Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 22 (31.5.1861)
- Date
- 1861-05-31
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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175 . Warum schweigen wenn die Lehre, Die den GotteSstempel trägt. Wenn da- Sinaiwort, dahehre. Nicht gehegt und nicht gepflegt? Warum schweigen wenn der schnöde Glanz de- Golde- Alleblendet. Wenn die Herzen schal und öde. Wenn das Edle frech geschändet? Warum schweigen wenn die Miene Demulh heuchelnd Hochmuih birgt, Wenn verschmäht, wer gleich der Biene Rastlos sammelnd Edlewirkt? Warum schweigen wenn die Lüge Sich mit Hell'genschein umgibt? Was entzieht ihr dem die Rüge Der daS eigne Ich nur liebt? , Warum schweigen wenn zu mahnen ., Euch der Herr da- Wort verlieh, Hob der Kampf für Judas Fahnen Euch den gläub'gen Busen nie? Reden soll wem's Wort gegeben. Wem Beruf die Weihe gab, Muthvoll stets die Stimm' erheben, Ewig mahnen bis zum Grab. ׳ Wahrheit! Wahrheit! deine Fahne Sei's die jeder Redner schwing' ״Kampf der Falschheit. Kampf dem Wahne" Sei der Ruf der laut erkling! Lieb' und Treu' für Gott den König Werd' in jeder Brust geweckt. Nicht den Launen unterthänig! Pflicht der Schild sei, der euch deckt. Ach! waS sucht ihr Blumen, Blüthen Zu der Rede duft'gem Kranz? Nehmt die Worte, die da glühten Ja deS Sinai's Glut und Glanz! Wollt ihr macht'ge Worte finden. Habt zur Wahrheit nur den Muth, Sprecht vom Herzen und eS zünden Eu're Wort' in hehrer Glut! Horte, im Mat 1861. «Shreuthetl, Rabbiner. Pest. F־n. Geehrtester Herr Redakteur! Gestatten Sie mir den an mich gerichteten Zeilen des Herrn Frank in voriger Nummer eine kurzgefaßte Erwiderung entgegen zu setzen. Als ich nach dem Bekanntwerden der Programme D eä k'S und T e l e k t'S meine warme freudtge Anerkennung rückhaltsloS an den,Tag legte, hielt ich eS durchaunicht für nöthig, alle möglichen Einwände und Bedenken in Betracht zu ziehen, die fich etwa bei einer haarspalterischen, splitterrichterlichen Untersuchung der Wortfassung herausfinden ließen. Der Name Deäk, dessen Principien nicht von heute erst bekannt find, schien mir genügende Garantie zu bieten, um jedes Mißtrauen und jeden unwürdigen Hintergedanken fern zu halten. Und was jene Spötter u. Tadler anbelangt, und den Hohn, den sie etwa unserm Brrttauen entgegensetzen möchten, so hieße eS ihre Bedeutung überschätzen wenn man ihrethalben Überflüssigen Auseinandersetzungen Raum geben wollte. Im Uebrkgen. hoffe ich, ist die Zeit nicht ferne, wo die lebendige nicht zu übersehende Thatsache nnserer Gleichberechtigung die beste Apologie gegen unwürdigen Hohn bieten wird. Cornsyon-enz. Czegled. Eine der großartigsten Feierlichkeiten, wie sie der hiesige Ort noch selten gesehen hat und sehen wird, hat hier am 26. d. M. stattgefunren, — ich meine den von Seite der tsrarl. TultuS- Gemeinde veranstalteten solennen Trauergottesdienst für de» allgemein betraurrtru Grafe» Ladt-lan- Leleki. -7- Herr Oberrabbtner L-w an- Szegedin war zur Abhalmng der Gedächtnißrede berufen worden. — Tausende Menschen von hier und auder. Umgegend hatten fich ringefnnden, Bekenner «nd Geistliche jeder Eonfesfio«. — Die ungarische Rede de- Herr» Oberrabbiner Löw machte tiefen Eindruck- Rauschender Hljenruf begrüßte de» Redner nach Beendigung der Feier und die anwesenden Geistlichen verschiedener christl. Louftsfionen richteten sehr schmeichelhafte und ehrenvolle Ansprachen an ihn. Zahlreich betheiligte fich auch die Bürgerschaft am Fackelzuge, der ihm. de- Abendgebracht wurde. Man könnte mit Recht sagen, daß an diesem Tage ein BerbrüderungSfest im edelsten Sinne de- Wortebegangen worden. — . a. 1. Aus Mähren Auch die mährische Judenschaft hat ihre Septemviral«Tafel! Dir 7 Mitglieder de« ״ehemaligen Comitö's zur Rrconstituirung der mährischen Gemeinden", nicht mitgerechnet den Vorsitzenden! Diese Srptemviral-Tafel hat also ein Verdkrt von fich gegeben, das Comitö. daS man zu den Entschlafenen zählte, ist vom Grabe auferstanden und hat eine ״offene Erklärung" in die Welt geschickt. Wir gehören nicht zu den ״Vielen Stimmen aus vielen Gemeinden Mährens״, gegen welche jene offene Erklärung gerichtet ist; wir haben eS daher nicht nöthig, für dieselben in die Ächranken zu treten; wir glauben, diese werden ihre Sache selbst zu führen im; Stande sein und gewiß zu führen nicht unterlassen, um so weniger, als ihre Gegner, die Comitä-Mitglicder, zu der unwürdigen Verdöchtigung greifen, daß diese Stimmen ״gar keinem Mährer" angehören dürften. Ein Verdacht, der nur in dem Kopfe solcher Parteigänger entstehen kann, die selbst solche Mittelchen, wie die Mission des Pseudonymen, Jg. Wolf, für Mähren und vr. Marr für Oftfriesland beweist, anzuwenden pflegen. Also nicht entgegnen wollen wir; nur einige Fragen erlauben wir uns an diese Septem» oder Octovirm zu richten: Wagt eS ein Eomitö noch im Namen von ganz Mähren zu sprechen, da dieses Comitä und dessen Elaborat, die berüchtigte Synagogal-Verfassung, zu welcher evon Hirsch fich berücken ließ, von ganz Mähren und von der ganzen gebildeten Welt verurtheilt und desavvuirt worden? Steht eS den 6 Laten im Comite zu, über die'Richtigkeit einer Beantwortung ״von rituellen und kasuistischen Fragen", über ״wohldurchdachte, verstaadesklare Auffassung de- Talmud und seiner Comentatoren" ein kompetentes Urtheil abzugeben, ihnen unter denen manche sogar nicht einmal Bibelfestigkeit, geschweige denn talmudische Kenntniß besitzen, und wir fügen noch hinzu, sich über religiöse Observanzen so leicht hinwegsctzen. steht eS diesen zu rin Gutachten über Hirsch's talmudische und rabbinische Kenntniß abzugeben? Haben diese sechs Mäunner nicht eben hierdurch das sprechendste Zeugniß abgelegt, daß sie, so wie jetzt ihrem Vorsitzenden Herrn Placzek, auch früher ihrem Vorsitzenden Herrn Hirsch in Allem und Jedem nachgebetet und nachgeschrieben haben? Wagt man eS auf Briinn'S Vorgang in der Berufung Hirsch's als auf den ״besten Brweis" fich zu stützen, da doch 4 Männer aus de» Octoviren im Brünner Vorstände fitzen, die für die Berufung ihres ״göttlichen" ManneS gewiß ihren ganzen Einfluß grstend gemacht haben? Wagt man eS überhaupt auf Brünn'S Vorgang sich zu berufen, da man bekanntlich in Brünn an ganz andere Herren, als an Hirsch, sich zuvor gewendet hat? Waren nicht früher schon die Herren Rabbinen Löw, Goldschmied, LandSberg 1r. gebeten worden da- Rabbinat anzunehmen? Waren Dfe* eben er» wähnten 4 Männer au- Brünn nicht für Einen der erwähnten Rabbinen thätig und eifrig? Und dock find alle diese Rabbinen keine Gesinnungsgenossen des Hirsch, sondern zählen sogar zu seinen Antipoden! War ealso Gesinnungstüchtigkeit im Brünner Wahl- Collegium, als man von den Fortschrittsmännern zu dem extremsten Hirsch einen «allo mortale machte? Wollte man einen Mann des Fortschrittes oder einen Zeloten zum Rabbiner haben? Wie konnte man bei GesinnungStüch» tigkeit den Sprung auf Hirsch machen? Wagt man es auf Brünn fich zu berufen, da gerade die Wahl, die Brünn endlich getioffen, die größte Blamage für Hirsch sein muß; da man eben den Mann, de» Hirsch empfohlen, Herrn Gugenheim. nicht angrstellt hat?