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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-05-31 · 22 (31.5.1861) · p. Seite 172

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
22 (31.5.1861)
Date
1861-05-31
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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sattsamste» Belege die Gesetzgebung jene» große» Manne», dessen Einflnß a«f die gesa«mte religiöse Entwicklung der Menschheit so her» vorragend »ar, — die mosaische. I« einer vo» tiefste» Einsichten zeugeatze» Anschauung »ad Tendenz: einerseits einer großen U»gleichheit de» Vermögen» var-ubeugen, anv der Einbürgerung ei«e» vrrverbliche« PaUperiSmu» entgegenzuwirken, anderseits das unstät herumwander»»« Volk mehr an die seßhafte Lebensweise, an den Ackerbau zu leiten »nd hiedurch eine feste Gliederung demselben zu verleihen. — bestimmte Mose» folgendes: Jeder Hausvater und jede- Familienhaupt (mit Ausnahme veS Stammes Lewi, für welche» durch den Zehnt gesorgt war) soll seinen Antheil an dem Grand und Boden ve» Vaterlande» haben, und rieser Antheil dann seinen Nachkommen als ei» unveräußerliches Befitzrhum bleiben. Alle Verkäufe vou Landgütern sollte« daher nur Zeitverkäufe sein, und die Veräußerer v aS Recht haben, sie gegen Rückzahlung ver Aaufsumme zu jeder Zeit wieder zu erwerbe«, außerdem aber in jedem fünfzigsten Jahre, dem sogenannten Jubeljahre sollen alle Güter an ihre ursprünglichen Be- »»er zurückfallen. ohne Erstattung des Kaufgeldr». Dieser Anschauung zufolge ward Gott als wahrer Herr und Eigentbüiner re» Landes betrachtet, der die Aecker durch LooS an bestimmte Familien «rtheilt habe; Niemand aber habe daS Recht, willkürliche Veränderungen diese» Besitzstände» für immerwährende Zeiten vorzunehmen. Zugleich satte der Gesetzgeber die Absicht, dem Staate sein wichtigstes und kräftigste» LebeaSelement. einen zahlreichen Mittelstand von Grundbesitzet», zu erhalten, ihn, gegen Zusammenhäufen der Güter in «enige Hände zu bewahre«, i» dem Jubeljahre aber eine große Wiedergrburt und Restauration »er im Laufe eines halben Jahrhundert» entstandenen Veränderuugen und Verhältnisse zu bewirken. An diese volk»wirthschafiliche« und socialen Ansichten Moses schließen sich die seiner Nachfolger, der jüdischen Philosophen, ReligionSlehrer und Propheten, i»»heso«dere aber SalomoS, Davids, Jesus- SirachS, Jobs, NaruchS, Hoseas, Jeremias. Jesaias, Ezechiels und Anderer an; lauter klar sprechende Belege dafür, daß die Anfänge der ökonomischen und socialen Theorie bet den Alten immerhin bedeutsamer gewesen, als man bis auf die jüngste Zeit herab gemeinhin angenommen. Bezüglich de» Wesen» und der Bedeutung der materiellen GlückSgütcr fällt unS vor Allem eine streng sittliche Ansicht bei den jüdischen Denkern in die Augen, obwohl man auch den materiellen Forderungen und Bedürfnissen deS Menschenlebens gerecht zu werden bestrebt «ar. So spricht z. B. über die Vergänglichkeit aller irdischen Güter, von der Verwerflichkeit de» Haschens nach Reichthum, von der mir der Verehrung Gotte» unverträglichen Geld- und Habsucht, von eer Nothwendigkeit der Vermeidung des Uebermuths und der Hart- Herzigkeit im Reichtbume, über die Unzulänglichkeit ver materiellen Reicbthümer zum wahren Mrnschenglück ~!c. :c. Salomo in seinen Sprüchen (15. 6, 30. 8, 9, 21. 11, 23. 4, 5). Sirach in seinem Buche (27. l. 5. 1. 14. 20, 6. 15, 30. 15, 16. 40. 13, 26), David in seinen Psalmen (38. 6,-7, 48. 17, 18, 36. 16); ferner Baruch (3, 16-ld). da» Buch cer WeiSbeit (7. 7—11), Job (12, 5, 6, 27, 13-17), Jeremias (22, 13, 17, 11), Jesata» (9, 5). Ezechiel (7. 19), Amo» (5, 11), Micha (2. 1-4. 3, 1-4 G. 10-15), Prediger (5, 18. 1, 2-4. 2, 1-12. 6, 1—1. 5, 12); während anderseits darauf hingewiesen wird, daß der Segen de» Herr» reich mache (Sprüche 10, 22), daß für den Weisen der Reichthum eine Krone (Sprüche 14. 22), daß de» Reichen Gut eine feste Stadt ist, daß Derjenige, ver arbeitet. Freude und Genuß haben soll (Prevtgt 5, 17. 18), und auch darauf, daß dem Gelbe alle» gehört (Predigt 10, 19); namentlich aber auch die hohe Wichtigkeit und Unverletzlichkeit de» Eigenthum» entschieden beachtet Und anerkannt erscheint. So bei Moses H. 20, 15, 17, V. 5, 19, 21. Hosea 4. 2 Habakuk 2. 6-8. Machab II. 3. 10—12, HI. 6,2—4, V. 5, 19. 24. 7, Sirach 5. 17. 41, 21. 23. 24, Zacharia 5, 3. Ebenso sinven wir auch Ansichten der hebräischen Denker über die Beveutnng der Arbeit, re» Fleißes, nnd über deren Gegrnsatz, die Faulheit, sowie auch über rie Bedeutung der einzelnen Häupter׳ werb»zweig« der Völker. Während in der Urgeschichte (1.3, 19) die Arbeit und die »nstrengung al» ein göttliches Fluch- »nd Strasgebot erscheint, wird dieselbe spätrr schon in ihrer ethischen und ökonomtschen Wichtigkeit erkannt, namentlich et» reich umschaffender Faktor genannt, die »nnnterbrochene Thätigkeit «nd Arbeitsamkeit gepriesen, Faulheit und' Müßiggang gebrand markt, al» Quelle der Noch und de» bitter« Elend» bezeichnet. (Psalm 127, 2. Sprüche 10, 4, 5, 14, 23. 6, 6-11, 28, 19, 15, 19. Job 5, 7. Sirach 7, 16, 33, 28, 29, 30, 11. 6, 22. 1, 2. Ezechiel 16, 49, 50. Predigt 5. 11, 3, 13, 2, 24.) — (Schluß folgt.) «or. S-ll««ek. Zur PetubL-Frsge. In dem also überschrirbeuen Aufsätze Nr. 16 und 17 dieser Blätter, von Herrn Albert Stern, Rabbiner zu Lengyel - Täti, (wäre vieser nicht mein Schwiegersohn, so dürfte ich sagen: ״in drm gediegenen und gelungenen Aufsätze), werde ich, betreff» meiner getroffenen Einrichtung, die Ketuba nicht mehr vorzulesrn. sondern sie zusammengerollt von dem Bräutigam der Braut, mit den Worten: "הי לך כתובתך דחזי לכי מדאורייתא («fl».״(םדרבנן überreichen, und den Hefßek durch das Abfingen des 117. Psalms erzielen zu lassen, dahin intcrpellirt: ״Wozu die Präsentation der Aetuda, da sie doch zum Trauungsakt nicht gehört?" ״ffia» hat Die Präseatationsformel für Bedeutung, da die Ketuba al» Urkunde keine Giltigkeit hat?" ״Wie wird der Hefßek erzielt bei einer Trauung an einem Orte, wo es keinen Choralgesang gibt?" Roch ehe ich diesen Aufsatz gelesen, habe ich i« ״Ben Chananja", Nr. 17, einige Worte über diesen Gegenstand gesprochea, und will rs hier, zur Beantwortung obiger Fragen, nochmals näher erörtern. — . Hinsichtlich des Heirathsgute» und der Widerlage hat die Aetuba-Urkunde allerdings keine Giltigkeit, und zwar nicht nur weil sie in einer Sprache und Form verfaßt ist, die da- Landesgesetz nicht anerkennt, sondern sie hat auch nach הי!תוהה keine rechtliche Kraft, weil sie, für alle Bräutr gleich verfaßt, die Höhe des HeirathSguteS und der Widerlaae niemals richtig angtbt; wohl aber hat sie Gtltigkeit hinsichtlich der Ketuba selbst, die תנאי ב״ה ist. Ob ein «ericht darauf Errcution brwilligen würde oder nicht, daS ist gleichviel; nach mosaisch-rabbinischem Gesetze ist jeder Ehemann seinem Weibe, außer HeirathSgut.und Widerlage, noch 200 (resp. 50) SuS, al» Ketnba, schuldig. Sonach wird durch das Beriefen der Ketuba eine Unwahrheit, betreffs Heirathsgut und Widerlage, ausgesprochen, nicht aber durch die Präsrntatiousformel: ״Hier ist deine Ketuba, die dir gebührl. nach mosaischem (resp. rabbinsschem) Gesetzerenn nach diesem Gesetze gebührt ihr ja allerdings eine Ketuba von 200 oder 50 SuS. Die Ketuba gehört einmal nicht zum Trauungsakt. und da» Verlese« derselben ist Entstellung desselben. ES wurde mir unlängst eine hebräische Teschuba von Rabbi Nehemia, s. A. gewesenem Rabbiner zu Bialystock, gedruckt zu Wien 1859, zugeschickt (und ich sage hiemit dem mir unbekannten Einsender Dank), worin der Ver« fass«, welcher bedeutendes Wissen beurkundet, für daS Nichtverlesen der Ketuba sich entschieden auSspricht. Aber daS Ueberreichen der Ketuba entstellt den TrauungSakt durchaus nicht, macht ihn vielmehr feierlicher; und so frage ich entgegengesetzt: ״Darum sollte et» s, allgemein verbreiteter Brauch, wie die Ketuba ist, ohne irgend eine» Nutzen abgeschafft werden?" Wäre» da nicht die Worte unsere Alten anznwenden: ״Kannst du besser handeln, sv handle nicht schlechter." Herr Oberrabbiner Löw bemerkt in Nr. 17 deS 8״. CH." ganz richtig, daß die Ketuba durch die Erhärtung des Trauungstagrs bedeutende Dienste geleistet hat; und nach meiner Ansicht ist sie auch für t>fe Satzung vou Rutzrn, denn eS ist ja daraus zu ersehen, »h ^aS Weib eine גרושה oder חלוצה war. Herr Rabbiner Stern tm obigen Aufsatze sagt: ״die Ketuba ist wie eine Null link» einer Ziffer gesetzt;" nach meiner Ansicht ist daS Verlesen der Ketuba eine salche Null, die die Zahl um das zehnfache vermindert, denn e» entstellt den Trauungsakt und invvlvirt eine Unwahrheit. Aber das lieberreichen der Ketuba entstellt ja wenigsten» nicht, und die Formel drückt ja, wie anseinandergesetzt, keine Uuwahrheü an». Wie aber der Hefßek zu erzielen ist ohne Ehoialgesang? da» ist sehr leicht zu sagen. E» stehet ja nirgend» geschrieben, daß ei» Hefßek gesungen werden müsse, daher kann er überall durch de« Psalm

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