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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-05-24 · 21 (24.5.1861) · p. Seite 165

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
21 (24.5.1861)
Date
1861-05-24
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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—■י• 165 י*,— zwischen den regellosen, auf jedes Zeichen gewLrtige« Maßen und den gesetzliche« Gewalten einnah«, und in welcher er mehrere Wochen lang di« Geschicke Wien's in seinen Händen hielt. Einen interessanten Zug auS seiner damaligen Wirksamkeit bietet die Art und Weise, wie er den erbizten Arbeitern, welche Erhöhung ihre- Tagelohns stürmisch verlangten, entgegen trat. «Ich habe, sprach er. Jahre lange nicht nur wie Ihr, den Tag, sondern auch die Nacht in meinem Berufe gearbeitet. Ich bin Sekundärarzt im allgemeinen Krankenhausr, und wie viel, glaub» Ihr wohl, erhielt ich Tagelohn? vierzig Kreuzer täglich, und ich bescheive mich damit gern und willig. Und Ihr?״ Die Arbeiter standen überrascht; die einfache biedere Sprache des BolkSmanneS brachte sie zur Besinnung. AlS der Reichstag zusammrntrat, wurde Fi sch Hof vom Matzlrindorfer Bezirke der Hauptstakt in denselben gewählt. Seine Wirksamkeit im Reichstage bestand weniger im Ergreifen der Initiative bei ׳Anträgen, als in der Art und Weise, wie er jene Anträge, denen er beistimmte, unterstützte. F. stimmte für drn Antrag der Rückkehr Sr. Majestät deS Kaisers Ferdinand; sprach für die Abschaffung der Todesstrafe; erörterte in der 14. Sitzung (5. August 1848) den Antrag Bioland'S ״die Nochwendigkett, daß bei Interpellationen Verzögerung und hemmende For׳ men beseitigt werden;" in der 30. Sitzung (2b. August) stimmte er für den Kudlickffchen Antrag in der Robot- und AblvsungSfrage; und will in der 32. Sitzung (am 29. August) ״daß die Aufhebung aller?asten, welche aus dem UnterthanS-Berbältniß erwachsen, unverweilt ausgesprochen werke; ״in der 82. Sitzung (K. Oktober) erstattet er ״Bericht über seinen Versuch, Grafen Baillet de Latour zu retten;“ in der Permanenz (am 9. Oktober) stellt er einen Verbesserung-Antrag zur ״Debatte über ein Nationalgardegesey, in der 67. Sitzung (8. Jänner 1849) spricht F. für den dringlichen Antrag des Abgeordneten PinkaS, worin dieser ״die Erklärung deS Ministertums vom 4. Jänner 1849 als gegen §. 1 der Grundrechte: ״Alle Gewalt geht vom Volke aus." gerichtet angesehen wissen will. Während seiner parlamentarischen Thätigkeit nahm er eine Stelle als Ministerialrath im Ministerium des Innern an, als welcher er eine Reise nach Galizien unternahm, wo die Cholera auSgebrocken war. Später trat er von diesem Posten ab. AIS die Auflösung deS Reichstagein Kremsier erfolgte, erwiekerie F. auf den Raih seiner Freunde zu stieben: ״Bleibe ich. dann kann mich ras Kriegsgericht vielleicht vemrtbeilen, fliehe ich, dann verurthrilt mich die öffentliche Meinung gewiß. Die Wahl ist nicht schwer, ich bleibe!" Nach dreivierteljähriger Haft wurde F. aus Mangel an Beweis entlassen. Er widmete sich seit jener Zeit ausschließlich der ärztlichen Praxis, die er vor seiner Tbätigkeit im Jahre 1848 ausgeübt; und lebt gegenwärtig als praktischer Arzt in Wien. In der jüngsten Zeit ist von ihm in Gemeinschaft mit I)r. Unger eine Broschüre über da- Verhältniß Ungarns zur Gesommt- Monarchie erschienen, welche sowohl diesals jenseits der Lkitha freundliche Beurthcilung erfahren hat. ן CornWndenz. KalocSa. Der hiesige Cultus-Vorstand hat an die ungar. Schwester-Gemeinden folgendes Schreiben gerichtet: ״Seit dem Jahre 1840 ist es den Israeliten gestattet in der diesigen erzbischöflichen Stadt einen bleibenden Wohnsitz zu nehmen. Im Laufe dieser zwanzig Jahre hat sich unsere Gemeinde durch allmäligrn Zuwachs derart vergrößert, daß sie heute bereits sechzig Familien zählt. Wir fühlen längst schon das ernste Bedürfniß ein Gotteshaus, wo wir unsere Andacht, unserer Religion würdig, verrichten können, zu gründen. Unser« Kräfte anstrengend, sehen wir uns dennoch in die unangenehme Lage versetzt, daß wir dies auS unfern schwachen Mitteln, bet all' unfern dargrbrachte« Opfern, auszuführen nicht im Stande sind. Durchdrungen von diesem heiligen Bedürfnisse, gestützt auf Ihre» mildthätigen Sinn für Ihre ReligtonSgenossen, glauben wir der Hoffnung Raum geben zu dürfen, daß unser ergebenste- Ansuchen: Uns ין unsere« Heilige» N«trr«ehme» mit einer b«schei-e»e« Hülfe teistehe« za «ollen, nicht leer verklingen wird. Der Segen GotteS wird für die edle Thal über Sie walten. Wir sowohl, als unsere Nachkommen werden Ihre werthen Namen, die wir zu« ewigen Andenken aufzetchnen wolle», mit der innigsten Dankbarkeit nennen. » Mit Hilfe Ihrer milden Gaben hoffen wir also unser gottgefälliges Vorhaben in der kürzesten Zeit realifiren zn können. Schließlich erlauben wir unS noch die ergebenste Bitte, die uns zugedachten milden Spenden in möglichster Bälde an den gefertigten Borstand gelangen zu lassen, denn: b« dat, qüi cito dat. Wir zeichnen daher im Vertrauen mit innigster Danksagung, und sehen der Erfüllung unserer Bitte sehnlichst entgegen." (Möge diese Bitte nicht ungrhört verklingen, sondern frommen Widerhall in den Herzen edler GlaubenSbrüdir finden. Red.) Temesvür. Die hohe k. ungarischen Hofkanzlei hat den prov. Direktor und Lehrer an der iSrael. Muster-Hauptschule in. TemrSvür. Herrn Ahron Kohn, als wirklichen Direktor und Lehrer, und die prov. Klassenlehrer rirser Anstalt, die Herren Mvriy Freund. Samuel Epstein und Abraham Deutsch, als wirkliche Klassenlehrer bestellt. -d. Prag. ״Wie lange noch? Wie bald wieder?" — Diese zwei Fragen drängten sich unS auf bei zwei in den ersten Tagen dieses Monats hier stattgefundenen Feierlichkeiten. Am 2. Mai beging die Josephstädter Haupt- und Unterrralschule ihr ^9. oder 80. Gründungsfest. Wie der Leser sieht, wissen wir nicht genau anzugebrn׳ wie viele Male dieses Fest schon gefeiert worden, dafür aber können wir, können auch die Leser dieser Blätter sich an den Fingern herzählen, wie viele Male es noch begangen werden wird. Wir haben an dem Akte der Feierlichkeit nicht »hetlgrnommrn, weil es uns mit Wehmuth erfüllt hätte, wenn wir demselben beigewobnt, und weil wir gefürchtet haben, wir könnten bei derselben Männern begegnen, die ohne zu erröthen diese Feierlichkeit begehen helfen, und sich doch nicht entblöoet, für die vereinstige Auflassung der Anstalt ihre Stimme abzugeben. Was die Feierlichkeit selbst betrifft, so erfuhren wir, daß sie von dem greisen Schuldirektor, Herrn M. Win l ern iy, mit einer gehaltvollen Rede eröffnet und nach Adsingung dcr VolkSbvmne mit einem Akte der Wohlthätigkeit geschlossen wurde. Die zweite Feierlichkeit, bei der wir ״wie bald wieder!" ausriefen, betraf die Eröffnung deS Prager iSrael. Knaben-WaisenhauseS. Da-Waisenhaus, diesevor 260 Jahren von Mordechai Meist gegründete humanistische Institut gerieth durch Verwaltung, Braussichtigung u. s. w. u. s. w. unter dem fruhern Regime rer Gemeinde nach und nach der Art in Verfall, daß wir vor einigen Jahren in einem, die iSrael- Interessen vertretenden Blatte auf dessen Auflösung antrugen. Es wurden auch bald darauf die wenigen Zöglinge bei dem Privatlehrtr Herrn M. Kisch unterbracht, der durch seine gewiffenhafte Pflege und intelligente Erziehung drn bei ibm unterbrachten Zöglingen ein zweiter Vater geworden. Mit der Zeit wurde aber dadurch, daß sich die Zahl der Waisen vermehrt, auf Reorganisirung des Waisenhauses angetragen. und diese auch inS Wr״k gesetzt. Das ursprünglich zu diesem Zwecke bestimmte Haus wurde wieder vollkommen in Stand gesetzt und mit vielem Comfort eingerichtet, wobei sich Herr Hermann Wiener vorzügliche Verrienste erworben, und am 5- Mai wurde es im Beisein sehr vieler Honoratioren der Gemeinde, des ersten Rabbiners, Herrn Rappoport. deS zweiten. Herrn Freund, und deS Prediger», Herrn Professors Kämpf feierlich eröffne». Feierlich? — wir gebrauchen diesen Ausdruck, weil er sich auf dem Programme vorfindrt, wir haben aber während des Aktes nur wenige Momente gefunden, welche auf eine Feierlichkeit in des Wortes eigenster Bedeutung schließen ließen. Zuvörderst befremdete es unS, daß die Eröffnung mit einem deutschen Liede und nickt mit einem hebräischen Gebete stattgefunden. Die heilige Sprache ist reich genug an Worten für ein solches Gebet, und wir haben, Gott sei Dank! Männer genug, wrlche ein solches Gebet zu verfasse» und zu sprechen im Stande find, dock — eS unterblieb. Dadeutsche, von Maschek in Musik gesetzte Lied wurde von dem Chorpersonale de» Israel. Tempel», unter der Leitung dr» Obercantor» Herrn M- P e r r l e », eben so wie zum Schluffe der ISO. Psalm recht schwungvoll »orgetragen. Nach dem Liede hielt

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