Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 22 (31.5.1861)
- Date
- 1861-05-31
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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>«!71 ®Mf Del« S-öche»yt am -2. Mai. ״Ich «Kasche insbesondere «och über vir Gleichberechtigung der verschiedene» Religion-bekenntaiff« <» «vserem Baterlande vorläufig Einig«- zu bemerk««, zumal dtrser Punkt drS Antrages bisher noch kaum berührt worden. Meine Rotivtruug wird vielleicht nicht neu sein, aber um so schaeller «erd« ich über daS hinweggleiten können, was be« reit« als geebneter Weg zu betrachten ist. Eine der vielen wesentlichen Fragen ist unstreitig die Judeurmanzipation. Innerhalb der Grenzen Ungarnleben ungefähr 400,000 Israeliten; unter ihnen findet sich Intelligenz uad Wohlstand in hohem Grave, Faktoren, die man ficherltch nicht außer Berückfichtigung lassen kann. DaS Geld beherrscht die Welt und die Geldmärkte werden durch die Juden beherrscht. ES gibt kein größere« Geldnnternehmen. keine finanzielle KrifiS, bei denen nicht fie die Hauptfaktoren wären. Auf jene Periode in der Geschichte deS jüdischen BolkSstammes zurückblickead, wo derselbe, naivem die Legionen des Titus die Manrrn Jerusalems zerstört hatten, zerstreut, von Jedermann verfolgt wurde, finden wir, daß den Juden nichts übrig blieb, als ihr Leben durch den Schacher zu fristen, und aus diesem Kreis konnten sie erst treten, als bei den vorgeschrittenen Nationen die letzten Trümmer veralteter fixer Ideen verwitterten. — Ich meinerseits wünsche die Juden Ungarns auf freien Fuß gesetzt zu sehen (Zustimmung), ich wünsche die Toleranz vollkommen durchgeführt; denn ich finde eS mit dem Prinzip unserer Verfassung nicht vereinbar, daß was immer für eine Eonfesfion vom Genuß der Bürgerrechte ausgeschlossen sei (allgemeine Zu- Kimmung), ich bin vielmehr der Meinung, daß eS ein moralischer Meuchelmord ist, wenn man wen immer seiner politischen Rechte beraubt. DaS steht auch mit unseren christlichen Grundsätzen im Widerspruch, welche auf der liberalsten Grundlage beruhen, und auch für die Christenheit sehe ich eine viel größere Gefahr in den eben nicht christlichen Gefühlen und Thaten, die die ungerechte Verfolgung in Schutz nehmen. Darum führt nun in unseren Tagen jedereifere Volk daS erhabene Prinzip der Toleranz auf seiner Fahne. Betrachten wir die Verhältnisse Englands und Belgiens, eS gibt dort keinen Zweig der Wissenschaft, der Industrir, der Kunst oder Handelsunternehmungen, wo die Juden nicht in der ersten Reihe kämpfen. Sie haben längst den Gedanken aufgegeben, daß eine Zeit kommen werde, in der sie in Masse nach Palästtna zurückwandern können, jedenfalls aber werden sie dies als gute Bürger ruhig abwarten, gleichwie auch wir Ehristen auf rin besseres Leben vertrauen und doch mit Interesse am Erdenrund hängen, an dessen Schollen unS so viele süße und bittere Erinnerungen fesseln. ״Oder vielleicht deshalb, — schreibt Maeaulay in seinem ״Civil dieabilitie9 of tbe jews“ — vielleicht deshalb soll ein Mensch ausgeschlossen oder für irgend «in Amt weniger befähigt sein, weil er einen Bart trägt, keinen Schinken ißt, und statt am Sonntage in der Kirche Sonnabend in der Synagoge inbrünstig betet? DaS verstehen wir nicht." Einst riefen die Hugenotten in Frankreich England zu Hilfe gegen ihren kacholischen Herrscher; die.Katholiken von Frankreich aber suchten in Spanien Hilfe zum Sturze eines HugeaottenkönigS, und waren bereü für ihre» Glauben die heiligsten Interessen de- VaterlandeS auf's Spiel zu fetzen. Würden heutzutage die Protestanten in Frankreich von Preußen oder England Hilfe bitten, um ihren Glauben wieder zur Herrschaft z« bringen? Wahrlich nein. Und warum? Weil fie einst verfolgt wmdrn und jetzt nicht verfolgt werden. Dasselbe, geehrtes Repräsentantenhaus, ist auch bezüglich der Juden der Fall, sei eS in Brtteff der Religion, sei ein Betreff der politischen Gleichberechtigung; denn nur der Druck kann einen Gegendruck erzeuge«. Wo diese Hindernisse beseitigt wurden, von hörten sie auf, einen Staat im Staate zu bilden. Wir sehen wie sich die Juden der civüißrien, gebildeten Nationen deu Gebräuchen ihrer neuen Hetmarh anschmiegen. Dirbeweisen am Besten die statistischen Daten Amerika'-, ans welchen hervorgeh», daß nur ein sehr geringer Theil der Nachkommen MoseS sich mit Geldmäkelei beschäf» I tigt, während die überwiegende Mehrheit ihr Brod hinter dem Pfluge sucht.. Stellen wir die Jude« UngaruS auf deu Boden der Rechts- . Gleichheit, und sie werden ungarische Juden sein, und den Fortschritt! unserer Heimath eben so sehr am Hcrz«n>ttagen. wie die Sprosse» diese- Landes von reinem fcythischen Blut«; und «b«» sowie wir, «erden auch fie für unsere Recht« Achtung, und die unversetzte ff atu kennung unserer Gr«ndgesetze fordern. . , Wenn die ungarischen Juden bisher gegen Ungarn Um jigdltche Pietät hatten, so geschah dir» nur, weil sie al» Stiefkinder hetzanrelt wurden; denn es ist eine anerkannte Thatsache, »aß jedor,Stamm oder Glauben, der auwaimmer für «inen Grund »ach außen gravitirt, "dirwegen der Engherzigkeit der Regierung tm Innern thu». Inden ich daher so sie» war; die Aufmerksamkeit de» geehrten Hauseschon tm Voraus auf die JudrnemauzipationSfrage zu lenken, verlangte ich nicht Gnade, sondern Gerechtigkeit. Beseitigen wir Vorurtheile, Antipathie und mit unserer christlichen' Religion unvereinbare Gesinnungen, und thun wir, was zwischen Menscheu nud Menschen nur recht und billig ist; nnd wenn, wir einmal jene Regierung erblicken «erden, vor welcher die finstern, kalten Wolken der Intoleranz zurückweichen; dann erst werden wir die erhabenen Lehren desjenigen befolgen, der die glorreichen Grundsätze der Liebe verkündigte." — Freiherr Friedrich v. Podmantcky an» 24u Mai. ״Wenn davon die Rede ist, daß der Glaube nicht mehr die Rechtsgleichheit beschränke, so verlange ich namentliche Erwähnoag der Israeliten, bezüglich welcher das Versäumniß unserer Väter gut zu machen ist. — Nicht die Rückficht auf da» Geld oder die Jntelligenz darf uns als leitendes Princtp dort dienen, wo einzig und allein die unS Allen gemeinschaftlichen Rechtsansprüche der Menschlichkeit unserem Thun die Richtung vorzn'chuen kann. — Wir können zwar nicht leugnen, daß wir nicht selten gerechterweise klagen konnten über die in unserem Vaterlande wohuhasten JSrarliteu; hatten fie aber nicht eben so gerechte Klagen gegen uns? Haben wir sie doch dazu genöthigt — indem wir ihnen die von den übrigen Bürgern genossenen Rechte vorenthielten — daß sie von unS sich absondern, daß ihr« Jntercffen und Beschäftigungen von den unseren abweichen. — Wir dürfen nicht unduldsam sein gegen Nichtchristen, nachdem wir gerade erfahren haben, wie damals als in dem, unter österreichischem Einflüsse befindlichen Theile des Vaterlandes der Christ den Christen, deS verschiedenen Bekenntnissehalber, auf'» Schaffst geschleppt, wie gerade damals — sage ich — in de» unter der Herrschaft drS J-lam stehenden Gebiete jedem gestattet war, nach seinem Bekenntnisse, die Gebete zu Gott rmporzusenden." — Hie bolksknrthschaLtlichen Ideen und Ansichten der Elten; Hebräer. L ״Die geschichtliche Entwickelung der Nationalökonomie und ihrer Literatur" ist der Titel deS neuesten Werkes des Herrn Or. Julius Kautz, Professors der Nationalökonomie am JrsephS-Polytrchnikum in Ofen, und deS StaatsrechteS an der hiesige» Universität. Es liegt nicht in meiner Absicht, in dieser Zeitschrift, eine Beurcheilung dieses ausgezeichneten, in ausländischen Fachblät/rea mit großer Anerkennung besprochenen Werkes, niederzulegen. Ich beabsichtige nur, als Einleitung zu einer selbstständige» Arbeit, auf diesem Gebiete,2) den tz.!5 des ritirtrn Werkedes gelehrten Professors über die volkswirtschaftlichen Ideen und Ansichten der alten.Hebräer, hier mitzutheilen. ' Herr Professor Kautz läßt sich hierüber wie folgt vernehmen: Ungleich reichlicher fließen unsere Quellen zur Erfruntniß der Wirth« schaftsaasichten und Grundsätze der Hebräer, eines Volkes, welches für die gesammte Entwicklung des AlterthumH von sh hoher Bedeutung unv Wichtigkeit war, obwohl im Hü,blicke auf ökonomische Cultur wett hinter den Phönizier« unv Egypiern -urückstehend, durch seine vielen ausgezeichneten Lenker und. Weisen esn« höchst beachtenswklthe Reihe wirthschaftlicher Einsichten nnd Grundsätze,fU^rliescrl. Gleich am Eingänge der jüdischen Geschichte.,liefert -nH HMr die ') Die verdienstlichen vestrebungea de« Hrn. »inseNdeManst'dioße« dietr erfreuten sich detaoatlich schon'öfterer WUrdiMNst-uon Seite der Presse sowohl als auch mehrerer vaterländischen Institute-,nnd-Vereine. (Art.)