wird. Damaskus ist auch der Sammelplatz der zuweilen 50.000 Köpfe zählenden» alljähr» lich nach Mekka wallfahrenden Karavane, welche der Pascha mit militärischer Bedeckung hinunk zurückb,gleiten muß, und davon den Ehrentitel ,Emir Hadschi" führt. Um diese Zeit ist der von jeher wichtige Handel der Stadt am lebhaftesten, und sie gleicht kann einem ungeheuern Jahrmärkte, da die meisten Pilger mit ihrer Reise Handels» Unternehmungen verbinden. Bon dieser Stadt tragen die kunstvollen, in der h. Schrift (Amos 3. 12) erwähnten Gewebe (Damast) und die berühmten, zwar im ganzen Orient verfertigten aber zumeist von dort bezogenen. (Damastener) Stahlklingen ihre Namen. — Ohne Zweifel, sagt Zeller, hätte Damaskus auch in der Geschichte eine mächtigere Rolle gespielt, wenn Nichtsein Gebiet so klein und überhaupt Syrien immer in mehrere Reiche gespalten gewesen wäre. So aber sehen wir es nur in einem beständigen, bald siegenden, bald unterliegenden Kampf, mit Israel. David rroberte dir Stadt nebst eem übrigen Syrien (2. Sam. 3, 5. 6; 1. Ehron. 19, 5) nach blutiger Schlacht. Salomo verlor sie wieder, indenl Reson, vor» her Feldherr des Königs von Aram-Zvba sich zum Herrn derselben aufwarf. Ihm folgte Hesion (I. Kö. 15, 18) diesem sein Sohn Tabrimon, der mit Abiam im Bund stand (I. Kö. 23, 19) und ihn Benhadad l., rer von Assa mit Geld gewonnen seinen früher» Bundesgenossen Baesa von Israel angriff und Norvgaliläa verheerte (B. 20), wie er auch in der von Amri erbauetrn Hauptstadt Samarta (16, 24) eine eigene Gaffe hatte (1. Kö. 19, 34). Noch höher erhob sich sein Sohn Benhadad II., der 32 Könige mit sich hatte (l. Kö. 20, l), und ohne Zweifel die Paläste gründete, welche von AmoS (1. 4) hundert, von Jeremias (49, 27) fast 300 Jahre nach ihm noch als Paläste BenhadarS genannt werden. Sein Uebermuth, rer von Achab allrs verlangte (1. Kö. 20, 6), ward durch zwei schwere Niederlagen, wo ih:: nur Achabs unzeitige Güte (34. 42) rettete, sowie durch die Wunverthaten Elisas an Naeman (2. Kö. 5) und seine eigenen Kriegsschaarcn (2. Kö. 7 unv 8) nur vorübergehend gebeugt. Auch sein Mörder und Nachfolger Hasai-l behauptete Ramolh in Gelead gegen die verbündeten Könige Juda und Israel (2. Kö. 8, 28). schlug Iehu (10, 32), eroberte das philistäische Gath, erpreßte von Jerusalem einen Tribut (2. Kö. 12, 17) und hielt Iehus Sohn, Jo» ahaS, in gänzlicher Entkräftung (2. Kö. 13, 3, 22), wobei namentlich vir Bewohner Gilads durch Dreschwagrn zerrissen wurden (Am. 1, 3). Die dafür gedrohte Strafe folgte zum Theil unter Benhadad IH. rer, von Joas 3mal geschlagen, cie Eroberungen wieder hergeben mußte (2 Kö. 13, 2b/, noch mehr durch Zeroboam II. (825 v. d. j. Ztr.), der sogar Damaskus besetzte (2. Kö. 14, 28). 70 Jahre später war Rezin von Damaskus mit Pekah von JSra l gegen Ahas verbunden (2. Kö. 15, 37; Ies. 7. 1) und nahm diesem Elath (2. Kö. 16, 5), ward aber von dem zu Hilfe gerufenen Tiglat-Pilesar von Assirien getödtet, Damaskus eingenommeo und die Einwohnerschaft an den assirischen Fluß Kir-KyroS. den Ort ihres Ursprunges (AmoS 9, 7) versetzt, wie es Amos (4, 5) 60 Jahre vorher verkündigt hatte (2. Kö. 16, 9; Ies. 8, 4). Hinfort erscheinen die Syrier als HülfStruppen der Assyrier <Jes. 9, i!) und Damaskus ward nach einander der chaldäischen, (2. Kö. 24. 2; Zer. 35, 11) persischen und macedonischen (1. Makk. 11, 62; 12, 32) und durch PompejuS seit 54 v. Ehr. der römischen Weltmouarchie unterworfen, ohne je wieder ein ei» genes Reich zu bilden. Traurige Berühmtheit hat Damaskus in der neueren jüdische Geschichte erlangt durch die blutigen Borgänge des JahrrS 1840, welche unseren Lesern zu wohl bekannt find, als daß es hier der Wiedererzählung bedürfte. — e. JU^n, Radb. Weber »ukgetimdene D. Grabsteine in Hrünn. Etö Beitrag ,. «Sesch. der Jude« i« Rährr», »on M. Die Inschriften auf den vor einiger Zeit hier aufgesundenen zwei jüdischen Grabsteinen, wovon in Nr. 8 der ״Allg. Jll. Idztg." l. Jahrg. Meldung geschah, lauten folgendermaßen: A. ״Diesen Stein habe ich zum Denkmal gesetzt de« Herrn Joseph Sohn Most», welcher am ersten Tage der Woche, a» 5. de- Monat- EaSlev, im Jahre 133 verschieden ist. Möge seine Seele in de« Verband deS ewigen Lebenausgenommen sein! Anaen •elah!" B. ״Simon (סיםן) Iehudah, Sohn deS Rsuben, ist in den ewigen Frieden^iugegangen am 11. de- Monate- Tamus, am ersten Tage der Woche, im Jahre 133 desechsten Jahrtausends (בא׳ הש׳, welches wir. als Abbreviatur von באלף השש׳ auffassen) Möge seine Seele re. Amen solsll!" Haben wir von diesen beiden Denkmälern bloS ihr hohe- Alter. 487 Jahre, zu vermerken, und etwa noch, daß auf dem zweiten der biblische Name firwD schon in den occtdrntalischen fv'v verwandelt ist; so schließen wir nun ein drittes, weit merkwürdigeres an. Dasselbe wurde zwar schon vor mehr als einem Jahre bei Renovirung einer Schlachtbank allhier aufgefunden; allein der jür. Todtengräber allhier, nur die Heiligkeit deS Denkmals, nicht aber auch den historischen Wenh desselben erkennend unv beachtend, brgnügte sich damit, dasselbe auf den jüd.-GotteSackcr zu schaffen unv so vor der Zertrümmerung zu bewahren. Dort blieb eS auch unbrachtet liegen, bis dir Bekanntwerdung deneuen Fundes den Mann anregte, unsere Aufmerksamkeit auch darauf zu lenken. Wir finden dieses nun fast um 70 Jahre jünger als die früher genannten. (Selbst die äußere Form zeigt eine auffallende Verschiedenheit; wäb read nämlich die erstern kaum zwei Schuh Länge und einen Schuh Breite in der Form eines einfachen, länglichen Vierecks haben und die Zeit bekunden, in welcher die Kunst in unserm Lance überhaupt und auf jüdischen Grab-Monumenten insbesondere, noch wenig Pflege und Anwendung fand, bemerken wir an dem dritten, einem schon drei Schuh hohen, zwei Schuh breiten und oben pyramidal zugrspitzten Denkmale, schon die spätere, fortgeschrittene Zeit.) Dem Inhalte nach ist Letzteres aber viel bedeutsamer. Die Inschrift deffel den lautet: ״Ach und Wehe! wegen meiner Hingeschiedenen Mutter, der Frau Drborah, Tochter deS umg e brachten, gelehrten Rabbi Morkel (בג׳הר׳ מורקל eine Eorruption aus Markus; Diminut. . Marke!; corrump.: Morkel; geschrieben: סורקל) am ersten Tage der Woche, im Jahre 201, am 11. de- MonatS Schrbat; ebenso wegen meiner Gattin, Frau ״Liebe", Tochter deS gesetzkundigrn Herrn Simchah. Ihr Angedenken sei zum Segen! Sie starb im Jahre 203.״ Dieses Denkmal stammt demnach aus dem Jahre 144.: der übl. Zeitrechnung und hat ein Alter von 418 Jahren. Daß es bin Dopprldenkmal ist, kann nicht sehr befremden; da bekanntlich noch heute solche Doppeldenkmäler, besonders bei den Gräbern von Ehegatten, als Zeichen der bis in den Tot ausdauernden Treue, ge setzt werden. Höchst befremdend jedoch ist das dem Namen des ManneS beigefügte Adject.: ״der umgebrachte" ״הנהי־ג. Was wollte man wohl damit gesagt haben? Etwa einfach, daß der erwähnte Mann ermordet worden sei? Dann würde dasselbe wohl an seinem eigenen Grabsteine, uicht aber an dem seiner Tochter paffend angr» bracht sein. Noch weniger Berechtigung hätte die Annahme, daß der Mann wegen eines Verbrechens hingrrichtet worden sei; denn wenn auch der hebr. Ausdruck diese Erklärung zuließe, so ist eS ja einer» seits einleuchtend, daß die Familie ihre Schande doch nicht durch den Stein noch verewigt hätte, und anderseits, daß man wohl schwer lich einem wegen Verbrechen- Hingerichtetrn das ehrende Epitheton ״der gelehrte Rabbi" beigefügt hätte. Es ist demnach klar, daß das fragliche Beiwort ein die ganze Familie ehrendes sein müsse, und daß demnach rer Mann, als Jude, wegen seines Judrnthumö, vielleicht bei einem um diese Zeit stattgehabten VolkSausbruche gegen die Juden in Brünn umgekommen sei. Diese Annahme gewinnt erst vir volle Wahrscheinlichkeit, wenn man die damaligen Zeitereignisse ins Auge faßt. ES ist die Zeit nach der Geburt deS Königs Ladislaus PosthumuS, die Zeit der höchsten Wirren im ganzen Reiche. Sind in solch' einer Herren- und orbnungFlosen Zeit nicht vor Allem die Juden das Ziel der erregten Leidenschäften? (Man könnte ja selbst in unserer eivilifirtni Zeit noch Beispiele genug dafür finden.) Leicht möglich also, daß auch in Brünn

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