Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 22 (31.5.1861)
- Date
- 1861-05-31
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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י 174 lautlos verharren, »o der Sohn und Erbe diese- Edlen den erste» herrlichen Triumph i« Hnuse der Rrpräse»ta>te« feiert? — Gestehe» wir es offen, daßes bei denchekanvlen Tendenzen — ״Prinzipien' wäre hier nicht am Platze — die der ״HirnSk" vertritt, keine gering« Snfgabe ist, sich, trotz aller unehrenhaften Mittel, die ihm z« Gebote stehen, aus der höchst fatalen Schlinge zu ziehen. Der edle Redner mußte gelobt werden and doch sollte die Sache, die er verfochten, dem strengsten Tadel verfallen. Die Schwierigkeit war wohl groß, aber noch größer ist die Erbärmlichkeit und Plumpheit, mit welchrr ihr ״Hir»6k" beizukommen vermeinte. Doch hören wir ihn selbst: ״Graf Bsla Szächeny, der älteste Sohn unseres verklärten Genius hat im Unterhause eine dem Andenken seine - BaterS würdige Stellung eingenommen, Venn ungeachtet seiner Jugendlichkeit bekundete er die Selbstständigkeit des gereiftea Mannes, und nicht nur sein gemessener, fließender, bündig motivirter Bortrag erregte allgemeine Aufmerksamkeit, sondern auch jene seltene Eigenschaft , daß weder seine Ausdrücke. noch sein Gevankengang und die Wahl seines Thema's das gangbare Hascheu nach Popularität verriethrn, sondern allein den Sieg der Wahrheit im Auge hatten." Nach solchen Sberfließenden Lobeserhebungen sollte man nichtweniger als eine Zurechtweisung von Seiten de- Reportererwarten, allein diese folgt dem Vorangehenden dicht auf die Ferse. — Unmittelbar darauf findet die rasche Flankenbewegung in folgenden Worten statt: ״Unter diesem Gefichtspunkte ist auch zu erklären^ daß er (der edle Graf) einer so undankbaren Sache wie die Judenemancipation ist, sich annehme/ Der Derichterstattet drS ״Hirnök" scheint zu vergessen, dass dies den bittersten Hohn und die gemeinste Beschimpfung enthält, die fich jemals gegen ein Volk und dessen Vertreter sagen läßt< Also eine Rede, die nach Form und Inhalt dem Andenken de- ״größten Patrioten" zur Ehre gereicht, ein Thema bei dessen Wahl nichts geringereals der Sieg der Wahrheit vor Augen liegt, das nicht etwa neu und unbekannt ist. sonder« bereit» von Deäf und Teleki befürwortet und von den ersten Männern des Landekräftigst adoptirt wurde, eine solche Sache, meint ״Hirnäk", sollte da undankbar genannt «erden können, wo fie sich zum ersten Mal einer besondern und erschöpfenden Darstellung erfteut, wie fie der edle Graf dem Hause geboten? — ״Hirnük" sagt ferner, eS lasse sich in dieser Angelegenheit von dem Gefichtspunkte der Humanität und,abstrakten Philosophie (deren Tribunal wohl schwerlich bei ihm Anerkennung findet) viel Gescheivtes Vorbringen, «nv ein so idealer Adept des Parlaments (der ״trotz seiner Jugendlichkeit die Selbstständigkeit eines gerechten Mannes bekundet") ist sicherlich seiner socialen Stellung nach über jedem Verdacht erhaben, als könnte ihn zu einem solchen Auftrete« irgend ein anderes Interesse (!!!) als Eingebung seine- Her:zenS bewogen haben. — Welch' ^ein Uebergäng? Also blos ideale Adepte stehen nicht unter einem solchen Verdachte? Die Uebrigen hingegen ließen fich nicht vom Standpunkte der Humanität, wohl aber von andern Interessen leürn? Halten fich die Herren des ״Pefii Hirnük" für berechtigt, diesen gemeinen Maßstah an Männer anzulcgen, die das Vertrauen der Natton genießen? Oder waS sonst soll diese unzeitige Apologie zu bedeuten habe»? — Aber diese verkappte Insinuation steht nicht allein da, eine ganze unverschämte Lügenschaar dient ihr zur würdigen Folie. ״Der edle Graf", fährt .Hirnök" fort, ״konnte aus dem allgemeinen .Stillschweige» herausfühlen, daß dir Emancipation-frage in unser« Vaterlande noch mit vielen andern Erfordernissen verknüpft ist, deren Erledigung nur von der Wegräumung der in der jüdischen Bevölkerung selbst gelegenen und aus ihre« Glaube» stammenden Schwierigkeiten abhäugt." Wir sagten, daß hier eine ganze Schaar von Lügen aufgetischt wurde, dem ist in der That f». — Referent spricht von eiuem allgemeinen Stillschweigen, aus dem der Herr Graf die Unzeitge-räßheil fttneS Vorschlages erkennen sollte. Alle Welt weiß aber, daß rauscheade Beifallsbezeugung die wesentlichsten Stellen des Vortrags Begleitete. — Drr stenographische Bericht bemerkt wiederholentlich die Worte Beifall und allgemeiner Beifall. Jndeß wäre es »och immerhin erklärlich, daß der Referent des ״HirnSk" es überhört habe, «eil Leute, die taub für die Stimme der Gerechtigkeit und Humanität find, gewiß auch kein Ohr für den Beifall haben, der ihr gezollt wird, und wäre dieser noch so rauschend. Wie kömmt eS aber dann, daß in dem Tagdarauf im ״Hirnük" selbst veröffe»tlichten Vorttag de- Herrn Grafen die BessallSbezeugungen genau und getteu angegeben werden, ohne daß der Fehler des Referenten riugestande« wird? Heißt das nicht der Wahrheit mit plumpen Fäusten in» Gesicht geschlagen? — Ferner, welche geselligen und welche religiösen Schwterigkeiten will der edle Menschenfteund ftührr von Seiten der Jude» behoben wissen, ehe die Emancipation praktisch wird? — Meint er die gemeinschaftliche ״Schüssel", die Kreditbank, oder meint er kurzweg, bis nicht drr jüdische Glaube aufgehört habe? — Doch eS ist vergebenmit Leuten zu rechten, die so wenig Loyalität als Takt zu Tage legen. Wir haben es wohl gleich im Eingänge dieser Zeilen bemerkt, daß unter bewaudten Umständen dem ״Hirnük" eine schwterige Aufgabe geworren. Aber die Aufgabe war lauge nicht so schwterig, als wie stümperhaft und erbärmlich die Lösung in Angriff genommen wurde! F־n. Aus der Verhandlung in der dayer sehen Kammer der Heichsrathe. (Schluß.-) Fürst v. Hohenlohe fährt in seiner Schlußerklärung fort: Ick erkläre mich gegen den Antrag des zweiten Präsidenten, weil er unnöthig, ungerecht und dem Recht widersprechend, und endlich weiler unpolitisch ist.... Ergibt viele Orte die sich wohl befinden, trotz der zahlreichen jüdischen Bevölkerung, wie z. B. AnSbach. Gunzenhausen, und außerdem auch Nürnberg, dabekanntlich früher keine Israeliten duldete, aber in neuerer Zeit selbst den Wunsch ausgesprochen hat, Juden in der Stadt zu besitzen, und sogar auf das bisher gehabte Recht, keine Juden aufnehmen zu müssen, von freien Stücken verzichtet. Es ist von hohem Interesse, 50,000 treue Unterthapen zu gewinnen; nicht eine Stimme in der Presse hat sich gegen den Anttag erhoben, selbst der ״Bolksbote" nicht. Wie die eingrkommenen Petitionen entstanden sind, darauf hat schon Prästdent v. Harleß aufmerksam gemacht, und trotz dieser Anregung find nur von 14 Gemeinden gegentheilige Anträge etngrkommrn. Aus einer solchen Kundgebung der öffentlichen Meinung kann ich keine begründete Befürchtung folgern. . .. Den Gemeinden solle die Autonomie gewährt werben! ein schöne- Wort. Ich theile diese Vorliebe, allein die Autonomie in einer Weise Herstellen zu wollen, wie dies der Antrag dezweiten Hrn. Präsidenten beabsichtigt, heißt nur die Herrschaft des Mittelalters zurückrufen.... Zum Schluß erklärte der Staatsminister des Innern: die heutige Berathung ist nicht hervorgerufen durch einen Initiativ - Antrag der Regierung, sonder» durch einen Antrag der Kammer der Abgeordneten, der Standpunkt, den die Regierung hiebei einnehme, sei bereits im zweiten Ausschuß und in der Kammer der Abgeordneten schon dahin bezeichnet worden, daß die StaatSregierung kein Bedenken gegen den Beschluß der Kammer habe. Die Movtfication des zweiten Präsidenten gebe ihm Anlaß zu mancherlei Bedenken und verschiedenen Bemerkungen sowohl vom Standpunkte des Kronrechts als von dem der Gesetzgebuvgspolitik; allein allewas er sagen könne, sei bereits auf das gründlichste besprochen «nd erschöpft; überdies schließe er sich dem an, wa- Fürst Hohenlohe als Berichterstatter gesagt habe. Hiemit war die Diskussion beendigt. Da- Resultat der Abstimmung habe» wir beretts mitgetheilt. Mmun schweigen? (An meine Amt-geooffell.) Warum schweigen wenn im Wahne Sich dqs Volk zum Jrrthum kehrt. Wenn sein Sinn gleich leckem Kahne Planlos auf und nieder fährt? ') Stehe Rr. 21.