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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-06-07 · 23 (7.6.1861) · p. Seite 183

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
23 (7.6.1861)
Date
1861-06-07
Page
Seite 183 (sequence 7)
Language
German
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—־־ * * 183 וו" ־ airSf-hrlichere Mttthellung eines solchen Beispiele» der Versöhnlichkeit, welche» zugleich eine» Bettrag zur Sittengeschichte bilden dürste. — 3» der hiesigen Gemeinde, H—-j. war der alte Rabbiner, ein gelehrter gotteSfürchtiger Mann, der da» Rabbinat eine lange Reihe von Jahren versehen hatte, mtt Tode abgegangen und hatte nebst einer trauernden Wittwe noch fünf unversorgte Kinder in drückender Armuth und tiefem Elende zurückgelaffen. - Ausdauernde Unterstützung durch die Gemeinde konnte die verwaiste Familie nicht rechnen, da sich der Wunsch und da» Bedürfniß unzweideutig herausgestellt hatte, den RabbioatSposten wieder zu besetzen, und die, meistentheil» au» wenigbemittelten Familien bestehende Gemeinde kaum in der Lage ist, die nothwendigste« Funktionäre mehr als kümmerlich und dürftig zu erhalten, geschweige noch au die Hinterbliebenen Pensionen zu zahlen. Fiel nun die Wahl auf eine« Fremden, so ging die gedachte Familie ganz leer au». Die Mehrheit der Gemeinde verstand sich demnach dazu den Sohn de- Verstorbenen, einen Schüler de» Preßburger Rabbiner», und von diesem mit einer Hatarah versehen, anzustellen, der denn auch i« Sommer vorigen Jahre» den Posten antrat. — Diese von der Majorität getroffene Wahl wurde jedoch von einer Parthei, unter Führung eine» sonst sehr achtbaren Manne», des Herrn E— D— höchlich angefeindet. ES wurde insbesondere da» jugendliche Alter de» Gewählten — er zählte nicht mehr al- 22 Jahre — nebst dem Mangel auderwrüiger außertalmudischer Kenntnisse geltend gemacht, und ihm bedeutet, daß er vorerst noch in die Fremde gehe, um sich die ihm fehlenden Kenntnisse und die einem Rabbinen der Jetztzeit erforderliche Oualification für seinen Beruf anzueignen. — Dem jungen Rabbinen, Herrn E. G., war r» mehr als Ehren, sache, sondern Gebot kindlicher Pflicht, sich in dem erworbenen Amte zu erhalten, da» ihm Gelegenheit bot, einen wöchentlichen Salär von 6, sage sechs Gulden ö. W. kindlich und brüderlich mtt Mutter und Geschwistern zu theilen. Die Feinde jedoch beachteten die» nicht. Sie ließen es nicht an Jnvertiven und Ehrenbeleidigungen fehlen, um dem Herrn E. G. da» Leben zu verbittern und seine Stellung derart zn verleiden, daß er sich zur freiwilligen Berzichtlristuvg auf das Rabbin-t endlich entschließe. Namentlich in den letzten Wochen nahmen die Gegner eine so drohende Haltung an, daß die Lage des armen RabbinerS eine wahrhaft bedenkliche geworden und an eine Ausfüllung der Kluft zwsschen Freund und Feind nicht gedacht werden konnte. — Da ließ sich in unerwarteter Weise der FriedenSengel auf unsere Gemeinde hernieder. Am 19. d. Mbegab sich der Führer der Gegaoparthei. zugleich Vorsteher, Herr E. D. zum Rabbiner mtt de« er eine längere Unterredung pflog. Am selben Tage noch berttf er sämmtliche Gemeiudeglieder aufs Gemeindehaus und gab dort dir Erklärung, daß er — zufolge einer ihm gewordenen nächtlichen Erscheinung (!) — von jeder ferneren Feindseligkeit gegen den Rabbiner ablaffe und demselben reumitthig über dabisherig« Verfahren die Hände zur Versöhnug reichen wolle. Hierauf wendeten sich in der Thal sowohl Herr E. Dals sein Vater an den Rabbiner, reichten ihm die Hände, baten um Verzeihung für die zugefügten Beleidigungen und fügten die tröstlichsten Versicherungen in Betreff des künftigen Verhalten» bei. — Diese offene und revmüthige Erklärung, so wie die an den Tag gelegte Demuth verfehlte nicht de« tiefsten Eindruck auf die Anwesenden zu machen, unter denen Viele derart ergriffen und erschüttert wurden, daß ihre Augen sich eine» Thränenstrome» entluden. — Möge der Friede hier ein fester und dauernder sein und in allen Gemeinden die Versöhnlichkeit und die Einttacht walten. 8. 6. Göncz (Abaüjvär), 26. Mat. Wie schmerzlich auch die aufgetauchte Idee der klassenweije« Emaucipation unS berührt hat, eben so wohlthuend war auch die Wahrnehmung, daß Diejenigen, denen also die ״Emancipation-.Würdigkeit" vor ihren übrigen Glaubensbrüdern zuerkannt würde, mit diese« lieber ihr Los» zu theilen wünschm al» über sie erhoben zu werden, und daß sich allenthalben die Boreitwilligkrit kund gibt, einstweilm auf die Emaucipation lieber noch zyvttjtchte», al« dieselbe unter Bedingungen eutgegenzuaehmen. welche ein größeres Brandmal auf die Stirne der Ausgeschlossenen zeichnen würden, als rS die bisherige Stellung gethau. Wir wiegen uns aber nichtsdestoweniger in Hoffnungen auf Gleichstellung und sehen getrost und beruhigt einer besseren, freuvigen Zukunft entgegen. Unerschütterlich fest glauben und vertrauen wir, daß vollständige Gleichberechtigung nicht auSbletben werde. — Hier in unserem Orte herrscht unter den verschiedenen Laufes-- sionen Einigkeit im strengsten Sinne de» Wortes. E» wird beinahe nichtveranstattet, wobei Israeliten ausgeschlossen wären. — Zwei J-raelite«, Herr Marmtlian Glück und Herr vr. Bernard Adler find mit bedeutender Sttmmenmehrheit als städt. Repräsentanz« und «uSschußmitglieder gewählt. Beide stehen überhaupt bei sämmtlicher NevVlkerung der Stadt in nicht geringem Ansehen und erfteuen sich der Achtung und Werthschätzung von Seite ihrer christlichen Amt-- genossen. — , T. H. Neusatz, im Mai. Vom äußersten Ende unseres gottgesegneten Vaterlandes ertönt selten eine Stimme in die Oeffmtlichkeit. dennoch verdient ein Factum au» unserer Gemeinde einer Erwähnung. E» ist bekannt, wie die hiesige JSraelitengemeinde vor den bedauernswürdigen Wirren der Jahre 1848—49. wobei die volkreiche Stadt Neusatz in einen Schutthaufen umgewandelt wurde, sowohl hinsichtlich veS Wohl« ftaude» als der Population und Eivilisation der Reihe der ersten Gemeinden Ungarns angeschlossen zu werden verdiente. Nach einem Dezmntum hat sich zwar die Stadt durch Schönheit und Regelmäßigkeit der Bauart wie rin Phvnir aus ihrer Asche erhoben. Auch die israel. Gemeinde erfteuet sich nun eines kräftigen Aufblühen- und orgautfirten Fortbestände»; nur. hinsichtlich des Rabbinates und des Schul- Wesens konnte sie sich bis jetzt nicht erholen^ Nun aber geben wir der angenehmen Hoffnung Raum, daß die Besetzung des hiesigen Rabbinrramtes durch Herrn I. S. Freper, gewesenen Rabbiners zn Simäud und Raab, der unter 13 Candidaten einen besondern Vorzug erhielt und mit Akklamation erwählt wurde, unsere Gemeinde zur Höhe der frühem Blüthe und des Ranges zurückführen wird. Tausendstimmige Danksagungen steigen zum Himmel empor, daß unser pium <16siderium in Erfüllung ging, und wir wünschen uns Glück zu dieser Akquisition, indem unter der Lettung und Vorsorge des in talmudischeu nnd in zeiterforderlkchen wissenschaftlichen Fächern routinirten Rabbiners Hrn. Freper unsere Erwartungen vollständig entsprochen sind. Bayer«. K. Zu den von Jhn^v in verdienter Ausführlichkeit gegebenen Verhandlungen der I. Kammer über unsere Angelegenheit hübet eine von dem Rabbiner vr. Fürst in Bayreuth gegenden Präsidenten deprotestantischen Ober - ConsistoriumS, Reichsrath v. H a r l e ß. öffentlich erlassene ״Nothgrdrungene Erklärung" ein sehr mißklingendeS Nachspiel, das in allen jüdischen Kreisen die tiefste Indignation hervorgrrnfen hat. Der ftwas vorschnelle junge Mann mußte sich von gedachtem Herrn öffentfich sagen lassen unv selbst zugestehen, daß er ihn nicht verstanden, and eine von seinem christliche« Standpunkt au» gegebene Ansicht mißverstanden und sich unnöthig ereifert habe. Blinder Eifer schadet nur. Ein in denselben Blattern erschienenes beißende- Epigramm eine- ״Juden von Haßfurt" gibt der allgemeinen Entrüstung Ausdruck und die CultuSvorstände Fürih'S und Harburg'S haben an Herrn ReichSrath v. Harleß verdient« Dankadressen erlassen. Eine mehrtägige Reise gibt mir Veranlassung zu folgenden Miltheiluagrn, welche ein Zeichen überall fortschreitender Bildung sind. Zuerst erzähle ich Ihnen von einer Landgemeinde, Reckendorf in Unterftanken, welche vielen andern Gemeinden mustergebend sein dürste. Früher sehr groß, ist sie durch Auswanderungen nach Amerika bis auf 40 Glirder herabgesunken, die aber in seltener Eintracht sowohl iu geschäftlicher wie in cultueller und geselliger Beziehung mit einander leben. Den Ausdruck derselben im Kleinen bilden zwei zu den Angesehensten des Ortes gehörenden Familien, welche auf einem und demselben Zimmer, jede mit einem Häuflein Kinder, in Muster- Hafter Eintracht und Herzlichkeit zusammen wohnen. Beim öffentlichen Gottesdienst besteht eine erst neulichst freiwillig eingeführte Ordnung, verbunden mit Chorgesang, bei höchster Stille und Ruhe, mit AuSscheidung alles unnöthigen Ballastes an Piutim re. Nach dem Gottesdienst versammelte man sich in einem Privathause, wo rin Mann etwas aus dem ם״ר vortrug, der aber durch seine Uebersetzung zeigte, daß er mit der deutschen Sprache nicht auf bestem Fuße stand. Sodann entblößten sich die Häupter und ein anderes Gemcindeglied laS

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