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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-05-24 · 21 (24.5.1861) · p. Seite 166

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
21 (24.5.1861)
Date
1861-05-24
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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166 Herr Ernst Wetzlt, Präses der Lnltus - Repräseirtanz, eine auf die > Eröffnung der Anstalt Bezug habende gediegene Ansprache, in welcher eine knrze Geschichte deS hiesigen Knaben ׳ Waisenhauses enthalten war, und in welcher er aus jüngster Zeit erwähnte, daß die Anstalt von den Erben deS verstorbenen Herrn L. G- B o n d i 500 fl. zum Geschenke erhalten, daß vier israel. Frauen den Zöglingen und der Anstalt raS erforderliche Liunenzeug geschenkt, daß diese Frauen auch die unentgeldliche weibliche Fürsorge für die Anstalt fteiwillig übernommen, und daß mehrere andere Wohithäter in un'erer Gemeinde der Anstalt sehr viele Utensilien geschenkt. Nach einem kurzen, von einem JnstitutSzöglinge mit thänenden Augen gesprochenen Gebete folgte eine Ansprache an die acht ausgenommen,» Zöglinge von Seite reS (wie wir vernehmen) provisorisch angrstellten Erzieher« Herrn vr. Josef Schlesinger, Sohn deL verstorbenen Kreisrabbinrrs gleichen NamenS. Der Inhalt derselben gab <en Standpunkt an, welchen er gegenüber seinen Zöglingen einnehmen will, wenn auch dieser vielleicht den Zuhörern gegenüber nicht genug präcisirt war, so zcigle die Ansprache im Ganzen viel Fleiß und Wissen, unv läßt für rie Zukunft von dem Vortragenden viel GuteS für die Anstalt erwarrcn. Den Schluß der Feier haben wir schon angegeben. Fragt nun der Leser, wohin zielt das ״Wie bald wirrer?" so müssen wir erwähnen, daß die jüdische Lanvesrepräsentanz. nicht zu verwechseln mit der Prager CultuSrepräsentanz, schon vor einiger Zeit laut werden ließ, daß sie den Ueberrest rer Steuerabfindungssumme, der kein unbedeutender, zur Gründung eines Waisenhauses für israelmännliche Waisen aus dem gesammten Böhmrrlande verwenden werre. Wir übergeben die Empfindungen, welche in uns laut werven wollen, wenn wir uns an die Steuerabfinrungszeir erinnern, wenn wir uns res Zwanges erinnern, mit welchem riese Summen eingetrieben, der Thränen, mit welchen sie von manchen Parteien auf den Altar der Znhumanität niedergelegt wurden, deren Priester damals so manches Mitglted der noch jetzt fungirenren Landesrepräsentanz gewesen. Wir boffen, daß diese Repräsentanz entwerer ihr gegebenes Versprechen baldigst rinlösen, ober — daß sie ihr sich selbst octtoyirtrs Mandat mit allen Rechnungen unv Geldern einer neu zu wählenden Repräsentanz der Landesjudenschaft übergeben wird, und — wenn ihre Verwaltung eine so uneigennützige gewesen, wie sie wünscht, daß man von ihr annehmen soll — daß auch sie selbst zur Neuwahl einer LanveSrepräsentanz beitragen werde. Bei dem Vertrauen, welches die jetzige genießt, werden deren Mitglieder obne Zweifel wieder aus der Wahlurne hervor gehen. *) Schließlich noch die kurze Mittheilung, daß am weiblichen Waisen- Institute anstatt des außer dem Hause wohnenden Lehrer- und der bisherigen geprüften Lehrerin nunmehr eia Ehepaar mit dem Unterrichte und der Leitung betraut wurde, welches in dem Institute wohnen wird. Die Einführung de« Lehrerpaares geschah am 7. t. M. iu^feierlicher Weise. Nach einem hebräischen Eiugangsgebete hielt Herr Prof. Kämpf eine Jnstellationsrcde und die Frau Vorsteherin eine Ansprache an ras scheidende und das neue Lehrpersonale. Nachdem auch dieses beiderseits, und ein Zögling an das erstere eine Auspräche gchalten, schloß die Feier mit einem Gebete. Aignate ans Nähmen von Nsbbiner Ehrentheil in Horic. ix. Ein Berichterstatter auS Horic hat in Nr. 17 dieser geschätzten Zeitung unter Andern eines Werkes Erwähnung gethan, daß unter dem Titel "סטה אהרן" hinnen Kurzem von mir erscheinen soll; gestatten Sie mir rua geehrter Herr Redakteur! diese Notiz dahin zu vervollständigen, daß ich mir erlaube. Ihnen Einiges über Tendenz dieseunter der Presse befindlichen Werkes zu berichten. DaS Buch wird ״homeletische kurze Betrachtungen über sämmtliche Hafth ora's zu den fünf Büchern MofiS, nach den Wochenabfchnitten geordnet", enthalten, wird zudem in diesen kleinen Erhörten in jeder Hafthora die \ geistige Verbindung und Analogie derselben mit der jeweiligen SLj dra zu erklären versuchen, unv die religiösen und moralischen Lehren, ן die aus Hafthora und Sidra hervorgehen, mit Anwendung der pasj senrsten Midrasch- und Thalmudstellen in volkslhümlichrr Sprache! Hervorbeben, und soll so zwar .ein jüdisches Familienbuch" - 4) Icb würde mir doch einigen Zweifel erlauben. Anmerk. d. Seher«. zugleich aber auch ein Hiltsbuch für aygeheude Rabbiner und Prediger werte«. Za wiefern es seine« Zwecke entsprechen wird, soll daS Buch selbst, das im Verlage deS Herrn Gottlieb Schmelkes in Prag erscheint, der jüdischen Lesewelt recht bald zeigen. Anknüpfrnd an den erwähnten Bericht über die hiehrr beurlaubt gewesenen jüdischen Soldaten gereicht es mir zum Vergnügen, die erfteuliche Thatsache constatiren zu können, daß die etwa 240—Sv iu der Festung Zosrphstadt garnisoairenben jüdischen Soldaten, fast durchgehends Ungarn und Galizianer, unter sich einen religiösen Verein bilden, eine kleine Bereinscasse besitzen, die ein Feldwebel verwaltet, und die bereits dazu benutzt wurde, für das dortige gepachtete jüdische Betlocale ein גד תמיר zu kaufen. Die Lampe, nett gearbeitet, trägt in oer Umschrift de« Namen des Regimentes, dem dir Spender angrhören; und wird mir aus glaubwürdiger Quelle versichert, daß sich tagtäglich Früh unv AbenoS andächtige jüdische Soldaten in beträchtiicher Anzahl zum Gottesdienste rinfinden, und überhaupt von unseren dortigen militärischen Glaubensgenossen Beweise eines wahr- Haft religiösen Sinnes an den Tag gelegt werben. So erfreulich diese Wahrnehmung nun auch schon an unv für sich ist, gewinnt sie doch gegenüber rer vom Rabbiner vr. Hildesheimer gemeldeten Petitivn um Errichtung jüdischer religiöser Anstalten im Heere noch insoferne an Werth, da wir dadurch den Beweis gewinnen, daß diese Petition nicht von solcher Dringlichkeit sei, daß sie j e tz t, wo noch so manche unserer pia desideria der Verwirklichung und Erfüllung harren, vorgebracht würde, und daß so weit eS thunlich. dem religiösen Bedürfnisse von Seiten rer Juden im österreichischen Heere aus eigenem Antriebe Rechnung getragen wird. Fernere Gründe gegen die erwähnte Petition hat der wackere gesinnungStüchtige I. L ö w i aus Groß-Kanischa zur Genüge ausgeführt und muß jeder praktische Mensch bei allem Eifer für die Erhaltung unserer religiösen Observauzen ihm doch vollkommen beistimmen. Als einen durchaus wichtigen Antrag, der wohl in kürzester Zeit vor daS Forum unseres Landtages gebracht werden sollte, bezeichne ich den an anderer Stelle von mir bereits gerügten Nebelstand, daß nach einem bestehenden Gesetze aus anno 1837 die jüdischen Mattikenführer, selbst wo dieS die Rabbinen find, unter Eontrolle des katholischen Ortsseelsorgers stehen, und daß nach einem Paragraph«!, der Vorschriften für die jüdischen Mattikenführer ein von denselben ausgestelltes Matrikrnzeugaiß nur dann als Dokument giltig ist, wenn eS die Unterschrift des katholischen Ortsseelsorgers trägt. Wozu dann der jüdische Matikenführer beeidet wird? wie sich dies in den jüdischen Mattikenführer gesetzte Mißtrauen mit rer Gleichberechtigung der Eonfesfionen verträgt? welchen Nutzen diese Conlrolle habe, da doch die Herren Caplane höflich genug find, jedes ihnen vorgelegte Zeugniß ohne Vergleichung desselben mit der Matrike zu viviren? DaS sind Fragen, die im Geiste der heutigen Zeit schwer zu beantworten sein dürften. Es scheint diese Verordnung auch zu dem Gerölle auS einer alten. Gottlob! entschwunvenen Zeit zu gehören, das die Hand einer erleuchteten Regi-rung hinwegzuräumcn bereit wäre, wenn der Umstand nur geeignelen Ortes gerügt würde; — so lange aber noch das Gesetz nicht ausgehoben ist, wiverstrebt eS dem Gefühle der Gesetzlichkeit das uns innewohnt, uns von diesem Zwange, wenn auch im Bewußtsein der Unhaltbarkeit der Verordnung, durch die Praxis zu befreien. Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der jüd. Dogmen und des jüd. Cultus, von L. Skreiaka. dirigirenkem Senior und Katecheten an der ’ israel. Schule zn Arad. Wien. 1861. Druck von Friedrich Förster. Angezeigt von M. Stößel, israel. Religions-Professor. Durch die Güte des Herrn vr. I e l l i n e k in Wien, der sichzur Aufgabe gemacht, jedem Verdienste um die jüd. Literatur Anerkennuug und jeder guten Schrift Verbreiluog zu verschaffen, ward mir vor einiger Zeit erwähntes Buch übermittelt und ich fühle mich hrute, nachdem ich dasselbe mit voller Befriedigung zu Ende gelesen, zuvörderst dazu verpflichtet, dem verehrten Herrn vr. meinen innigsten Dank für das mir gewährte geistige Vergnügen hiermit auözusprrchen,

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