Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 23 (7.6.1861)
- Date
- 1861-06-07
- Page
- Seite 182 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- ״ 182 Zur AdMW-. ,Leiden, bete« und sterben^, damit hat Jemand einmal die Laufbahn dealten Israeliten bezeichnet, und in der That waren eS auch ,Hekvesch*. ״Minjau* und Friedhof, wofür bei Neubildung von jüdischen Gemeinden vor Allem Sorge getragen wurde. In Pest, wo »or kaum 70 Jahren nur zwei t o l e r i r t e Israelit. Familien wohnten-unv 1804 eine Gemeinde sich zu organifiren begann, welche 1859 erdagemiethete Betlocal verließ um auf eigenthümlichem Grunde den Gottesdienst zu verrichten, war das erste Besiythum, dessen die Gemeinde sich erfreute, da- Spital. Ein gemiethete- Haus war schon lange für Kranke eingerichtet. I« Jahre 1826 erhielt die Gemeiude (wie wir der von dem verdienten Gemeindrsekretär. Herrn I. B a r a a y, bei Gelegenheit der Schlußsteinlegung zum Tempel abgefaßten Urkunde entnehmen) mit Statt- Halterei-Erlaß ddo. 14. Novbr. die Bewilligung, Bethaus, Spital und Lehrschule erbauen zu dürfen, mit dem Bedeuten jedoch, daß Bauplan und Baumiltel vorher unterbreitet werden müssen. — Zum Spitalbaue wurden 1827 erst diese Nachweise geliefert, worauf die Genehmigung durch Statthalterei-Erlaß ddo. 6. Novbr. 1838 erfolgte. Der Bau begann 1840, ward 1841 vollendet; im September desselben Jahres geschah die Schlußsteinlegung durch Se. kais. Hoheit den verewigten Reichspalatin Erzherzog Joseph, im Beisein der ersten geistlichen und weltlichen Würdenträger Ungarn-, und im De» cember ward das HauS mit einem feierlichen Gottesdienst durch den verewigten Oberabbiner L. Schwab eiageweiht. — Da- Spital ist in der Fabrikgasse gelegen, 5 Säle und 4 Separatzimmrr sind für Kranke vollständig eingerichtet; außerdem befinden sich darin Bave,- Operations- und Bltadenzimmer, nebst einer Apotheke und Wohnungen für Seenndararzt, für Traiteur und für Hausmeister. — Ueber die Einrichtung und Pflege haben sich sowohl hochgestellte Fachmänner, als auch höchste Personen, welche die Anstalt besuchten, stets sehr lobend ausgesprochen. Im Laufe von 7 Jahren (1853 bi- Incl. 1859, aus welcher Zeit uns Ausweise vorliegrn), find daselbst 4119 Kranke behandelt worden. Im Jahre 1859 betrugen die Gesammtausgaben 11.357 fl. 43 kr. b. W-, die Einnahmen: durch zahlende Kranke 1423 fl- 82 kr. -. W-; durch Spenden, Legate und StistmigSinteressen 2363 fl. 89 kr. ö. W. Den Rest deckte die Chewra Kadtscha durch ihren statutenmäßigen Beitrag von 5926 fl. 77 kr. ö. W. mid die Gemeindekasse mit einem Zuschüsse von 1642 fl. 59 kr. ö. W. Um die Einrichtung dieser Anstalt, so wie überhaupt um das Spitalwesen in der hiesigen Gemeinde, machte sich der gegenwärtig in Wien wohnhafte Nestor aller ungar. jüdischen Aerzte, Herr Dr. Philipp Jacobowitsch, als Primararzt hochverdient. Seit dessen Ueberfiedlung nach Wien bekleidet der geachtete Herr vr. Anton Jacobowitsch riesen Posten. ob. Hest. (Wahl-Reclamation für den Lehrstand.) Dir glauben einer allgemein herrschenden Ansicht Ausdruck zu 'geben, wenn wir die Ausschließung der Lehrer an den Gemeindeschulen von der Repräsentantenwahl aleinen argen Verstoß gegen daS im Uebrigen adoptirte Prinzip der Liberalität bezeichnen. Der Lehrer ist nicht in dem Sinne Diener oder Beamter der Gemeinde, daß er als ein Abhängiger von dem Wahlakte ausgeschlossen werden könnte. Seine BerufSihätigkeit und die Garantie seiner Stellung ist nicht von der Gunst und Gnade einzelner Repräsentanten abhängig, als daß zu befürchten stände, daß er in parteiischer Weise die ihm günstigen Persönlichkeiten bei der Wahl bevorzugen werde. Auch liegt schon in der bedeutenden Anzahl der Vertreter, in der Gesammtheit von 150, genügende Bürgschaft, um von der möglichen parteiischen Einflußnähme einiger Lehrer irgend welche schädliche Folge befürchten zu müssen. Etwaanderes ist es bei den sogenannten Gemeindedomestiken »der selbst den eigentlichen Beamten, die in einer theils untergeordneten, theils unmittelbaren Beziehung zur Gemeinde stehen. Ein Verhältnis dasich mit der Ausübung des Wahlrechts in keiner. Weise verträgt. Der Lehrer ist nicht nur. Dank der fteifinnigen Anschauung der Neuzeit, kein Helote mehr, der von jedem Windhauche in seiner Stellung? | erschüttert «erden kan«, sondern beziehungsweise in seiner Existenz sicherer gestellt und folglich ein unabhängigere- Gemeiudeglied, almancher Andere der berechtigten Wähler. Oder sollte eS eine Schande sein, mit Demjenigen zusammen Nath zu pflegen, dem so viel Charakter. Würde, ManneSfinn und Kenntniß zugettaut wird, um ihm das Theuerste und Wichtigste, die Erziehung der Jugend, anzuvertrauen? — Noch greller als bezüglich der Gemeindelehrer verstößt die Wahlpraris durch die Ausschließung derjenigen Privatlehrrr, die im Besitze öffentlicher Institute sind.. Sollten diese nicht den Honoratioren beigezählt werden, oder bettachtet man dieselben ebenfalls als in ihrer Stellung abhängig? Aber dann sollte man jeden Kaufmann, inwiefern er von der Gunst seiner Kunden und Geschäftsfreunde abhängt, ebenfalls wegen Mangel an Unabhängigkeit von dem Wahlakte ausschließen. Dieß haben wir nach uaserm Ermessen au dem jetzigen Wahlfürgehen zu rügen. Mögen unsere Bedenken einer unbefangenen Prüfung unterzogen und wo möglich im liberalen Geiste, von dem da- Wahlstatut sonst durchweht ist, noch für diesmal abgeändert werden. k'-o. Löbliche Redaktion! Herr Carl Ullmann beging am 26. v. Mzum zweiten Male das Traurrfest des Sterbetageseiner edlen, vielseitig und tief betrauerten Gattin, Charlotte geb. Ullmann. Aus diesem Anlaß erschien er nun auch Heuer, wie voriges Jahr, in der Gemeinde- Mädchenschule, betheilte arme, brave, vom Gefertigten ihm bezeichnete. mütterlicherseits verwaiste Schülerinnen, aus jeder Abtheilung eine mit dem namhaften Betrage von je zehn Gulden ö. W. und gab die Zusicherung, diesen Akt der Pietät gegen das selige Andenken seiner Hingeschiedenen Gattin auch in Zukunft jedes Jahr an demselben Tage wiederholen zu wollen. Jeder wünscht gewiß mit uns, daß ihm dies biin'S späteste Alter gegönnt sein möge, und wir beten mit unsren armen Waisen für die Hingeschiedene *בשבי זה תהי נשמתה צרורה בצרור החיים! Gestatten Sie aber nun, geehrte Redaktion! nachdem ich diese schöne That zu Ihrer Kenntniß gebracht, rin Wort der Rechtfertigung wegen der Jndiscretion, die ich begangen, indem ich von dem geräufch- und anspruchslos verübten Privatakt der Pietät mit voller Nennung der Persönlichkeit Meldung that. Es geschah dies in der doppelten Ueberzeugung. daß erstlich auch Privatakte, sofern sie der Empfehlung zur Nachahmung in hohem Grade werth sind, der Orffentlichkeit nicht entzogen werden dürfen, und daß selbst die schönsten Handlungen nur in dem Maße die hinreißende Kraft de- Beispiels besitzen, in welchem die Würdigkeit ihrer Träger anerkannt ist. Und in der That ist diese Art, da- Andenken der verstorbenen Theuern zu feiern, so sehr nachahmungswürdig, daß ich sie aufkräftigste empfehlen möchte. ES ist ein נר תמיר das Seelenlicht, dawir auf diese Weise am Todestag unserer Theuern anzünden, und es kann die Heilsamkeit der Wirkung nicht ermessen werden, welche erzielt würde, wenn es in Israel zur allgemeinen Sitte würde, am Sterbetag des HauSvaters, arm er. väterlicherseits verwaister Schüler, und am traurigen Gedenktag der verstorbene« Hausmütter, armer, mütterlicherseits verwaister Schülerinnen sich zu erinnern und dieselben nach Maßgabe der Kräfte zu unterstützen. Mir wenigstenerscheints, da in dieser Sitte nicht minder tiefe Poesie, aledle Humanität sich absptegeln würde, derer, die berufen find, durch Schrift und Wort auf die Veredlung unsre- Volkes etnzuwirken, vollkommen würdig, daß sie die Einführung dieser Sitte kräftigst befürworten. Jedenfalls hoffe ich, daß einzelnen edlen Personen, deren unsere Gemeinde, und schon gar unser Volk, so »tele zählt, auch diese einfache Anregung genügen und somit viele sich an dem schönen Beispiel erwarmen werden. Dann hoffe ich aber auch, daß mir die begangene Indiskretion gerne vergeben wird. I. Großmann, dirtg. Oberlehrer. Lonesxondenz. Aus de« Lolnaee Comitate, 24. Mai. Aussöhnung feindseliger Parthrien in den Gemeinden und endliche ftrundliche Anerkrnnung eines früher angefeindrten Rabbiner-, gehört nicht zu den alltäglichen Vorfällen. — Ich erlaube mir daher gegenwärtige etwas l