Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 21 (24.5.1861)
- Date
- 1861-05-24
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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״ 164 ״— gemacht unv in vor. Nummer bereits mitgetheilt worden). Referent empfiehlt deshalb Ramm« des dritten An-schuffrden Antrag der Kammer der Abgeordneten zur Annahme. Graf G i e cb, der fich eine gegen die Zulässigkeit deS absoluten Gemeindevelo'- gerichtete Borstellang der iSrael. CultuSgemeinde München angeeignet hatte: Schon im I. 1850 sei diese Frage verhandelt worden; er beziehe fich zur Motivirung seiner Anficht auf das Votum eines englischen Parlaments- Mitgliedes, welche» in der nämlichen Sache abgegeben wurde^ und. dalautet: ״DU Durchführung der Iuvenreform ist vor der Abstimmung entschieden, wenn auch raS Haus fich zuerst g'gen dieselbe avSsprechen sollte; .solche Idem schleichen leise an die Thür, pochen immer stärker, endlich öffnet fich die Thür von selbst, und fie nehmen Platz unter un», und wir wundern uns, daß die Sache nicht schon längst so gekommrn wie fie wirklicb kam." Auch heute erscheint diese Idee wieder an der Pforte des Hauses, uno da ich.fie für gerecht und billig erachte, so empfehlt ick derselben die Thüre zu öffnen und fie cinzulassen. Zweiter Präfivent v. Seinsheim: Die Aufhebung der im Beschluß der Kammer der Abgeordneten enthaltenen Artikel des Edikts ist allerdings gerecht, bauptsächlich schon darum, weil dieselben in der letzten Zeit ohnehin nicht mehr ringehalten, und so viele Ausnahmen gemacht wurden, daß der GesetzeSartikel keinen rigent lichen Derth mehr habe. Ich bin auch damit einverstanden, daß Israeliten Brauereien, Wirthschaften und dergleichen führen dürfen. Dagegen beantrage ich bei der Aufnahme von Israeliten in Orten, wo fie bis jetzt noch nicht ansäsfig waren, den Gemeinden ein Veto zu gestatten.... Der"Redner behauptet, daß die Emancipation im Elsaß und in Baden Nicht vortheilhaft gewirkt, und verliest mehrere Stellen au» verschiedenen Werken zum Beweis dieser Angabe. Der Einwurf, daß man gegen den Zeitgeist nicht anstrebeu könne, werde nur aus Flauheit und Gewissenlosigkeit oder aus Furchtsamkeit erzeugt. Redner stellt daher den bereitmktgetheiltcn Antrag, unv schließt: ״dixi et *nlv&vi animam meam" Dr. v. Harleß: Ich erkläre mich gegen den vom zweiten Präsidenten eingebrachtrn Antrag. Der Bezugnahme auf das Elsaß stelle ich die Thatsache entgegen, daß, obwohl in unserer Rheinpfalz die Juden emanctpirt fine, derartige Klagen nie an uns. gelangten Zeuge davon find die Abstimmungen und Erklärungen der Pfälzer Abgeordneten in der zweiten Kammer. . . HDttt dem gestellten Antrag würde man auf der einen Seite nehmen, was man auf der andern gibt, es dünkt mich derselbe wie da» bekannte Spiel, wo man den Arm ausstreckt, um jemandem die Hand zu reichen, und dann, wenn der andere die seinige dagegen reicht, ihm auf die Hand schlägt. WaS das Beto anbelangt, daden Gemeinden eingeräumt werden will, so wird hiedurch rer Regierung ein Recht entzogen, denn bisher batte diese da- Recht, die Ansasfigmachung der Juden zu genehmigen, von jetzt au aber soll nur das Veto der Gemeinde entscheidend fein. Gegen eine solche Bestimmung bin ich prtncipiell, und auch deshalb weil die Israeliten darunter am meisten leiden, und eine ungesetzliche Ungleichheit zwischeu Israeliten and den christlichen Staatsaugehörigen geschaffen werde. . . . Man legt sodann Gewicht auf die eingrkommenen Petitionen von 14 Gemeinden, allein ich bin zweifelhaft. ob man denselben ,in Gewicht beilegen könne. Eist eine Thatsache, daß diese Vorstellungen bervorgerufeu worden find durch Circulare, welche von Tölz aus au alle Gemeinden geschickt wurden. (Redner zeigt ein solche- Circular vor. und verliest eS.) ... Wenn ich nun auch das innerste Motiv deutlich aussprechen soll. auS welchem ich mich für den Beschluß der Kammer zu stimmen verpflichtet erachte, so ist e» sicher nicht die Neigung mich durch den Zeitgeist bestimmen zu lassen, oder von rer Furcht, ich bin vielmehr als einer berüchtigt, der fich wenig um die aurs popalari« kümmert, es ist vielmehr die wahrhaft chri^liche Sitte und Gesinnung von der aus allein den Israeliten in Bavern diejenigen Rechte gewährt werden sollen, welche für fie in der Kammer der Abgeordneten beantragt worden find, und hiebei hebe ich eine Erinnerung hervor, die freilich fast zu heilig ist, um iu einer politischeu DiScusfion benützt zu werden — die Erinneruug. welche vielleicht die am wenigsten verstehen, für vir ich spreche, die Erinnerung au einen, der einst sterbend für sei» Volk gebetet. ... Frhr. Earl v. Aretin ist für den Antrag de» jweitm Präfideuste«, j hält aber auch dt« Abhebung der «$. 12 7e de- EvieteS für zweck- 1 mäßig, dv dieselben schon oft umgangen «erden mußten. Die hiedurch entsteheude Lücke soll durch ein dem Bedürfniß entsprechende» Gesetz auSgefüllt werden, und ries kann durch den Antrag deS zweiten PräfideMe» geschehen, weil hiedurch allein die Christen vor den sie drohenden Rachtheilen geschützt werden. .. . Frhr. v. Thüngen: Ich schließe mich dem Anttag der Kammer der Abgeordneten vollkommen an; die Borthcile, welche den Juden gewährt werden sollen, find keine bedeutenden; denn jetzt schon finden die aufzuhebendev Besttmmungen keine volle Anwendung mehr. ES ist wahr. daß die Juden gewandtere Geschäft-männer find, in dieser Beziehung die christlichen Gewerbetreibenden überbietrn, und so für die Christen Gefahr droht. Aber man hat ja bis jetzt den Juden nichts anderes übrig gelassen als Handel zu treiben. ... Der Jude ist schon vermöge seine» CharakterS ein genauer Beobachter deS Gesetze-, und er wird dies auch auf das bürgerliche Leben ausvrhnen, um so mehr da er der bürgerlichen Gesetze gegenüber den christlichen Borurtheilen noch lange bedürfen wird. Jetzt ist der Jude natürlich ein Feind der StaatSeinrichtungen .. . deshalb schon ist es ein Akt der Staatsklugheit, daß man einen Feind, den mau nicht vertreiben kann, sich zum Freunde macht, besonders wenn eS durch einen Act der Gerechtigkeit geschehen kann. Auch gegen dir Ueberlaffung des Beto's muß ich mich entschieden aussprechen, weil dabei die Israeliten noch schlechter als bisher gestellt würden, und dabei zu viel vom Vorunheil zu lrivrn hätten Bischof Dinkel von Augsburg unterwirft zunächst die Bestimmungen des EdictS einer Kritik, und folgert, daß diese Normen nur scheinbar harr seien. ... Er sei für den Antrag des Ausschusses und den Beschluß der Abgrorvneten. . . . ״Ich «heile die Befürchtungen nicht. Ich rühme die Gewissenhaftigkeit deS Juden in Ansehung der Sabbathfeier, ich lobe die Tugend seiner Mäßigung, ich ehre und schätze seine Ausrauer, seine Arbeitsamkeit und seine Rührigkeit; ich muß besonders loben das innige und schöne Familienleben der Juden; ich selbst habe mehrere Israeliten näher kennen gelernt, ihren Charakter näher geprüft, und ich muß sagen, ich babe sie hochvenhren gelernt, uno werde fie hochverrhrrn auch in Zukunft, und varum, wenn auch noch so viel trübein Ansehung vrs jüdischen Charakters unter vea »erschiedenen Verhältnissen gesagt wird, wollen wir wenigstens waö gut ist nicht unter dem Eindruck des Schlimmen büßen lassen.... Hr. von Niethammer ist unbedingt für den Beschluß der Kammer der Kammer der Abgeordneten. desgleichen der Hr. Erzbischof v. S ch e r r von München-Frey sing, der rs tief beklagen würde, wenn man die christlichen Glaubensgenossen irgendwo unter einem ähalichen Gesetz leiden ließe. Es sei sein Grundsatz: .WaS du nicht willst daß man dir thue. dathu' auch einem andern nicht." Nachdem auch Frhr. v. Fraunhofen erklärt harte, daß er für den Beschluß der Kammer der Abgeordneten stimme, gab Fürst v. Hobenlohe seine Schlußerklärung dahin ab: Man kann aunehmen, daß die Majorität für den Antrag vrs Ausschusses sei. Der Antrag des zweiten Hrn. Präsidenten habe viel Berechtigung für fich, denn wohl häufig wird ein wahrhaft christlichgestnnter Mann gegen die Emancipation der Juden stimmen wogegen die vollständige Gleichstrllung der Juden häufig von solchen Menschen befürwortet wird, die mit ihrem Glauben selbst banket ott geworden find: . . . allein der chrtst- Hebe Staat kann auch bei rer Gleichberechtigung der Juden bestehen. (Schluß folgt.) Zur Abdüdmz. Adolph Aischhof, Arzt und östrrr. Reichstags-Leputirter im Jahre 1848, ist zu Alt-Ofen am 8. December 1816 geboren») Nach Vollendung der medizinischen Studien fungirtc er al- Secua׳ dararzt im allgem. Krankenhause in Wien, bis er am 13. März 1848 zum ersten Mule die Aufmerksamkeit auf fich lenkte. Mit dem Rufe: ..der Freiheit eine Gaffe." durchschritt er an jenem Tag« deu Stäube- Hof, um den versammelten Ständen die Wünsche der Uuiverfität vorzutragen und war der Erste, welcher an jenem Tage t« Stäurehaus« sprach. Eine nachhaltigere Rolle spielte er al- Präfideut deS Sicherheits Ausschußes. welcher in jenem Jahre eine denkwürdige Stellung ») Rach dem ״Biographischen Lexiron" de« Kaiser»»*«« Oesterreich. •M Dr. G. 0 nt. v. Wur »bach, Borstanb der abmintstrat. Bibliothek l« f. f. Ministerium de« Innern (Wien 1858). «